Für das Altstadtfest 2015 wird erneut auf die Kassierung von Eintrittsgeldern verzichtet. Dafür bekommt der Losverkauf eine dritte Chance. So hat es der Stadtrat am Donnerstagabend endgültig entschieden.

Haldensleben l Der Kulturausschuss des Stadtrats hat für das Altstadtfest 2015 die (Wieder)Einführung einer Kulturabgabe - Eintrittsgeld - empfohlen, der Hauptausschuss dagegen ist dieser Empfehlung nicht gefolgt und hat einen erneuten Losverkauf beschlossen. Eine Entscheidung, welche die Bürgerfraktion des Stadtrats so nicht hinnehmen mochte. "Wir halten das Thema für viel zu wichtig, als dass der Hauptausschuss darüber allein entscheidet, obwohl der Fachausschuss eine andere Empfehlung dazu gegeben hat", begründete Bürgerfraktion-Vorsitzender Boris Kondratjuk seinen Antrag, nun den Stadtrat darüber entscheiden zu lassen. Denn mit dem Hauptausschussbeschluss vom 22.Januar wäre das Thema erledigt gewesen und eine Stadtratsentscheidung darüber nicht notwendig.

"Als Vorsitzender des Kulturausschusses habe ich mich nicht über die Entscheidung des Hauptausschusses gefreut", nahm Stadtrat Klaus Czernitzki (Die Linke) noch einmal Stellung dazu. "Aber ich sehe keinen Sinn darin, dieses Fass jetzt noch einmal aufzumachen. Die Verwaltung muss wegen des immer näher rückenden Termins für das Altstadtfest endlich vernünftig arbeiten können", stellte er sich am Donnerstag dennoch hinter den vom Hauptausschuss beschlossenen Losverkauf.

"Es geht hier nicht um Hosenknöpfe, sondern um eine Menge Geld!"

Es sei richtig, angesichts des Altstadtfesttermins zeitlich nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, machte auch Dirk Hebecker (Bürgerfraktion) deutlich. "Aber es geht hier nicht um Hosenknöpfe, sondern um eine Menge Geld", unterstrich er.

Die Lösung des Kulturausschusses - Rückkehr zum Eintritt und Absicherung der Kassierstellen über die Stadtratsfraktionen mit Hilfe der Vereine in der Stadt - sei für ihn "gelebte Demokratie". Intensiv hatte sich der Ausschuss im November des vergangenen Jahres mit dem Thema beschäftigt, Pro und Kontra sowohl bei Eintritt als auch Losverkauf abgewogen. Hintergrund war, die ausufernden Zuschüsse der Stadt für das Fest in den Griff zu bekommen. Daher sahen die Ausschussmitglieder die Eintrittsgelder als eine verlässlichere Einnahmequelle an als den Losverkauf. "Wofür haben wir dann die beratenden Ausschüsse, wenn deren Meinung am Ende doch nichts zählt?", so Hebecker.

Es wäre ja nicht das erste Mal, dass die Entscheidung eines Fachausschusses im Stadtrat nicht so durchgeht wie sie empfohlen wurde, sagte Roswitha Schulz (Die Linke). Ihre Fraktion würde hinter der Entscheidung des Hauptausschusses stehen. "Wir wissen doch, dass die Kassierung des Eintritts beim Altstadtfest in der Vergangenheit immer wieder für Schwierigkeiten gesorgt hat", argumentierte sie.

Es habe zu viele Beschwerden an den Einlassstellen gegeben, erinnerte Bürgermeister Norbert Eichler (CDU) an die Probleme, die mit dem Eintritt verbunden waren. "In anderen Städten funktioniert das mit der Lotterie", führte er Zerbst als Beispiel an. "Wenn die das können, dann kriegen wir das doch wohl auch hin." Rückendeckung bekam er von Marlis Schünemann (CDU). "Traditionen wachsen an der Ausdauer der Veranstalter", plädierte sie dafür, der Lotterie eine weitere Chance zu geben.

"Die Bürger haben sich mehr Gedanken darüber gemacht als wir", war Kondratjuk überzeugt. Die Mehrheit habe sich für ein Eintrittsgeld entschieden, "die Bürger sind bereit, zu bezahlen", sagte er. "Die Verluste mit den Losen sind doch viel höher als bei der Eintrittskassierung. Das haben 21 Jahre Altstadtfest mit Eintritt gezeigt."

Es sei unumstritten, dass das Altstadtfest über die Jahre immer teurer geworden sei, erklärte Mario Schumacher (CDU). "Und es wird immer ein Zuschussgeschäft sein. Daher muss es Ziel sein, Ausgaben zu reduzieren und Einnahmen zu generieren. Dafür sind die Lose eine Strategie, aber auch Eintrittsgelder sind eine Strategie."

16 Stadträte entschieden sich schlussendlich für Strategie Losverkauf. Der Antrag der Bürgerfraktion auf Erhebung von Eintrittsgeldern fand dagegen nur acht Unterstützer, ein Stadtrat enthielt sich der Stimme. siehe Guten Tag