Hörsingen l Irgendwo in der Mitte zwischen Berlin und Hannover liegt Hörsingen. Berliner und Hannoveraner konnten die Hörsinger zu ihrem Finale der 60. Session neben zahlreichen anderen Gästen aus Bertingen, Rogätz, Seggerde, Bebertal, Westeregeln, Bülstringen, Ivenrode, Ummendorf, Gommern, Flechtingen, Haren am Silbersee, Magdeburg, Langenweddingen, Braunschweig und Weferlingen im Karneval begrüßen.

HKV-Elferratspräsidentin Berit Lobach hatte die bunt kostümierten Gäste aus nah und fern natürlich neben dem einheimischen Publikum aus Hörsingen höchst persönlich begrüßt. Im ausverkauften Saal des Dorfgemeinschaftshauses dominierten die Farben Gelb und Blau, die traditionellen Farben der Karnevalisten. Und doch war in diesem Jahr einiges neu und anders, denn zum runden Jubiläum gab es beispielsweise ein völlig neues Bühnenbild.

Vor allem Manfred Skibbe und Peter Zabel, denen stellvertretend für alle Helfer Dank gebührte, hatten in letzter Zeit jede freie Minute investiert, um die Ideen zur Neugestaltung in die Tat umzusetzen.

Ortsbürgermeister Peter Schorlemmer rückte ein letztes Mal den Schlüssel für die Macht raus. Er erinnert an die lange Tradition, die der Karneval in seinem Ort mittlerweile begründet hat, weil sich in den 1950er Jahren einige unverdrossene Einwohner die Idee in den Kopf gesetzt und nicht wieder losgelassen hatten.

Prinz Sven und Prinzessin Doreen regierten in dieser Jubiläumssession mit großem Herz und viel Charme, und das, obwohl Prinz Sven als Hamburger Junge bisher ein ausgesprochener Karnevalsabstinenzler war. Doch aus Liebe zu seiner Doreen, einer Hörsingerin schon vom Elternhaus aus mit Karneval im Blut, kam er jedes der letzten Wochenenden von der Waterkant an die Schölecke und setzte sich die Narrenkappe auf.

Beide tanzten, schunkelten und sangen mit dem Publikum um die Wette, verteilten eifrig Dankes-Sekt und Ehrenorden.

Für Bombenstimmung sorgten natürlich vor allem die viele Akteure auf der Bühne - vom Elferrat, über die Prinzengarde samt Gefolge, die Büttenredner bis hin zu allerlei Klamauk, Gesang und Tanz.

Helene Fischers "Atemlos" gaben die "Sternchen", die Nachwuchstanzgruppe der Hörsinger eine ganz neue Bedeutung, denn sie sorgten für die erste rasante Zugabe des Abends - es sollte nicht die letzte bleiben.

Die beiden Büttenredner Norbert Daul und Achim Bornkampf hatten es nicht leicht gegen das recht laute Publikum anzusprechen. Doch nach einigen freundlichen, aber eindringlichen Ermahnungen, honoriert mit Applaus, waren der Rentner und seine Erlebnisse im gerade erlangten Ruhestand beziehungsweise der Schüler mit allerlei Streichen und dem Lehrer gar nicht so zusagenden Kommentaren gut zu verstehen.

Achim Bornkampf erläuterte sogar noch, wie der einmalige Schlachtruf "Hössig man tau" einstmals entstanden ist.

Ehrenorden des Hörsinger Karnevals gingen an diesem Abend unter anderem an Lutz Wetteborn, Frank Müller und Wolfgang Feuerschütte, an Peter Roder, Bernd Wilke und Wolfgang Fricke. Allesamt sind sie verdiente Karnevalisten. Letztgenannter wurde von seiner Tochter, der Prinzessin, natürlich besonders herzlich umarmt.

Mit einer ersten Stimmungsrunde fiel es der Gesangsgruppe nicht besonders schwer, das Publikum mitzureißen. Die altbekannten Lieder wie das vom Gartenzwerg, den Adelheid ihrem Liebsten schenkt, wurden mitgesungen und geschunkelt.

Dass die Prinzengarde nicht nur die klassischen Märsche beherrscht, stellte sie beim "Let`s dance" einmal mehr unter Beweis. Die überaus rockige Nummer wurde mit Zugabe-Rufen überhäuft.

Eine Umbauphase auf der Bühne nutzte das Prinzenpaar, um seine tänzerischen Fähigkeiten unter Beweis zustellen. Prinzessin Doreen, wegen ihre bei Kälte schnell geröteten Nase von ihren Freunden liebevoll "Rudi" (frei nach dem berühmten Rentier) genannt, wollte schon vor zehn Jahren freiwillig in die Majestätsrolle schlüpfen, doch das klappte nicht, darum war sie nun umso erfreuter und ging in ihrer Rolle sichtlich auf. Als Wahl-Hamburgerin zieht es sie trotzdem immer noch gern in ihre Heimat zurück.

Die "Hössig Chippendales" brauchten für ihren Auftritt nur vier riesengroße Mülltonnen, denn ihr Stegreiftheater bestand aus Versen in "Shaggy"-Manier. Immer, wer von den strubbeligen Gesellen gerade an der Reihe war, öffnete einfach seinen Deckel und sang drauflos.

Die "Schölecke-Spatzen", legendäres Männerquartett besang den alten Delikat-Laden, der zu DDR-Zeiten so etwas wie ein Exquisitgeschäft war und entführte das Publikum ins maritime "Aloa he".

Zehn Männer und (nur) zehn Beine hatte in diesem Jahr das Männerballett. Es tanzte im Schwarzlicht und so waren nur die weißen der schwarz-weißen Beinkleider zu sehen. Das Kuriose: Die Männer waren durch die Strumpfhosen jeweils miteinander verbunden, vertanzen durften sie sich also nicht, um sich nicht gegenseitig umzuschupsen.

Mit einer weiteren Gesangsrunde in "Best of"-Manier und dem großen Finale aller Akteure ging eine stundenlange Session in die gesellige Partynacht über.

   

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