Calvörde l Manchmal erinnert das, was Ingo Springborn tut, an eine Schatzsuche. Dann möchte der Hobbyforscher zum Beispiel eine Stelle finden, die am "Knick an der Eiche, die unten doppelt ist" liegt, wie es oft in einer alten Schrift heißt. Häufig hat der Mann aus Dorst dabei Erfolg. Sein Lohn ist jedoch keine Kiste mit Goldmünzen, sondern ein behauener Stein irgendwo im Wald oder im Feld. Und seine Beute nimmt er auch nicht mit, sondern dokumentiert sie ordentlich auf einer Landkarte und fotografiert sie. Auf das ungewöhnliche Hobby stieß er 1999 beim Wandern durch die Natur. Damals wunderte er sich über die beschrifteten Steine. Seitdem ließ das Thema ihn nicht mehr los. Bald entdeckte er, was für ein weites Feld er da betreten hatte. "Es ist wie eine unendliche Geschichte", sagt Springborn und meint damit die schiere Anzahl von Steinen. "Als ich damals begann, hatte ich noch gar keine Karte. Ich bin ziellos durch die Wälder gelatscht. Erst später mit dem Kartenmaterial bin ich systematisch vorgegangen", erinnert er sich, als er auf Einladung des Calvörder Heimatvereins einen Vortrag über die Steine im ehemaligen Amtsbezirk Calvörde hält.

Das Amt Calvörde gehörte von ungefähr 1320 bis 1945 als Exklave zum Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel beziehungsweise zum Herzogtum Braunschweig. Bereits 2005 hat Springborn, der selbst auch schon seit über zehn Jahren zu den Heimatfreunden zählt, Lichtbilder von seinen Fundstücken gezeigt und von seinen Entdeckungen erzählt. Inzwischen sind schon einige Steine und deren Spuren zu geschichtlichen Erkenntnissen dazu gekommen.

"Zu DDR-Zeiten wurden viele Steine, die am Feldrand standen, einfach abgebrochen. Aber selbst heute findet man noch Steine, die zugewachsen sind oder einfach im Erdboden verschwunden waren", erzählt er.

Seine besondere Leidenschaft teilt er seit fünf Jahren mit Jürgen Wendel aus Haldensleben. "Jürgen ist genau so wie ich immer unterwegs auf der Suche nach neuen Grenzsteinen", berichtet Springborn.

Irgendwann soll es einmal eine topographische Landkarte geben, in der die Steine verzeichnet sind. Doch bis dahin ist es noch viel Arbeit. Bisher habe er schon 130 Grenzsteine erfasst - von über ehemals 640 Steinen.

Der älteste nachweisbare Stein wurde um das Jahr 1707-1770 gesetzt. Die steinernen Zeugen der Vergangenheit haben spannendes zu erzählen. Viele Geschichten gibt es rund um diese Grenze, die das Leben der Menschen vor Ort zwei Jahrhunderte lang prägte.

Es galten nicht nur unterschiedliche Gesetze, sondern auch auf kürzeste Distanz zwischen den Dörfern unterschiedliche Maßeinheiten und Währungen, was den Handel oftmals erschwerte und komplizierte Umrechnungen erforderte. Eine Heirat oder auch Schenkungen veränderten die Grenzen.

Jetzt, in der kalten Jahreszeit beginnt für die beiden Steinsucher die Arbeit erst richtig, denn die Steine sind leichter zu finden, wenn die Vegetation nicht mehr so üppig wuchert. Über Hinweise auf Dokumentationen der Steine von 1830 bis 1898 ist der Freizeitforscher jederzeit auch dankbar.

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