Der Haldensleber Stadtrat entscheidet morgen über die Erweiterung des Wohngebiets Werderstraße. Neben 27 Bauplätzen soll das Gebiet auch eine extra Baustraße sowie ein eigenes Blockheizkraftwerk bekommen.

Von André Ziegenmeyer

Haldensleben l Gute Nachrichten beim Wohngebiet Werderstraße: Durch die geplante Erweiterung will die Stadt 27 neue Bauplätze schaffen. "Aber wir haben schon jetzt mehr Anfragen als es später Grundstücke geben wird", berichtete Dezernent Henning Konrad Otto während der jüngsten Sitzung des städtischen Bauausschusses. Die Erschließung solle nach Möglichkeit noch 2015 abgeschlossen werden.

Um auf Sorgen bei den Bewohnern des bestehenden ersten Teils des Wohngebietes einzugehen, habe es einen Ortstermin gegeben. "Scheinbar haben wir dabei alle Fragen beantwortet", so Otto. Denn um genug Platz für besorgte Bürger zu schaffen, hatte die Ausschussvorsitzende Regina Blenkle (FUWG) die Sitzung extra in den großen Saal des Rathauses verlegt. Doch kein Einwohner machte von der Möglichkeit Gebrauch, an der Sitzung teilzunehmen.

Bedenken gab es laut Otto unter anderem deshalb, weil die schweren Baufahrzeuge auf der relativ schmalen Straße für Beeinträchtigungen sorgen könnten. Immerhin wird die Straße von Fußgängern und Radfahrern mitgenutzt. Gleichzeitig gibt es laut einer Stellungnahme der Bürger viele Kinder im Wohngebiet.

Mittlerweile gibt es jedoch eine Lösung: Demnach soll ein Feldweg im Nordosten des Wohngebietes als Baustraße befestigt und später wieder zurückgebaut werden. Die Kosten dafür liegen laut Henning Konrad Otto bei rund 30 000 Euro. "Auf diese Weise wollen wir die Belastung so gering wie möglich halten", erklärte der Dezernent. Die zusätzlichen Kosten seien von den späteren Grundstückskäufern zu tragen. Das werde die Preise aber "nicht erheblich erhöhen".

Ralf W. Neuzerling (FDP) schlug vor, die befestige Trasse dauerhaft als Zusatzstraße zu nutzen. Im Hauptausschuss führte er weiter aus, dass so auch das gesamte Gebiet erschlossen werden könnte. "Man sollte sich Gedanken darüber machen, diesen Plan zu überarbeiten und eine weitergehende Lösung zu finden", so Neuzerling. Doch laut Henning Konrad Otto würden die Kosten dann ein "Vielfaches der 30 000 Euro" betragen. Denn im Unterschied zu einer regulären Straße werden bei der Befestigung des Feldweges nur ein Vlies und Schotter eingesetzt.

Außerdem könnten entlang der neuen Straße zum größten Teil keine weiteren Grundstücke ausgewiesen werden, weil die Stadt dafür keine "jungfräulichen" Flächen nutzen dürfe, solange noch bereits ehemals bebaute Gebiete zur Verfügung stünden. Zum Vergleich: Dort, wo jetzt der neue Teil des Wohngebietes entstehen soll, befanden sich früher die Nährmittelwerke Katro. So würden sich die höheren Kosten für die neue Straße auf wenige Schultern verteilen. "Das wäre exorbitant teuer", verdeutliche Mario Schumacher (CDU) vor dem Hauptausschuss.

Blockheizkraftwerk soll "Neubauer" versorgen

Bürger hatten darüber hinaus die Sorge geäußert, dass durch die neuen Grundstücke der Verkehr auf der Anliegerstraße deutlich zunehmen könnte. Laut dem zuständigen Stadtplaner Nils Funke ist dies nicht zu erwarten. Zum einen handele es sich nur um 27 neue Häuser. Zum anderen wolle man eine Spielstraße einrichten, um das Tempo zu drosseln.

Gleichzeitig befindet sich der neue Teil des Wohngebietes im Bereich einer geplanten Wasserschutzzone. Wird diese tatsächlich eingerichtet, hat das Auswirkungen auf die Heizmöglichkeiten in den neuen Häusern. Denn Öl darf in einer solchen Zone zum Beispiel nicht gelagert werden. Auch Tiefenbohrungen für die Nutzung von Erdwärme sind nicht zulässig.

Stattdessen sollen die Gebäude durch ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Fernwärme versorgt werden. Der genaue Standort dieses Kraftwerks steht laut Nils Funke noch nicht fest. Da das BHKW in etwa die Größe einer Garage haben werde, könne diese Frage jedoch relativ spontan entschieden werden. Wie Bürgermeister Norbert Eichler (CDU) vor dem Hauptausschuss ausführte, handele es sich bei dem BHKW um die "ökologisch sinnvollste Lösung." Der Anschluss der Häuser an dieses Kraftwerk ist laut Bebauungsplan allerdings verpflichtend.

Zwar bringen diese Vorbedingungen für die angehenden Bauherren Einschränkungen mit sich. Aber: "Wenn ein Bürger dort bauen will, dann liest er die Bedingungen. Sollten sie ihm nicht zusagen, stehen ihm auch andere Baugebiete offen", befand Boris Kondratjuk (Bürger für Bürger).

Eine endgültige Entscheidung über den Bebauungsplan trifft der Stadtrat in seiner Sitzung am Donnerstag, 5. März.