Einen dreitägigen Graffiti-Workshop hat der Flechtinger Jugendklub veranstaltet. Die Jugendlichen selbst konnten mitentscheiden, wie eine bislang kahle Wand im Klub künftig aussehen soll.

Flechtingen l Das Vorhaben, den Flechtinger Jugendklub im Haus der Jugend und Vereine etwas bunter zu gestalten, gibt es schon länger. Zwei der rauen weißen Wände in der Einrichtung haben nun ihr Aussehen entscheidend verändert.

Dank eines Workshops mit Michael Braune aus Stendal gehören Spongebob Schwammkopf, Thaddäus und die Minions nun zum alltäglichen Bild im Jugendklub.

Acht junge Leute hatten sich für den Workshop mit dem Graffiti-Künstler angemeldet. "Genau die richtige Größe, um mit einer Gruppe vernünftig arbeiten zu können", sagt der 38-Jährige, der nicht Pädagoge sein, sondern die jungen Leute künstlerisch anleiten will.

Darum stand am Anfang des dreitägigen Seminars auch eine Kreativrunde zur Ideen-findung. Die Ideen waren schnell zusammengetragen, die Skizzen auf dem Papier dauern da schon etwas länger.

Dann wurden die Elemente mit grauer Farbe auf die Wandfläche über Eck aufgetragen.

"Dort kommt wieder unser Fernseher hin", zeigt Jugendklubleiterin Dorothea Tiedge in die Ecke, darunter läuft das Wandbild sacht aus. Von ihrem Vorschlag blieb nur eine Wand und ein Basketballkorb übrig, doch die Mehrheit hatte entschieden, Figuren aus Kino und Fernsehen zu integrieren: der gelbe Schwammkopf Spongebob, sein ewig griesgrämiger Nachbar und Kollege Thaddäus Tentakel sowie die munteren Minions. Sie turnen überdimensioniert groß zwischen den Mauervorsprüngen herum. Michael Braune weiß genau, wie er mit Ideen, Formen und Größen umgehen muss, um daraus ein Kunstwerk zu gestalten.

Dutzende von Sprühflaschen stehen um die Sprayer herum oder sind noch in Kartons zu Farbgruppen zusammengefasst. Nach dem Vorzeichnen der groben Konturen müssen die großen Flächen ausgesprüht werden.

"Wir gehen mit den Ebenen von hinten nach vorn vor", sagt der Stendaler, die Figuren im Vordergrund kommen also zuletzt an die Reihe, werden umrandet und farblich ausgesprayt. Zuletzt kommt der räumliche 3-D-Effekt dran.

Bei der Arbeit mit den Sprayflaschen tragen alle eine Schutzmaske vor dem Mund und der Nase, doch der Geruch durchdringt trotzdem jede winzige Pore. Immer mal wieder wird gelüftet, doch der intensive Farbgeruch bleibt erst einmal in der Luft hängen.

Während sich Michael Braune vorsichtig an den Details wie Mauerfugen oder Schatten zu schaffen macht, arbeiten fünf der Mädchen noch an individuellen Leinwänden.

Jenny und Anna widmen sich einer schokoladigen Szene, ein riesiges Maul schnappt nach einem Nutella-Glas.

Andere versuchen sich mit einem Text-Graffiti, wollen den Schriftzug Music auf ihre Leinwand bringen, doch schon bei den Skizzen zeigt sich, wie schwierig das ist.

Michael Braune ist schon um die halbe Welt gereist, um seine Kunstwerke auf Wände zu sprayen. Von seinen Erfahrungen profitieren nun auch viele junge Leute in der Heimat. Allerdings war er in der Börde noch nicht soviel unterwegs, eher im Norden, sagt er und meint damit die Region nördlich von Stendal.

In Flechtingen hat es ihm sehr gut gefallen. "Das Ambiente ist klasse, die Jugendlichen sind motiviert", sagt er und weiß, dass er hier gern noch die eine oder andere Stunde zusätzlich dranhängt, um das Kunstwerk fertigzustellen.