Wer sind die besseren Schützen, die Jäger oder die Mitglieder des Schießsportvereins? Um diese Frage zu beantworten, laden die Velsdorfer Schützen seit 1996 die Grünröcke zu sich zum Jagdkönigsschießen ins Schützenhaus ein.

Velsdorf l Um Ruhm und Ehre geht es beim Jagdkönigsschießen. Neun Jäger der Region nahmen die Herausforderung an und schossen mit neun Sportschützen um die Wette. Weil die Weidmänner behaupteten, dass die Sportschützen nur auf eine unbewegliche Scheibe schießen können, hatte Franz Stöhr, der Chef des Schützenvolkes, das 30 Mitglieder hat, eine Anlage mit beweglichen Tierfiguren gebaut.

Schütze Hubertus Nitzschke aus Berenbrock spendierte wieder jeweils einen Sack Mais für die drei treffsichersten Jäger des Wettbewerbes. "Die Grünröcke müssen ihr Wild anfüttern. Und wir füttern die Jäger an", erklärte Nitzschke. Gudrun Harpke und Marén Stöhr waren die einzigen Frauen in der Männerrunde. Jeweils der beste Jäger und der beste Schütze sollten die Könige werden. In zwei Durchgängen wurde geschossen. Jeder hatte fünf Schuss. Um die Trefferquote zu erhöhen, hatten die beweglichen Zieltiere neue Farbe bekommen. Die Schützen schienen wieder vorn zu liegen. "Das ist doch klar, denn die Schützenbrüder können immer im warmen Schießstand üben", feixten die Jäger. Das stritten die Sportschützen ab. "Nein, das ganze Jahr über ist der Stecker der elektrisch betriebenen Anlage gezogen", behaupteten die Schützen.

Die Geselligkeit spielte beim Wettbewerb die größte Rolle. In der Runde gab es jede Menge Jägerlatein. "Die Schützen haben von der Jagd überhaupt keine Ahnung, denen können wir ordentlich die Taschen vollhauen", sagten die Grünröcke schmunzelnd im Flüsterton. Je später der Abend - desto größer wurden die erlegten Sauen.

Fred Ahlvers erklärte, dass es nicht unbedingt um das größte geschossene Schwein geht. "Mein bester Treffer in der vergangenen Saison war ein Frischling. Der hatte 25 Kilogramm und passte wunderbar in die Pfanne", erklärte der Velsdorfer Jäger. Die Anzahl der Wildschweine mit Frischlingen habe wieder zugenommen. "Die Wildschweine machen auch in der Region Schaden in der Landwirtschaft. Wir Jäger sorgen dafür, dass die Schäden sich in Grenzen halten", erklärte Ahlvers. Seine größte Trophäe waren die Hauer eines sechsjährigen Keilers, der um die 100 Kilogramm hatte.

Zum ersten Mal beim Jagdkönigsschießen dabei war Hartmut Frost. "Mein zukünftiger Schwiegervater Hartmut Hornbruch ist Jäger und schon länger dabei. Ich schieße heute zum ersten Mal auf die kleinen Figuren", gestand Frost.

Wer vom Schießstand kam, durfte Gerstensaft trinken. Als plötzlich das Bierfass leer war, erwies sich Volkmar Schulze aus Wegenstedt mit Nachschub als Retter in der Not.

Am Ende des Wettbewerbes gab es ein Unentschieden für Jäger und Schützen. Es wurde eine Strecke von 15 Hirschen, 22 Wildschweinen, 17 Füchsen und 18 Hasen erlegt. Bei den Grünröcken hatte Neueinsteiger Frost die besten Treffer. Bei den Schützen siegte Vereinschef Stöhr. Beide Könige erhalten jeweils eine Jagdkönigsscheibe vom Schützenverein, welche während der Proklamation beim Schützenfest im Mai überreicht wird. Das beliebte Volkskönigsschießen wird am 1. Mai ausgetragen.