Um sich ein Bild vom Leben der Asylbewerber in Haldensleben zu machen, hat eine Delegation die Gemeinschaftsunterkunft in der Hafenstraße besucht. Mit dabei waren Politiker und Mitarbeiter des Landkreises. Gemeinsam wollen sie auch unkomplizierte Hilfe anbieten.

Haldensleben l Mazedonien, Kosovo, Serbien, Benin, Eritrea, Somalia, Afghanistan: Das sind nur einige der Staaten, aus denen hilfesuchende Menschen derzeit nach Deutschland kommen. Zirka 160 von ihnen sind im Moment in der Gemeinschaftsunterkunft Haldensleben gemeldet. "Wir haben mittlerweile die Vollbelegung erreicht", erklärt Einrichtungsleiter Gerd Fuchs. Allerdings seien nicht immer alle Bewohner vor Ort. "Seit es keine Anwesenheitspflicht mehr gibt, ist etwa ein Viertel von ihnen ständig unterwegs."

Die Unterkunft in Haldensleben hat 150 reguläre sowie 30 Reserveplätze. Betrieben wird sie von der Campanet Gesellschaft. Vor Kurzem gab es vor Ort einen runden Tisch, um über das alltägliche Leben der Bewohner und mögliche Hilfen zu sprechen. Mit dabei waren Ralf Geisthardt, Landtagsabgeordneter der CDU und Präsident des Kreissportbundes Börde, sowie Marlis Schünemann, Vorsitzende des Kreisverbandes Börde des Kinderschutzbundes sowie CDU-Mitglied im Kreistag und Haldensleber Stadtrat. Von Seiten des Landkreises Börde nahmen teil: Corinna Sladky, die Leiterin des Fachdienstes Soziales, Daniel Görges, Sachgebietsleiter Personenstand / Ausländerwesen und Asyl-Sozialarbeiter Tim Teßmann. Mit dem Heimbeirat saßen einige Bewohner ebenfalls mit am Tisch - ebenso wie Ute Diebel, die in der Gemeinschaftsunterkunft als Sozialarbeiterin tätig ist.

Zu den wichtigsten Herausforderungen im Umgang miteinander zählt nach wie vor das Thema Sprache. "Wir haben 13 Nationalitäten hier", macht Gerd Fuchs deutlich. "Aber bisher ist noch niemand zu mir gekommen, mit dem die Kommunikation nicht irgendwie geklappt hätte."

Doch die Verständigung ist nicht alles: "Ein Asylverfahren dauert zwischen acht und zwölf Monaten. In dieser Zeit dürfen die Bewerber nicht arbeiten. Deshalb möchten wir andere Betätigungen anregen. Das kostet nicht unbedingt Geld. In erster Linie braucht es Ideen und Fantasie", so Gerd Fuchs. Ein Beispiel sei der geplante interkulturelle Garten. "Die Geräte sind da. Was wir brauchen, ist noch eine Fuhre Erde", verdeutlicht der Einrichtungsleiter.

Auch Hauswirtschaftskurse werden in der Gemeinschaftsunterkunft angeboten. Selbst im Imkern können sich die Bewohner in Zusammenarbeit mit Ralf Bertram aus Hundisburg probieren. Diese gemeinsamen Tätigkeiten gäben den Asylbewerbern zugleich Gelegenheiten, ihre Deutschkenntnisse auszuprobieren und zu verbessern. Außerdem lernen sie dabei im Zweifelsfall Geräte wie Waschmaschine oder Trockner kennen. "Eine Gemeinschaftsunterkunft ist genau der Ort, an dem man die ersten Schritte sicher und angeleitet machen kann. Man kann die zunehmende Selbstständigkeit regelrecht sehen. Aber sich an eine Kultur anzupassen, funktioniert nun einmal nicht in drei Tagen. Deshalb brauchen wir Gemeinschaftsunterkünfte", betont Gerd Fuchs.

Marlis Schünemann erklärte, dass die Küche des Kinderschutzbundes den Asylbewerbern ebenfalls einmal im Monat zum gemeinsamen Kochen offensteht. Durch Sponsoren habe sie bereits Gitarren organisiert. Außerdem bot sie an, im Stadtrat anzuregen, dass herrenlose Fahrräder künftig nicht mehr durch die Stadt versteigert werden. Stattdessen könne man sie der Gemeinschaftsunterkunft zur Verfügung stellen.

Ralf Geisthardt regte an, die Bewohner verstärkt in Sportvereine einzuladen: "Solange das Asylverfahren läuft, könnte man die Vereinsbeiträge zum Beispiel aussetzen. Sobald die Menschen bleiben dürfen, können sie in der Regel auch arbeiten. Dann fällt dieses Problem weg."

Letztlich könnten auch einheimische Sportler davon profitieren: "Wir hatten zum Beispiel schon zwei Langstreckenläufer aus Äthiopien hier, die auch als Trainer gearbeitet haben. Und wenn das Miteinander funktioniert, baut man zugleich Ängste ab."

Laut Gerd Fuchs gibt es bereits Tee-Runden, die in einer bestimmten Sprache abgehalten werden. Das Angebot könne jederzeit ausgebaut werden, falls sich weitere Helfer finden. Seitens der Asylbewerber werde es jedenfalls gern angenommen. "Es geht dabei vor allem darum, Grundbegriffe zu lernen. Ziel ist es nicht, dass die Teilnehmer am Ende ein Diktat schreiben können", so der Einrichtungsleiter.

Doch wie Daniel Görges deutlich macht, ist die Unterbringung von Asylbewerbern für den Landkreis nach wie vor eine Herausforderung: "Wir kriegen knapp 90 bis 100 Menschen pro Monat zugewiesen. Eine Gemeinschaftsunterkunft hat maximal 200 Plätze - damit ist sie rein rechnerisch nach rund zwei Monaten belegt. Die damit verbundenen Aufgaben kann der Landkreis nicht allein lösen. Da ist die ganze Gesellschaft gefragt."