Wenn in Hundisburg Ende Juni der 875. Orts- geburtstag gefeiert wird, dann wollen die Windenknechte den Grundstein für die erste Handwerkerhütte für das Burgbauprojekt legen. Der Stadtrat befindet in der nächsten Sitzung über den entsprechenden Bebauungsplan.

Haldensleben/Hundisburg l Der Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft, Forsten und Abwasserangelegenheiten (ULFA) hat in dieser Woche bei einer Nein-Stimme dem Beschluss für den Bebauungsplan Burgbauprojekt Jacob-Bührer-Straße Hundisburg, wie es offiziell heißt, seine Zustimmung gegeben. Das endgültige Okay wird im Stadtrat am nächsten Donnerstag erwartet. Dann können die Windenknechte Ende Juni, wenn in Hundisburg die 875. Wiederkehr der ersten urkundlichen Erwähnung gefeiert wird, auch den symbolischen Grundstein für die erste Handwerkerhütte legen. "Wir werden, wie das heute auch üblich ist, mit der Baustelleneinrichtung anfangen", sagt Lutz Zimmermann, der Vorsitzende des Vereins Haldensleber Windenknechte.

Das Vorhaben, über den Zeitraum von 25 Jahren eine mitteldeutsche Niederungsburg auf einer Wiese in Hundisburg aufzubauen, hat eine mehrjährige Vorgeschichte. Als 2010 bei Ausgrabungen auf dem Hermes-Gelände in Haldensleben das sehr gut erhaltene Fundament einer hochmittelalterlichen Burg gefunden wurde, war bald klar, dass es sich hier um einen regional bedeutsamen Fund handelt. Der Landesarchäologe Harald Meller gab den Anstoß, den Fund öffentlichkeitswirksam und touristisch aufzuarbeiten. An der Fundstelle aber war das nicht möglich. Zudem blieben bei der Ausgrabung auch noch viele Fragen zur einstigen Burg Niendorf offen.

So entstand letztlich die Idee, eine hochmittelalterliche Burg zu bauen, die sich nur an der früheren Burg Niendorf orientiert, sie aber nicht originalgetreu wiedererstehen zu lassen. Dieser Bau muss an anderer geeigneter Stelle und über einen sehr langen Zeitraum mit den früheren Baumethoden entstehen, wurden sich interessierte Haldensleber einig. So entstand nach Untersuchungen, Gesprächen mit Akteuren von ähnlichen Projekten in Österreich und Frankreich der Plan für das Burgbauprojekt in Hundisburg gegenüber der Ziegelei. Hier gab es nach bisherigen Erkenntnissen einst ein mittelalterliche Ansiedlung.

Bauen wie im Mittelalter

Der eigens dafür gegründete Verein Haldensleber Windenknechte will die Burg bauen. Zum Konzept gehört aber noch mehr. Über mehrere Jahrzehnte soll die Burg langsam wachsen. Die Besucher sollen miterleben können, wie Steine behauen werden, wie mit Maßstab und Dreizehn-Knoten-Seil der gesamte Bau vermessen wird. Sie können sehen, wie tonnenschwere Lasten ohne moderne Maschinen bewegt werden, wie das notwendige Baumaterial selbst hergestellt wird. Freiwillige können sich auch am Bau beteiligen. Auch an Vernetzung mit den Wissenschaften wird gedacht. Und in lockerer Reihe soll es auch historische Veranstaltungen mit der Burgbaustelle als Schauplatz geben.

Ansonsten aber können Besucher einfach den Handwerkern bei der Arbeit zusehen und sie auch dazu fragen. Um das alles umzusetzen, wird es auch einen Servicebereich für Besucher geben und eine Ansiedlung von Handwerkerhütten, aus der sich eine Burgmannsiedlung entwickeln könnte. Das alles wird sich um das eigentliche Bauprojekt gruppieren.

Eine Grobplanung für dieses Gelände sieht der Bebauungsplan vor, der am nächsten Donnerstag dem Stadtrat zur Bestätigung vorliegt. Dieser Plan schreibt zunächst Sondergebiete mit verschiedenen Zweckbestimmungen vor - für die Burgmannensiedlung, das Burgbauprojekt und den Servicebereich. Die konkrete Bebauung wird erst im nächsten Schritt festgelegt. Für das Gelände wird es auch noch archäologische Untersuchungen geben.

Zu den ersten Arbeiten am Burgbauprojekt wird auch die Landschaftsgestaltung gehören, erläutert Lutz Zimmermann. Darunter versteht er hauptsächlich die Anpflanzung von Hecken. Das wurde auch bei der Vorstellung der Planung im ULFA-Ausschuss deutlich. Dank der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit an der Vorhabenplanung habe es wenig Probleme gegeben, stellte Planer Nils Funke fest. Im Landschaftsschutzgebiet sei Bauen nicht grundsätzlich verboten, erläuterte er. Zu den genauen Standorten werde erst nach Ausgrabungen entschieden. Wo die Burg genau entstehen wird, hängt unter anderem vom Verlauf von Quellen am Weg bis zum Koppelteich ab, denn die sollen freigelegt werden. Ausgleich zu den beanspruchten Flächen werde im wesentlichen mit Hecken am Weg und an der Straße geschaffen, so Funke. Eine Aufwertung der Fläche soll mit Landwirtschaft in historischer Bewirtschaftungsform erfolgen.

Hartmut Neumann zweifelte im Ausschuss an, dass der Verein das Projekt finanzieren könne. Die Finanzen seien Sache des Vereins hielten Eberhard Resch (CDU) und Thomas Feustel (FUWG) dagegen, im ULFA-Ausschuss gehe es nur um den Plan. Der Stadtrat habe deutlich gemacht, dass außer der Anschubfinanzierung kein Geld aus dem Stadthaushalt komme.

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