Das weiße Gold aus Hundisburg ist mittlerweile auch international gefragt. Künftig soll der Marmorgips sogar in Finnland verbaut werden. Finnische Bauexperten haben sich jetzt im Umgang mit dem Werkstoff in der Ziegelei Hundisburg schulen lassen.

Hundisburg l Wenn Gebhard Troyer vom Hundisburger Marmorgips spricht, leuchten seine Augen. Der Finne ist begeistert von diesem Baustoff. Gemeinsam mit sieben Landsleuten hat er sich im Technischen Denkmal Ziegelei Hundisburg im richtigen Umgang mit diesem ganz speziellen weißen Gold schulen lassen.

Auf der "denkmal", der Europäischen Messe für Denkmalpflege, Restaurierung und Altbausanierung in Leipzig, war Troyer erstmals mit dem Hundisburger Gips in Berührung gekommen. Von der 2014-er "monumento" Salzburg, der mitteleuropäischen Messe für Denkmalschutz und Denkmalpflege, hat der finnische Bauexperte dann erste Gips-Musterproben mit in seine Heimat genommen. "Beeindruckend", beschreibt Gebhard Troyer mit einem Wort das Baumaterial aus Hundisburg.

"Wir haben die Proben bei der Restaurierung der Finnischen Nationalbibliothek ausprobiert und waren sehr zufrieden", erzählt Troyer. Das klassizistische Gebäudes wurde von 1840 bis 1846 nach Plänen des deutsch-finnischen Architekten und Malers Carl Ludwig Engel - ein Studienfreund von Karl Friedrich Schinkel - erbaut. Alle bisherigen Versuche, die teilweise beschädigten Marmorsäulen im Kuppelsaal der Bibliothek auszubessern, hätten aber mehr Schäden angerichtet als Erfolg gehabt, erzählt Troyer.

Er merkte in Helsinki schnell, dass die Verarbeitung des Hundisburger Gipses alles andere als einfach ist. Also scharrte er Denkmalschützer, Restauratoren, Stuckateure und sogar den Chef einer Baufirma, der sich auf die Sanierung alter Gebäude spezialisiert hat, um sich und fuhr mit ihnen nach Hundisburg, um direkt am Produktionsort zu lernen, wie der Gips bearbeitet werden muss, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Mit Gerd Srocke haben sie einen Experten gefunden, was die Arbeit mit dem weißen Gold angeht. Der Fachberater der Hundisburger Baustoffmanufaktur kennt all seine Geheimnisse. "Wir sind völlig verblüfft", gesteht Gebhard Troyer. Schon beim Anrühren müssen die gewohnten Arbeitsschritte umgekehrt werden. "Der Hundisburger Gips wird nicht einfach ins Wasser gestreut. Hier kommt erst der Gips, dann das Wasser. Aber Gerd Srocke passt ja auf und hilft uns, wenn wir etwas falsch machen", sieht der Finne die Sache locker.

Kontakte zu Finnland weiter vertiefen

Für ihn und seine Kollegen sei es wichtig, den Gips in der Hand zu haben, ihn kennenzulernen, ihn zu fühlen, mit ihm zu experimentieren. Deshalb steht die Praxis bei ihrem dreitägigen Besuch in Hundisburg ganz oben. "Am Dienstag haben wir schon erste Stuckmarmorproben gefertigt. Diese Arbeitsweise brauchen wir unbedingt bei unseren Projekten", so Troyer weiter.

Gerd Srocke ist zufrieden mit seinen "Schützlingen". Und er möchte am liebsten Ergebnisse sehen. "Wir wollen versuchen, den Kontakt zu unseren finnischen Kollegen über das Leader-Programm zu vertiefen", wünscht er sich. "Dann können wir sie vielleicht auch mal zu einem Erfahrungsaustausch besuchen."

Srocke ist stolz darauf, wie sehr der Marmorgips aus der Ziegelei in Fachkreisen geschätzt werde. Das Technische Denkmal ist seiner Meinung nach europaweit der einzige Hersteller dieses Spezialgipses. Verbaut wurde er unter anderem schon im Neuen Museum in Berlin, im Schloss Weimar und beim Wiederaufbau der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Doch auch bei nicht ganz so bedeutenden Restaurierungsprojekten komme der Hundisburger Gips zum Einsatz. Als Beispiele führt er das Lüneburger Rathaus oder zahlreiche Feldsteinkirchen im Raum Bad Segeberg auf. "Hier sind die Restauratoren erst mit unserem Gips zum gewünschten Erfolg gekommen", unterstreicht er.

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