Am Weddendorfer Lehmweg sollen ein Kinderdorf sowie eine Seniorenwohnanlage für betreutes Wohnen gebaut werden. Die Betreiber und Planer stellten die Projekte bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates von Oebisfelde-Weferlingen vor.

Weferlingen l "Wir wollen hier nicht Ihren Lebenslauf hören, sondern wissen, was gebaut werden soll", erklärte Stadträtin Kerstin Dörfel (CDU) bereits nach den ersten Sätzen von Elke Peter-Syma. Die Diplom-Sozialpädagogin war der Einladung des Gremiums gefolgt und besuchte die Sitzung des Stadtrates im Weferlinger Feuerwehrgerätehaus, um ihr Vorhaben, ein Kinderdorf am Weddendorfer Lehmweg zu bauen, näher erläutern zu können.

Doch die detaillierte Präsentation, die die Niedersächsin ausgearbeitet hatte, stieß so manchem Stadtrat auf. So stellte sich Elke Peter-Syma zunächst einmal vor und wollte ihren Werdegang als Sozialpädagogin beschreiben. Kerstin Dörfel mahnte jedoch zur Eile. "Wir haben auch noch andere Punkte auf der Tagesordnung", erklärte die Stadträtin, wurde jedoch von ihrem Amtskollegen Sven Groneberg (SPD) ermahnt. Schließlich, so sagte der Oebisfelder, sei Elke Peter-Syma da, um Auskunft zu geben, und nun müsse man ihr auch die Zeit geben.

So war die Vorhabenträgerin schließlich doch in der Lage, einige Sätze zu ihrem Projekt zu sagen. Für das Kinderdorf sind fünf einzelne Häuser vorgesehen, die jeweils Wohngruppen mit sechs bis acht Kindern und Jugendlichen beherbergen. Im Erdgeschoss jedes Hauses solle sich ein Gemeinschaftsraum, eine Küche sowie ein Büro für die pädagogischen Mitarbeiter mit Ruheraum und Sanitäranlagen befinden. In der ersten Etage liegen die Zimmer für jedes einzelne Kind und die Gemeinschaftsbäder und -toiletten. Zusätzlich solle ein weiteres Haus mit sechs Zimmern für die Inobhutnahme von Notfällen gebaut werden.

"Die Kinder sollen dafür sensibilisiert werden, wie es ist, alt zu sein. Und die Senioren sollen sich am Kinderlachen erfreuen."

Um den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, in gewohnter Umgebung auch nach Erreichen des 18. Lebensjahres begonnene Ausbildungen sowie die Schule abzuschließen, werden in einem Haus sechs Appartements zur Verfügung stehen. Daneben solle ein Gebäude mit sechs Einzelappartements für die Mutter-Vater-Kind-Betreuung gebaut werden. Insgesamt kämen so 54 Plätze für Kinder und Jugendliche zwischen null und 18 Jahren zusammen.

In einem Multifunktionsgebäude sollen weiterhin die Küche und die Büros sowie die Lagerräume der Einrichtung untergebracht sein. "Die Senioren vom Betreuten Wohnen könnten bei uns auch Mittag essen", erklärte Elke Peter-Syma den Stadträten und sprach damit einen wichtigen Aspekt ihres Konzeptes an.

So solle der Austausch zwischen Jung und Alt eine wichtige Säule der pädagogischen Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sein. "Ob es das gemeinsame Kekse backen ist, die Kinder den Senioren vorlesen oder für sie musizieren - es soll ein ganz einfaches Miteinander werden. Die Kinder sollen dadurch dafür sensibilisiert werden, wie es ist, alt zu sein. Und die Senioren sollen sich am Kinderlachen und dem Leben in ihrer Nähe erfreuen."

Die Einrichtung solle im vollstationären Bereich arbeiten, in dem Kinder und Jugendliche unterschiedlichen Alters und Geschlechtes zusammenleben. Für die Aufnahme würden laut Elke Peter-Syma die gesetzlichen Voraussetzungen gelten. Ausgeschlossen seien dabei aber ganz klar Kinder und Jugendliche "mit schweren akuten Suchtproblematiken oder vollstreckten und vollstreckbaren Urteilen mit Bezug auf schwere Straftaten, insbesondere im Bereich von Sexual- oder Gewaltstraftaten beziehungsweise Vermögensdelikten." Ebenso ausgeschlossen sei die Aufnahme von Menschen mit geistigen Behinderungen.

Angedacht sei auch die Einrichtung einer Bibliothek, von Lernräumen mit Internetzugang sowie eines Indoor-Spielplatzes mit Therapiebereich. "Da können sich die Kinder und Jugendlichen bei schlechtem Wetter aufhalten. Natürlich ist aber auch ein Außenspielbereich vorgesehen", erklärte die Vorhabenträgerin. Auf die Frage von Stadtrat Sven Groneberg, ob die Nutzung des Spielplatzes auch Kindern außerhalb des Kinderdorfs gestattet sei, bemerkte sie, dass sich dafür sicherlich eine Regelung finden lasse.

Auch ein schalldichter Musikraum, eine Großbildleinwand, tiergestützte Therapie sowie ein Fitnessraum seien in Planung. Ferner solle es zwei Einfamilienhäuser für Mitarbeiter geben. So wolle Elke Peter-Syma als Ansprechpartnerin auf dem Gelände des Kinderdorfes wohnen. 35 pädagogische sowie 5 nicht-pädagogische Arbeitsplätze würden voraussichtlich durch den Bau des Kinderdorfes geschaffen werden. Wie das geplante Kinderdorf in etwa aussehen könnte, machte Architektin Lorna Labahn anschaulich. Gemeinsam mit ihrem Mann Michael Labahn betreibt sie ein Planungsbüro und entwirft die Objekte. In einer Grafik zeigte sie die bisherigen Entwürfe und erklärte: "Das Kinderdorf soll um einen Dorfplatz arrangiert werden. Das betreute Wohnen öffnet sich hingegen in einem Atrium."

Auf die Frage, ob die Diplom-Ingenieure bereits vergleichbare Referenzobjekte vorzuweisen haben, sagte Lorna Labahn, dass das Projekt "nicht von der Stange" sei. "Wir passen es den individuellen Gegebenheiten an." Erfahrungen auf dem sozialen Sektor seien bei den Planern jedoch vorhanden. So hätten sie bereits ein Altenheim für das DRK auf Rügen errichtet und bauen gerade ein Objekt mit 44 Wohneinheiten für die Volkssolidarität in Stralsund.

"Ich fand es schade, dass Mitglieder des Stadtrates so einen rüden Umgang mit speziell geladenen Gästen an den Tag gelegt haben."

Ganz so viel, wie Elke Peter-Syma über ihr Kinderdorf, gab die Vorhabenträgerin des betreuten Wohnens über ihr Projekt nicht preis. Barbara Scholz erklärte, dass ihre geplante Einrichtung über 66 Wohneinheiten verfügen soll, in der 34 Ehepaare sowie 32 Einzelpersonen untergebracht werden können. Zu den Wohnungen kämen diverse Gemeinschaftsräume und ein ausgestalteter Außenbereich.

Den Investor, der die Gesamtkosten beider Bauvorhaben tragen möchte, wollten die Vorhabenträgerinnen noch nicht preisgeben. Zum jetzigen Zeitpunkt wünsche der Investor nicht, in Erscheinung zu treten. "Die Telefone würden dann nicht mehr stillstehen, es kämen nur noch Anrufe herein mit Bitten um Finanzierung", erläuterte Barbara Scholz die Geheimniskrämerei.

Die Investorengruppe wolle über eine Projektgesellschaft in Kooperation mit einer bekannten Deutschen Stiftung die Bauvorhaben in Weddendorf finanzieren. Die Stiftung sei Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen und realisiere seit 2005 UN-Projekte im Ausland. Die Stiftung werde zu gegebener Zeit nach Abschluss der Voraussetzungen an die Öffentlichkeit gehen.

Dass sie ihre vorbereitete Präsentation nicht gänzlich halten konnte, bedauerte Elke Peter-Syma im Nachhinein sehr. "Ich fand es sehr schade, dass einige Mitglieder des Stadtrates so einen rüden Umgang mit speziell für den Anlass der Projektvorstellung geladenen Gästen an den Tag gelegt haben", erklärte sie, auch im Hinblick auf Architektin Lorna Labahn, die ebenfalls häufig unterbrochen wurde.

"Schade, dass es nicht mal möglich war, eine zehnminütige Präsentation von Anfang bis Ende durchzuführen", erklärte Elke Peter-Syma, freute sich jedoch letztlich darüber, dass die Mehrheit des Gremiums einer Änderung des B-Planes zugestimmt hat.

 

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