Acht bunte Festwagen einschließlich Pferdekutsche zogen am Sonnabend die Aufmerksamkeit in Uthmöden auf sich. Zum zwölften Mal gab es hier Straßenkarneval, wie üblich erst nach Aschermittwoch. Dicht gedrängt standen die Zuschauer am Straßenrand und wanderten dem Zug einfach hinterher.

Uthmöden l Der erste Umzug war ganz spontan entstanden. Der Jugendclub hatte 2004 einen Wagen geschmückt und fegte damit durchs Dorf, denn es goss in Strömen. Doch schon im Jahr zwei des Uthmödener Faschingsumzugs ging es gesitteter zu. In dem Jahr entstand auch der Traditions- und Heimatverein UthTra, der den Umzug inzwischen in Regie hat. Die Dorfjugend aber ist mit einem Wagen weiter dabei. "Ob Mindestlohn, Streiks oder Döner, die 80er Jahre waren schöner" steht auf dem Schild. Hermann Röhl fährt den alten Trecker im Umzug und hat auch seinen Spaß dabei.

Angeführt wird der bunte Zug immer von Anna und Aja. Die beiden Kaltblüter ziehen die Kutsche, in der Umzugs-Präsident Frank Schulze sitzt. Der Präsident stellt den Zuschauern am Straßenrand per Mikrofon die Festwagen vor und fordert sie auf, doch ruhig an die Wagen zu treten, um sich etwas Flüssiges zu holen, dafür machen die Gefährte auch immer mal wieder Halt. "Uthra, uthra, uthrallalla" klingt es aber nach wie vor nur zaghaft durch die Uthmödener Straßen. Königin Mandy (Becker) sitzt wieder mit in der Kutsche. Tochter Tamina, inzwischen 14 Jahre alt, hat aber die Kutsche verlassen, sie rollt auf Rollschuhen hinterher.

"Der Mindestlohn ist jetzt entschieden, doch wir sind so geblieben" heißt das diesjährige Motto. Aufs Geld spielt dann auch der Wagen von Shopping-Queen Christine Becker an. Der Wagen ist das Werk der Familien Becker, Maiwald, Krakowski, Salomon, Fehse, Darm und Hellmann. Die Familien Lübke, Spitzner und Otto Meiser zeigen mit ihrem Wagen mit Hexen und Teufeln, was aus Engeln so alles werden kann.

Mit der hohen Nitratbelastung im Uthmödener Grundwasser setzen sich die Familien Girmann, Rieke und Röhl auseinander. Sie haben ein Mini-Güllefass dabei und zeigen auf einem Diagramm die Werte, die unlängst in der Volksstimme veröffentlicht wurden: Uthmöden 364 Milligramm pro Liter. Sandra Rieke hat den Wagen ideenreich bemalt.

Auch Glücksboten sind im Umzug dabei, ein Wagen erinnert an die Gründung der ersten deutschen Schornsteinfegerinnung. August der Starke hatte die erste Schornsteinfegerinnung 1710 bestätigt. Einfach dabei sein heißt es für ein anderes kleines luftballongeschmücktes Gefährt.

Die große Politik nehmen die Gäste aus Neuenhofe, die mit ihrem Wagen den Umzug beschließen, aufs Korn. "Griechenland ist abgebrannt, eure Steuern woll`n wir verfeuern" ist da groß zu lesen.

"Volkspolizist" Ingo Riecke aus Haldensleben begleitet wieder den Umzug wie in den Vorjahren. "Dankeschön an Familie Görz, die immer die Schwalbe zur Verfügung stellt", sagt er. Doch er hat eine Sorge für die nächsten Jahre. "Die Jacke wird langsam zu eng. Hat vielleicht noch jemand eine größere Volkspolizei-Jacke für mich?", so fragt er. Wer helfen kann, sollte ihn unter 03904/41236 anrufen. Er möchte schließlich auch in den nächsten Jahren als "Freund und Helfer" dem Umzug vorauseilen.

Der Abend klang übrigens für alle Beteiligten gemütlich aus. Eins hat dabei bestimmt alle brennend interessiert - was im Dorf so erzählt wird.

   

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