Der Brauch, Osterkrippen aufzustellen, ist in der Region weniger bekannt. In der Calvörder Sankt-Georg-Kirche stellt eine gerade erst fertig gebaute Passionskrippe mit biblischen Erzählfiguren die letzten Tage vor dem Tod Jesu und seine Auferstehung dar. Die Krippe wird am Ostersonntag eingeweiht.

Calvörde l "Wir wollen nicht nur Weihnachten mit einer Krippe bildlich darstellen, sondern auch Ostern. Es ist eine alte Idee und nicht unsere Erfindung", erklärte Pfarrer Jürgen Dittrich. Bei einer Dienstberatung, bei der die, die eine Funktion in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Calvörde-Uthmöden haben, dabei waren, entstand die Idee, die Passions- und Osterkrippe zu bauen. Ein Jahr hatte es vom Entwurf bis zur Fertigstellung gedauert.

Katechetin Katharina Knauf dachte zurück: "Ich hatte in meinen Unterlagen gesucht und diese Bauvorlage gefunden. Das konnte nur ein Tischler aussägen." Das Rohmodell schuf dann Viktor Reich, Tischler aus Jeseritz. "Rosi Voigt aus Jeseritz hat damals den Tischler überzeugt, unsere Vorstellungen umzusetzen", erinnerte sich Dittrich. Heinz-Ulrich Freytag aus Calvörde hatte den Auftrag, die Stadtmauer und das Tor von Jerusalem anzustreichen. Als Maurer hatte er aber noch eine viel bessere Idee, indem er Kunststoffplatten, mit denen Häuserfronten verkleidet werden, verwendete.

Silvia Michaelis, Mitglied im Calvörder Kirchenvorstand, gab den Christenlehrekindern die Anleitungen zum Anfertigen der Figuren. "Es ist eine Filzkombination. Wir haben die Hölzchen als Untergrund. Deshalb sind die Körper zum Teil mit Seife nass gefilzt. Die Köpfe und die Haare der Frisuren hingegen wurden mit spitzer Nadel trocken gefilzt", beschrieb Silvia Michaelis. Jeremy Hebekerl hatte gewerkelt bis die Maria von Magdala fertig war. Cora Schulze hat den Jesus geschaffen. Auch Darius und Julia Becker waren beim Figurenfilzen dabei.

"Am Palmsonntag ist der Einzug von Jesus in Jerusalem. Jesus reitet auf einem Esel. Am Straßenrand stehen Leute, die Jesus zuwinken", beschrieb der Pfarrer und zeigte auf die Figur von Jesus, der langes Haar trägt und auf den kleinen langohrigen Vierbeiner aus grauem Filz. Aber auch die Geschehnisse vom Karfreitag können im Modell nachgestellt werden. "Wir haben drei Kreuze aufgestellt", erklärte der Geistliche und wies auf die nachgebaute Grabhöhle mit dem großen Stein davor. "Die Frauen, darunter Maria von Magdala, wollen den Leichnam mit wohlriechender Salbe einreiben. Dann überlegen sie: ,Moment mal, da steht doch der Stein im Weg. Da kommen wir doch gar nicht rein. Aber der Stein ist schon weggewälzt", erzählte Dittrich und spielte mit den Figuren die Szene nach. Das Tolle an der Sache sei, dass es eine Gemeinschaftsarbeit ist, die viele Orte von Calvörde über Jeseritz und Uthmöden bis Zobbenitz überspannt.

"Wir stehen in Sachsen-Anhalt früher auf. Deshalb treffen wir uns am Ostersonntag um 6 Uhr in der dunklen Kirche in Jeseritz. Dann wird es langsam lauter und heller und gegen 6.45 Uhr gibt es ein Osterfrühstück. Das ist ein besonderes Erlebnis", kündigte der Pfarrer an. Die Idee vom Osterfrühstück habe er aus seiner vorherigen Gemeinde im Harz mitgebracht. Die Krippe kann am Ostersonntag beim Gottesdienst, der um 9.30 Uhr in der Calvörder Kirche gehalten wird, bewundert werden. Das Passionsmodell wird dort bis Pfingsten stehen bleiben.