Der Braunschweiger Künstler Dietrich Gürtler hat am Sonntag den Reigen der Ausstellungen 2015 in der Kleinen Galerie eröffnet. Im alten Flechtinger Pfarrhaus sind vor allem farb- und kraftstrotzende Landschaften zu erleben.

Flechtingen l Inspiriert von der jeweiligen Landschaft, die ihn umgab und bis heute umgibt, hat Dietrich Gürtler schon als Kind gern gemalt. Bei Oma in Niederschlesien waren es die massiven Blautöne der blühenden Hanffelder, östlich von Magdeburg die amphibische Landschaft aus Altarmen der Elbe, Kanälen und Kolken, im Sauerland die steilen Hänge und tiefen Täler, im Göttinger Land, seinem Aufenthaltsort während des Studiums an der Göttinger Uni, die Landschaften des Trias und die archaische Landschaft in Südwest-england, die ihn bis heute nicht losgelassen hat.

Die Stationen seines Lebens lassen sich bei Dietrich Gürtler auch geographisch nachzeichnen. Eine kleine Auswahl seiner Arbeiten in Öl und Aquarell hat Dietrich Gürtler in der Kleinen Galerie im alten Flechtinger Pfarrhaus ausgestellt. Seit Sonntag sind sie dort zu sehen und zeichnen das Bild eines exzellenten Beobachters von Stimmungen und Szenen nach.

Seine oft kräftigen Farben überraschen, doch sind sie Ausdruck eines stetigen Wandels in der Natur: Morgen und Abend, Sonne und Regen, Sturm und Stille sowie der Jahreszeiten.

Sein einjähriger Aufenthalt als German Assistent an der Grammar School in Falmouth/Cornwall hat eine einzigartige Liebe zur dortigen Landschaft in ihm erweckt, die ihn bis heute immer wieder dorthin führt. Dietrich Gürtler ist sogar Mitglied der Fachvereinigung Royal Cornwall Polytechnic Society in Falmouth.

Inzwischen hat er 22 Einzelausstellungen in Deutschland und Europa gestaltet und dabei auch Preise eingeheimst.

Nach Flechtingen verschlug es Dietrich Gürtler eher durch Zufall. Er war auf der Durchreise, als er die offene Tür des Pfarrhauses entdeckte und "ohne Schwellenangst" eintrat. Äußerlich fand er das Gebäude eher grau und trist, aber im Inneren fand der Braunschweiger Gefallen an den Räumen und an denen, die sie mit Leben erfüllen. So kam es zu einer Verabredung seiner Ausstellung.

Die Begrüßung zu Beginn der diesjährigen Ausstellungssaison hatte Werner Buch übernommen, der dem Künstler mit einem Präsent für sein Kommen und sein Engagement dankte.

Besonders originell ist eine Wand voller kleiner Bilder des Künstlers. Dafür bat er die Galeriefreunde um ein einfaches Fischernetz, dass nun eine Wand ziert und mehrere kleine Bilder, scheinbar wahllos ans Netz angeknüpft, vereint.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag hatte der pensionierte Lehrer für Geographie und Englisch nicht nur seine Frau Ingrid mitgebracht, sondern auch seine Tochter, die sich derzeit in der Facharztausbildung in Hannover befindet. Sie möchte sich in rund zwei Jahren nach ihrem Abschluss als Landärztin in Brandenburg niederlassen. Damit würde sie ihrem Vater dann sicher wieder eine ganz neue Landschaft vor Pinsel und Leinwand legen, die es wert ist, erkundet und erobert zu werden.

"Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele", zitierte Dietrich Gürtler Pablo Picasso und wünschte den Besuchern der Vernissage am Sonntag in diesem Sinne genau dieses Erlebnis mit seinen Arbeiten.

Bis zum 3. Mai ist die Ausstellung jeden Sonntag und am Ostermontag jeweils von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Über Spenden zum Erhalt der Galerie freuen sich die Freunde der Kleinen Galerie immer. Dafür steht ein Sparschwein neben dem Gästebuch der Galerie.

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