Die Errichtung einer zusätzlichen Baustraße für die Erweiterung des Wohngebiets Werderstraße sowie eine Tonnage-Begrenzung und die Ausweisung als Spielstraße für die Werderstraße selbst sind das Ergebnis der jüngsten Stadtratssitzung. Damit soll den Bedenken der Bewohner Rechnung getragen werden.

Haldensleben l Mehr als 70 Bewohner aus der Werderstraße haben Bedenken zur Erweiterung des Wohngebiets geäußert. Sie befürchten eine enorme Belastung durch den Baustellenverkehr und sehen die Sicherheit vor allem ihrer Kinder in Gefahr. "Hier leben viele junge Familien mit Kindern. Schon jetzt ist die Werderstraße gut frequentiert, auch wegen der Nutzer der Kleingärten im hinteren Bereich. Doch es gibt keine Fußwege. Der Verkehr wird zunehmen, wenn weiter gebaut wird. Zudem ist die Straße nicht für den Lkw-Verkehr ausgelegt", fasst Lutz Pfeiffer die Befürchtungen der Eigenheimbesitzer aus der Werderstraße für die Stadträte zusammen. "Außerdem", so unterstreicht er, "sind wir davon ausgegangen, dass an der Werderstraße nicht weiter gebaut wird. So wurde es uns damals mitgeteilt."

Eine Verkehrslösung auch für die "Nachbauzeit"

Die Bedenken der Anwohner über die zu erwartende Verkehrssituation hatte die Stadtverwaltung zum Anlass genommen, die Errichtung einer eigenen Baustraße für die Erweiterung des Wohngebiets zu prüfen. "Ihre Anregungen sind zur Kenntnis genommen. Die Baustraße wird gebaut", versichert Bürgermeister Norbert Eichler (CDU). Eine Aussage allerdings, die Bodo Zeymer (Bündnis 90/Die Grünen) so nicht genügt. "Die Baustraße ist doch gar nicht im Bebauungsplan festgeschrieben. Hier steht vielmehr drin: ,Den Bedenken der Anwohner wird nicht gefolgt`", hält Zeymer ihm vor. "Und das sollen wir heute so beschließen."

Es könne nicht die Lösung sein, dass der gesamte Bau-Verkehr durch das Nadelöhr Wohngebiet I fließe, macht Ralf W. Neuzerling (FDP) deutlich. Selbst wenn die 27 Baugrundstücke bebaut sind, bleibe das Verkehrsproblem, sagt Bernhard Hieber (SPD). "Die Baustraße ist ja kein Dauerzustand. Aber über die Werderstraße fließt mehr Verkehr, wenn das neue Wohngebiet belegt ist. Doch es gibt dort keine Fußwege. Dafür müssen wir nach einer Lösung suchen."

Die hat Regina Blenkle (FUWG) parat. Ihr Vorschlag: Der Beschluss über den Bebauungsplan soll ergänzt, die Anregungen der Bürger eingearbeitet werden. Konkret heißt das die Errichtung einer Baustraße über die Bülstringer Straße, eine Tonnage-Begrenzung für die Werderstraße und die schnellstmögliche Umwidmung der Werderstraße zu einer Spielstraße. Diesem Vorschlag ist der Stadtrat mehrheitlich gefolgt.

Als Grund für die fehlenden Fußwege im Wohngebiet nennt Dezernent Henning Konrad Otto, dass die Werderstraße mittelfristig sowieso als Spielstraße ausgewiesen werden sollte. "Und Spielstraßen haben keine Fußwege", erklärt er.

Verwundert zeigt sich Otto jedoch über die Meinung der Anwohner, dass das Wohngebiet nicht mehr erweitert werden sollte: "Eine solche Aussage aus dem Rathaus kann ich nicht nachvollziehen." Es sei richtig, dass der damals geltende Flächennutzungsplan eine zweites Wohngebiet nicht vorsah, sagt er. Doch vor zwei Jahren sei mit großer Mehrheit ein neuer Flächennutzungsplan vom Stadtrat beschlossen worden, erinnert der Dezernent. Angesichts der demografischen Entwicklung in Haldensleben stieg die Nachfrage nach Bauplätzen für Eigenheime.

"Anschlusszwang" sorgt für reichlich Unverständnis

"Doch neue Wohngebiete dürfen nicht mehr auf der ,grünen Wiese` entstehen, sondern nur noch im Stadtgebiet auf ehemals bebauten Flächen. Aus diesem Grund ist der Bereich zwischen der Bülstringer Straße und der Ohre nicht mehr als Baugebiet ausgewiesen worden. Hier ist nur noch eine einzeilige Bebauung entlang der Bülstringer Straße möglich. Das Wohngebiet Werderstraße II dagegen ist vormals als Gelände der Katro bebaut gewesen", nennt Otto den Grund für die Erweiterung des Wohngebiets. Aufgrund des alten Flächennutzungsplans sei von der Verwaltung immer der Zusatz gekommen, dass eine Erweiterung des Wohngebiets "derzeit" nicht geplant sei, stellt er sich vor seine Mitarbeiter. "Aber vielleicht wollten Sie diesen Satz ja auch gar nicht hören", hält er den Bewohnern der Werderstraße vor.

Für Unmut bei einigen Stadträten hat zudem das geplante Blockheizkraftwerk gesorgt. Das Wohngebiet liegt im Bereich einer geplanten Wasserschutzzone. Wird sie eingerichtet, sind sowohl Ölheizungen wegen der Tanks als auch Tiefenbohrungen für die Nutzung von Erdwärme nicht zulässig. Deshalb ist die Wärmeversorgung über ein Blockheizkraftwerk vorgesehen. "Das ist ein Anschlusszwang: Nur wer sich anschließen lässt, der darf dort bauen", moniert Zeymer. "Und wer ein Null-Energie-Haus bauen möchte, darf dort nicht bauen?", kann er die Vorgabe nicht verstehen.

Boris Kondratjuk (Bürger für Bürger) hat damit aber kein Problem: "Wer diesen Weg gehen will, der kann dort sein Grundstück kaufen. Oder er baut eben dort, wo er seine Vorstellungen ausleben kann."