Für das Haldensleber "Roland"-Kaufhaus soll nach Volksstimme-Informationen beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie eine Abrissgenehmigung beantragt worden sein. Konkretes war dazu von der Konsum "Optimal-Kauf"-Genossenschaft als Eigentümer des Objekts nicht zu erfahren.

Haldensleben l Das ehemalige "Roland"-Kaufhaus hat die besten Zeiten hinter sich. Der markante Bau mit seiner Glasfassade dominiert das Bild am Marktplatz - weil er sich optisch deutlich von den umliegenden Gebäuden hervorhebt und sich so gar nicht mehr in den Reigen der sanierten Wohn- und Geschäftshäuser ringsherum einfügt.

Nun könnten seine Stunden gezählt sein. Nach Volksstimme-Informationen hat der Eigentümer des Objektes, die Konsum "Optimal-Kauf"-Genossenschaft Haldensleben, im vergangenen Jahr beim Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie die Genehmigung für einen Abriss beantragt. Offiziell gibt es dazu aber keine Stellungnahme vom Konsum. Ob ein solcher Antrag gestellt wurde oder ob er nicht gestellt wurde - weder das eine noch das andere konnte Vorstandsmitglied Jens Keek auf Volksstimme-Nachfrage bestätigen.

Zumindest hat sich Benjamin Rudolph vom Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie in Halle, die Mühe gemacht, die Bauhistorie des Gebäudes aus DDR-Zeiten zu recherchieren. Seine Arbeit fördert Erstaunliches zutage und unterstreicht einmal mehr, dass Haldensleben schon immer für etwas ganz Besonderes gut war.

Komplex war DDR-weit einzigartig

Demnach ist das ehemalige Versorgungszentrum, das unter seinem Dach einst ein Hotel, eine Gaststätte und ein Kaufhaus beherbergte, "ein wichtiges Zeugnis für ein individuell geplantes kleinstädtisches Mehrzweckgebäude. (...) Mit der Überlagerung von drei grundverschiedenen Funktionen und deren Unterbringung in einem einzigen Gebäude stellt das Versorgungszentrum eine DDR-weit einzigartige Lösung dar, bezogen sowohl auf nachweisbare als auch erhaltene Projektierungen", hat Rudolph herausgefunden. Denn das Mehrzweckgebäude, das von 1975 bis 1979 nach Entwurf von Walter Seidl von der Kreisentwurfsgruppe Haldensleben errichtet wurde, ist das einzige Objekt eines Warenhauses mit der Funktionsüberlagerung von Hotel und Gaststätte, das jemals in einer DDR-Kleinstadt gebaut wurde.

"Darüber hinaus handelt es sich bei dem Baukomplex um einen wichtigen Stadtbaustein, der bewusst am Marktplatz beziehungsweise gegenüber des Rathauses und der Stadtkirche platziert wurde. Die gleichberechtigte Gegenüberstellung von historischen und modernen Architekturformen ist zeittypisch", so Rudolph weiter.

Für die DDR-Zeit mag das durchaus zutreffend sein, aus heutiger Sicht ist das Objekt nicht mehr zeitgemäß. Und auch der Stadtverwaltung ist es seit längerem ein Dorn im Auge. Schon im Jahr 2005 - vier Jahre nach der Schließung des Warenhauses, das seit 1993 von dem Niedersachsen Siegfried Sowa betrieben wurde - hatten acht ehemalige Architektur-Studenten der Fachhochschule Magdeburg-Stendal im Auftrag der Stadt 16 Modelle für eine Neugestaltung des Komplexes entworfen. Zwei Jahre später wurde Studenten für Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Universität Weimar die Neugestaltung des "Roland"-Kaufhauses als Thema für eine Diplomarbeit angeboten. Umgesetzt wurde davon allerdings nichts.

Auch über die Städtebauförderung sollte versucht werden, eine Lösung für den "Roland" zu finden. Doch dazu hätte die Stadt es erwerben müssen. Noch im Jahr 2008 hegte Bürgermeister Norbert Eichler (CDU) die Hoffnung, dass die Stadt bald in den Besitz des Objekts käme, um "diesen Schandfleck zu beseitigen". Bis dahin waren alle Verhandlungen der Stadtverwaltung mit dem Eigentümer über einen Abriss und Neubau gescheitert. Auch das daraufhin von Seiten der Stadt unterbreitete Kaufangebot stieß auf Ablehnung.

Hotel übersteht Wende- und Nachwendezeit

Seitdem hat sich am Zustand des Gebäudes nichts geändert. Die zu DDR-Zeiten sehr beliebte "Roland"-Gaststätte mit ihrem damals durchaus gehobenen Niveau, für die stets und ständig das Motto "Bitte warten, Sie werden platziert!" galt, schloss bereits kurz nach der Wende um 1991 herum. Ihre Fläche wurde dem Kaufhaus zugeschlagen, für das am 1. April 2001 das Aus kam. Seitdem wird zumindest auf der unteren der drei Verkaufsetagen noch Handel betrieben - von einem Supermarkt.

Lediglich das Hotel "Roland" ist auch im Jahr 25 nach der Deutschen Wiedervereinigung und gut 35Jahre nach seiner Eröffnung noch immer in Betrieb. Und gelegentlich wird auch noch die zu DDR-Zeiten ebenfalls äußerst beliebte "Roland"-Bar im Keller des Kaufhauses für Veranstaltungen der Konsum "Optimal-Kauf"-Genossenschaft genutzt.