Das alte Hundisburger Feuerwehrauto wird künftig treue Dienste in Griechenland leisten. Den 20 Jahre alte VW hat sich eine Delegation der griechischen Stadt Evrotas in Haldensleben abgeholt. Zwei Tage lang informierten sich die Griechen in der Rolandstadt über die Feuerwehrarbeit sowie kommunale Strukturen.

Haldensleben l Es war schon lange geplant, am späten Dienstagnachmittag war es nun soweit: Der Bürgermeister sowie zwei Feuerwehrmänner der griechischen Gemeinde Evrotas haben in Haldensleben das ehemalige Einsatzfahrzeug der Hundisburger Feuerwehr abgeholt. Die Stadt Haldensleben hat ihnen das Fahrzeug geschenkt, das im vergangenen Jahr außer Dienst gestellt wurde, da die Hundisburger ein neues Einsatzfahrzeug bekamen. Über die deutsch-griechische Versammlung war der Kontakt zwischen der Stadt Haldensleben und Evrotas zustande gekommen.

Die griechische Stadt ist mit ihren gut 20 000 Einwohnern mit Haldensleben vergleichbar. Allerdings hat Evrotas gerade einmal seit zwei Jahren überhaupt eine freiwillige Feuerwehr. Die Gemeinde ist die erste in Griechenland, die eine Feuerwehr mit Ehrenamtlichen aufgebaut hat. Bislang war es so, dass im Einsatzfall die Berufsfeuerwehr ausrückte - doch die ist 20 Minuten Fahrzeit entfernt. Ein Zustand, der für Evrotas nicht mehr haltbar war, wie Bürgermeister Jannis Gripiotis am Dienstag sagte.

Mittlerweile zählt die Feuerwehr Evrotas 50 Mitglieder, kann über drei Fahrzeuge verfügen. Zwei Löschfahrzeuge sowie einen Geländewagen. Die sind mit der deutschen Feuerwehrtechnik allerdings kaum zu vergleichen. Beim Anblick des alten Hundisburger Fahrzeugs, ein sogenanntes Tragkraftspritzenfahrzeug mit Platz für sechs Mann, kam Feuerwehrmann Wagelis Korlas ins Schwärmen: "So was hat bei uns noch nicht einmal die Berufsfeuerwehr!" Dabei ist das Hundisburger Fahrzeug ein 20 Jahre alter VW. Der hat zwar gerade erst 14500 Kilometer auf dem Tacho, ist aber für deutsche Verhältnisse quasi ein feuerwehrtechnischer Oldtimer.

Auftritt in einer Parade

Dennoch, er läuft, ist technisch nochmals überprüft worden. "Bis nach Griechenland und noch viel weiter läuft der noch", sagt Hundisburgs Ortswehrleiter Frank Keitel. Und das muss er auch. Denn Wagelis Korlas und sein Feuerwehrkollege Nikos Kokonos werden tatsächlich mit dem VW bis nach Griechenland fahren. Erst 1300 Kilometer bis ins italienische Arkona, dann 23 Stunden mit der Fähre bis nach Patras und dann weitere fünf Stunden bis Evrotas. Eine lange Tour, die sie aber mit stolzgeschwellter Brust absolvieren werden. Das zumindest konnte man ihnen bereits am Dienstag im Gesicht ansehen.

Seinen ganz großen Auftritt wird das neue Einsatzfahrzeug der Feuerwehr Evrotas dann am 25. März haben. An dem Tag ist in Griechenland Nationalfeiertag und in Evrotas wird es eine Straßenparade geben - und mitten im Tross wird der alte Hundisburger VW präsentiert.

"Es ist für uns eine große Freude und Ehre. Das neue Fahrzeug stärkt unsere Feuerwehr und ihre Akzeptanz", sagte Evrotas` Bürgermeister Jannis Gripiotis. Die griechischen Gemeinden hätten derzeit einige Probleme, da sei das Geschenk aus Haldensleben eine sehr große Hilfe. Neben dem Fahrzeug nehmen die griechischen Gäste noch mehr mit nach Hause. Denn zum zweitägigen Besuch zählten mehrere Programmpunkte. Jannis Gripiotis und ein Vertreter aus seinem Stadtrat informierten sich in Haldensleben über kommunale Strukturen wie beispielsweise die öffentliche Abfallentsorgung, über die Jugendarbeit sowie über die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Bei allen Schwierigkeiten, mit denen die griechischen Gemeinden derzeit zu kämpfen haben, so tatkräftig gehe man sie in Evrotas an. Die Lösung der Probleme sehe man als Chance, sagte Jannis Gripiotis. Er verspricht sich vom Besuch in Haldensleben zahlreiche Synergieeffekte. Und auch Bürgermeister Norbert Eichler meinte: "Wer weiß, was aus diesem ersten Besuch noch alles werden kann."

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