Das Büro vom Bund der Vertriebenen in Haldensleben ist gestern offiziell eröffnet worden. Der BdV bietet in Haldensleben seit Jahren Migrantenberatung an, jetzt gibt es auch noch ein Jugendprojekt, das über drei Jahre läuft.

Haldensleben l "Haldensleben hat mich mit offenen Armen aufgenommen", versicherte Irina Gubenko gestern, als sie ihr Jugendprojekt im neuen Büro des Bundes der Vertriebenen in Haldensleben im Mehrgenerationenhaus EHFA öffentlich vorstellte. Ihr dreijähriges Projekt richtet sich an Jugendliche zwischen 13 und 27 Jahren, die aus Spätaussiedler-, Migranten- und einheimischen Familien kommen. Sie will mit den jungen Leuten gemeinsam Freizeit gestalten - in der angestammten oder neuen Heimat.

Elfriede Hofmann, die Landesvorsitzende vom Bund der Vertriebenen in Sachsen-Anhalt, erinnerte sich an die Zeit, als sie als Achtjährige mit ihrer Familie aus Schlesien nach Sachsen-Anhalt kam. Viele Vertriebene sind von 1945 bis 1948 hier angekommen. "Wir sind Vertriebene, das haben wir damals nur ganz leise gesagt", blickt sie zurück. Sie haben hier ein zweites Zuhause gefunden. Nach der Wende kamen die Spätaussiedler und bald schon Migranten aus verschiedensten Ländern. "Wir sind Deutsche, haben dieselbe Sprache gesprochen", verweist sie auf ihre Generation. Die Menschen, die heute kommen, sprechen oft nicht mehr als ja und nein, bitte und danke. "Wir wollen den Menschen, die guten Willens sind, unsere Sprache zu lernen, Unterstützung geben", erklärte Elfriede Hofmann.

Sie könne heute in ihre alte Heimat fahren, viele der Menschen aber, die heute nach Deutschland kommen, können nicht wieder zurück oder zumindest viele Jahre nicht. Sie brauchen Hilfe bei der Integration. Dazu soll auch das Jugendprojekt beitragen. Und sie sei froh, dass dieses Jugendprojekt nun bereits das dritte ist, das der BdV in Sachsen-Anhalt mit Förderung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge umsetzen kann. Das gelinge nicht überall.

Wie der BdV mit seiner Arbeit hilft, Alltagsprobleme zu bewältigen, machte auch Matthias Dietrich deutlich. Er sei seit Ende der 1990er Jahre beim BdV, habe als Spätaussiedlerbetreuer angefangen. 2005 sei dann die Beratung für Migranten und Spätaussiedler zusammengelegt worden. Seither berate er auch Migranten, fahre ständig zu Schulungen, um immer auf dem laufenden zu sein. Das größte Problem, so versicherte er, sei immer wieder die Sprache. Dietrich ist seit Jahren einmal in der Woche zu Beratungen in Haldensleben, seit zwei Jahren ist er jeweils donnerstags in der Kreisvolkshochschule zu sprechen.

Den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen vom BdV geht es auch um das Bild der Migranten in der Öffentlichkeit. Man müsse sich immer wieder die Frage stellen: Warum ist er hier? Darauf verwies auch Irina Gubenko. Dabei geht es ihr natürlich um Jugendliche, an die sich ihr Projekt richtet.

Einen kleinen Wermutstropfen allerdings gab es gestern. Die Aktiven vom Bund der Vertriebenen hätten sich gefreut, wenn noch ein paar mehr interessierte Bürger gekommen wären, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Gesprächsbereit sind sie jedenfalls weiterhin.