Die Wieglitzer Christen wollen ihr kleines Gotteshaus sanieren lassen und dann als Schifferkirche eröffnen. Die Kirche ist leergeräumt. Nun starten die Bauarbeiten. Ende August soll das Projekt vollendet sein.

Wieglitz l Dicke Staubwolken und lautes Gehämmer dringen aus dem Wieglitzer Gotteshaus. Vor der Tür versammeln sich Mitglieder der evangelischen Gemeinde und einige Nachbarn. Zur Freude, dass es endlich mit der Sanierung losgeht, mischt sich Unsicherheit. Wird alles nach Plan laufen? Und vor allem wird das Geld reichen? Das fragen sich Astrid Leischwitz, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrates und die Vorsitzende Angelika Huchel. Sie beobachten, wie Elektromeister Wolfgang Wenkebach aus Eimersleben die Uhr aus dem Jahr 1908 ausbaut. "Das Uhrwerk bringen wir vorsichtshalber in Sicherheit vor Staub und Dreck. Herr Wenkebach wird sie noch ölen und warten", erklärt Angelika Huchel. Das mechanische Uhrwerk stammt laut Schulchronik aus der Werkstatt von Uhrmacher Henkel aus Neuhaldensleben.

Den Ausbau des Uhrwerkes samt Zahnräder verfolgt auch Günter Redlich, denn er wohnt mit seiner Frau Margarete gleich neben der Kirche. Er ist der Mann, der in der Vergangenheit immer dafür sorgte, dass den Wieglitzern zur richtigen Zeit die Stunde schlägt. "Die ganze Zeit lief die Uhr, aber als heute morgen die Bauarbeiten begannen, ist sie einfach stehen geblieben", sagt Redlich verwundert. Das Uhrwerk soll nach der Sanierung nicht mehr auf der Empore stehen, sondern einen Platz direkt unter dem Dach des Turmes bekommen. "Wir brauchen den Platz hier oben. Neben den Gottesdiensten und kirchlichen Zusammenkünften sollen auch Lesungen, musikalische und andere Veranstaltungen regelmäßig stattfinden", erklärt Astrid Leischwitz.

"Läuten können wir die Glocke während der Bauarbeiten bei einem Sterbefall oder bei einer Hochzeit auch ohne Uhrwerk", verkündet Redlich, der nun bis Ende August seinen "Job" als Uhrenaufzieher los ist.

In der leergeräumten Kirche wird die Decke abgenommen. Große Stücke krachen nach unten. Die Balken kommen zum Vorschein. Auch ein Teil des Fußbodens ist schon aufgebrochen. "Wir wissen nicht, ob vielleicht doch noch weitere unvorhergesehene Baumaßnahmen nötig sind. Meist sieht man ja jetzt erst, was unter dem Putz los ist. Wir freuen uns über weitere Spenden", betonen die Frauen des Rates. Die Fördermittel gibt es vom Amt für Flurneuordnung und Forsten. "Wir erhalten diese große finanzielle Unterstützung, um unser Gotteshaus im Innenbereich zu sanieren und nach Abschluss der Baumaßnahmen auch für das Gemeindeleben im Ort zu öffnen", sagt Astrid Leischwitz. Um Spenden zu sammeln, wurden schon Fensterteile symbolisch vergeben. Insgesamt sind es etwa 1600 Teile. "Die Fenster wurden von Hans-Georg Losert und seinem Sohn vor Baubeginn in Augenschein genommen und sollen restauriert werden. Hans-Georg Losert ist der Handwerkskünstler, der die Fenster entworfen und erschaffen hat", erklärt Angelika Huchel.

Nach dem Abschluss der Maßnahmen wäre es dann möglich, nicht nur im Frühling und Sommer, sondern auch in der kalten Jahreszeit in die Kirche einzuladen.

"Bei der letzten musikalischen Andacht schon im Gemeindehaus hat uns Gabi Krause, die ihre Tochter Anne-Marie Krause dankenswerterweise vertreten hat, den Text für das Lied ,Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt` gegeben. Den Text üben wir bis Ende August", verrät Angelika Huchel. Sie bedankt sich im Namen des Kirchenrates bei allen Spendern, Helfern und auch bei der Familie Schröder. "Herr Schröder hat mit seinen Söhnen das Mobiliar aus dem Gotteshaus geräumt und die Bänke gut verstaut", sagt Angelika Huchel. Lobende Worte gibt es auch für die Eheleute Redlich, die die Baustelle mit Adleraugen im Blick haben und immer zur Stelle sind, wenn die Bauleute etwas Besonderes wollen oder einfach nur Stuhl und Tisch zum Sitzen brauchen. Ein Dankeschön geht auch an die politische Gemeinde, dass die Räumlichkeiten im Gemeindehaus für kirchliche Veranstaltungen während der Sanierung genutzt werden können.

Bis zum 31. August sollen die Arbeiten vollendet sein und der Neueinzug vonstatten gehen. Dann wird der Traum, die Schifferkirche am Kanal für alle zu öffnen, Wirklichkeit. Bis dahin gibt es noch sehr viel zu tun, blicken die Frauen vom Gemeindekirchenrat optimistisch voraus.

Wer das Vorhaben weiter unterstützen möchte, kann spenden bei der KD-Bank Dortmund (Kirche und Diakonie). Kontoinhaber ist der evangelische Kirchenkreisverband Magdeburg; Konto: 1552299015; BLZ: 35060190; IBAN: DE403506 01901552299015 und BIC: GENODED1DKD; Verwendungszweck: Spende Kirche Wieglitz.

   

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