Über 40 Naturfreunde haben sich in Kämkerhorst bei der Biberwanderung auf die Spuren des größten europäischen Nagetiers begeben. Die Zahl der Biberreviere hat sich auf etwa 60 im Naturpark Drömling eingepegelt. Ranger Ulf Damm appelliert, dass der Mensch wieder lernen soll, mit dem Biber zu leben.

Kämkerhorst/Mannhausen l "Der Biber steht immer wieder in den Schlagzeilen. Es wird oft berichtet, dass die Anzahl der Biber im Drömling massiv nach oben geht. Das ist natürlich nicht so. Im Drömling sind fast alle Biberreviere besetzt", erklärte Ulf Damm, Mitarbeiter der Naturparkverwaltung. Der Biberbestand habe sich auf ein Niveau von etwa 60 Reviere eingepegelt. Schätzungsweise gibt es 200 Biber im Naturpark. Der Platz sei damit erschöpft. "Die Zahl der Jungen hat sich verringert. Die Zeit, wie vor 10 oder 15 Jahren als viele neue Gebiete des Drömlings von den Bibern besiedelt wurde und fast jede Familie Jungtiere hatte, ist vorbei", beschrieb Damm. Die Biber, die jetzt im Drömling heimisch sind, hätten kaum noch Jungtiere. Sie hätten durch Revierkämpfe kaum noch Zeit, Jungtiere großzuziehen. Weil weniger Jungtiere da sind, hätten auch die Aktivitäten der Biber zum Beispiel am Ufer der Ohre bei Kämkerhorst nachgelassen.

Ein Biber frisst pro Tag etwa ein Kilogramm Weichholz. Strauchweiden gehören zu seinen Lieblingsspeisen. Nachwuchs bekommen die Nager erst im Mai, wenn die Birken grün werden.

Biber sind die größten Nagetiere Europas und sie gehören zu den größten Baumeistern im Tierreich. Diese eigentlich niedlichen Säugetiere fällen Bäume und bauen damit Dämme, um Wasser anzustauen. Deswegen sind die Biber besonders bei Landwirten unbeliebt und sogar gefürchtet, wenn die Tiere ganze Felder unter Wasser setzen. Oft verstopft er Durchlässe, die dann erst durch Menschenhände wieder freigelegt werden müssen. "Es heißt immer, der Biber mache viel Schaden. Aber was ist Schaden? Der Mensch schlägt Bäume und nutzt sie und der Biber tut dies auch. Schaden ist relativ", sagte Damm. Der Ranger zeigte auf einen Ausstieg, von dem der langzahnige Geselle vom Ohreufer einen direkten Gang zum Gelände des Info-Hauses hat. "Man sieht deutlich die Schleifspur von der Kelle - dem Schwanz des Bibers", beschrieb er. Als direkter Nachbar kommt er regelmäßig, so dass auch schon der angelegte Weidentunnel abgebaut habe und der Tunnel nun nachgepflanzt werden muss. Der Ranger erzählte, dass der Biber vor über hundert Jahren, weil er einen schuppigen Schwanz hat, als Fisch erklärt und zur Fastenzeit gegessen wurde. "So ein Biberbraten muss den Mönchen gemundet haben", sagte Damm.

Die Jagd auf den Biber hatte ihn bis Anfang des 19. Jahrhunderts fast an den Rand der Ausrottung gebracht. Der letzte Biber im Drömling wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Breitenrode erlegt. In der Nähe von Breitenrode gab es 1993 die erste Ansiedlung. Der Biber wurde dort nicht ausgesetzt. Sondern er ist ganz natürlich wieder von der Elbe die Ohre hinauf gewandert und hat diesen Raum wieder besiedelt.

Wo der Biber heute heimisch ist, sollten schützenswerte Obstbäume mit Draht versehen werden. Seit 1990 wird die Ohre nur einseitig unterhalten. So konnten auf der südlichen Seite Sträucher und Birken wachsen, die sich der Biber nun als Nahrung holt. Aber auch Mais und Raps habe der Biber jetzt als Futter für sich entdeckt.

Auch am Landgraben bei Etingen gäbe es viele Birken, die geschält wurden. "Das war aber nicht der Biber, sondern dort gibt es viele Nutrias", betonte der Biberfreund. Während der Biber die Bäume annagt und fällt, schält der Nutria sie. Diese geschälten Birken gehen dann ein.

"Die Dämme der Biber dienen als Schutz für ihre Wohnungen, denn der Eingang dazu liegt immer unter Wasser", erklärte Damm. Die Wasserrückhaltung sei nicht nur für den Biber, sondern auch für die anderen Tiere - im Besonderen für Amphibien - wichtig, Der Biber ist fast überall im Drömling. Aber bei der Exkursion in einer großen Gruppe sei es schwierig, Biber zu beobachten. Seine Spuren sind jedoch nicht zu übersehen: Mehrere dünne Weiden, aber auch stattliche Bäume haben Biber am Wegesrand umgelegt. Kleine und größere Dämme und auch Biberburgen gibt es vielerorts. Die Ranger des Drömlings freuen sich über die Rückkehr der Nagetiere. "Unser Ziel ist es, dass der Mensch lernt, mit dem Biber zu leben", erklärte Damm.

"Ich habe schon einmal eine Bibermutter mit ihrem Kind gesehen", verriet die siebenjährige Jenny Klein aus Kathendorf. Angst habe sie nicht vor Biber Co. Der Biber sei ihr Freund.

 

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