Silberhochzeit haben Lockstedt und Saalsdorf am Mittwoch gefeiert. Genau 25 Jahre, nachdem zwischen beiden Orten die Grenze geöffnet worden war, wurde an das Ereignis erinnert.

Lockstedt l Nur wenige Kilometer trennen das sachsen-anhaltische Lockstedt und das niedersächsische Saalsdorf, doch bis zum 11. Februar 1990 mussten sich die Einwohner beider Dörfer gedulden, ehe sie sich auf direktem Weg besuchen konnten - über einen zumeist unbefestigten Feldweg.

Der Zustand der ziemlich engen Zuwegung ist bis heute - 25 Jahre später - nicht viel besser, doch die Freundschaft, die nach der Grenzöffnung stürmisch begann, ist bis heute geblieben.

"Leider gibt es seit einigen Jahren keine ELSA-Treffen mehr, das ist schade und sollte wieder aufgenommen werden", meinte Oebisfeldes Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch (UWG) am Mittwochabend. Sie fände es schön, wenn diese Tradition fortgesetzt werden könnte.

ELSA steht in diesem Fall für die drei Orte Everingen, Lockstedt und Saalsdorf, dessen Bewohner sich nach der Grenzöffnung regelmäßig abwechselnd in den Orten zu einem gemeinsamen Fest zusammengefunden hatten.

"Nun stehen wir heute hier an der Stelle, wo unsere Vereinigung begann und feiern Silberhochzeit", sagte Manfred Bredau aus Saalsdorf. Genau dort, wo heute nur noch ein braunes Schild an die Teilung Deutschlands erinnert, standen vor genau 25 Jahren um 18 Uhr viele Lockstedter und Saalsdorfer, um das letzte Schloss zu knacken.

Schmiedemeister Walter Riebold hatte die Säge mitgebracht, mit der diese letzte Hürde genommen wurde. Genau diese Säge hat in Lockstedt inzwischen Kultstatus, am Mittwoch zur kleinen Gedenkveranstaltung durfte sie natürlich nicht fehlen. Längst hat das Werkzeuge im Dorf einen Ehrenplatz.

Ulrich Lauenroth hatte Fotos mitgebracht, die das Geschehen vor 25 Jahren dokumentieren.

"Wir haben hier lange darauf gewartet, bis die Ereignisse von Berlin bei uns angekommen waren", sagte der Saalsdorfer Rüdiger Fricke. Aber sie seien immer noch nicht die letzten gewesen, denn einige andere kleinere Orten mussten noch bis März oder April warten, ehe auch bei ihnen die Grenzbarrieren fielen. Man dürfe nie vergessen, wie unmenschlich das System gewesen ist. Gerade an solchen Stellen wie hier sei das nur zu deutlich zutage getreten, blickte der Chef der Samtgemeindeverwaltung Velpke zurück.

Trotz der Grenze hatten sich die Bürger von hüben und drüben nach dem Herbst 1989 schon Wege gesucht, um ihre Nachbarn zu besuchen.

"Wir gingen einfach quer über den Acker und schlüpften dann durch eine Zaunöffnung", erzählten die Lockstedter. Man kann sich ausmalen, wie die Schuhe nach einem Fußmarsch über nassen Acker und Wiese ausgesehen haben müssen, doch das war das kleinste Problem dabei.

Viele schöne Erinnerungen gibt es aus der bewegten Anfangszeit in Wort und Bild.

Im Sportlerheim in Lockstedt hatten die Einwohner beider Dörfer am 11. Februar vor 25 Jahren, übrigens einem Sonntag, wie Manfred Bredau sich noch genau erinnert konnte, nach der Öffnung noch zusammengesessen und ostdeutsches Bier getrunken. Es habe nicht besonders geschmeckt, aber war billig, scherzten die Anwesenden am Mittwoch. Und dann sei abends tatsächlich ein Oberstleutnant gekommen und habe alle "illegal Eingereisten" aufgefordert, die DDR bis 22 Uhr wieder zu verlassen, sonst müssten sie über die Grenzstation Marienborn ausgewiesen werden. Das erregte damals aber nur noch allgemeine Heiterkeit.

Wenn die Lockstedter in Saalsdorf zu Gast waren, habe es Feldschlößchen aus dem Westen gegeben, mittlerweile wird aber wieder das gute Bier aus dem Osten Deutschlands bevorzugt. Das stand dann auch auf den Tischen, die in der Kegelbahn in Lockstedt für einen gemütlichen Abend vorbereitet waren. Ulrich Lauenroth lud alle nach der Erinnerungszeremonie dorthin ein.

 

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