Haldensleben/Hundisburg l Die Haldensleber Stadtverwaltung kennt Henning Konrad Otto wie kein Zweiter. Schließlich ist er als Dezernent der erste Chef der Verwaltung nach Noch-Bürgermeister Norbert Eichler. Als Bewerber um den vakanten Bürgermeisterposten möchte der 50-Jährige nun an die Spitze der Verwaltung rücken. "Ich bin vom Naturell her niemand, der immer in der zweiten Reihe stehen möchte", bekennt der Volljurist, der parteilos ist, aber von der CDU als Kandidat nominiert wurde.

Seit 2004 arbeitet Otto als Dezernent in der Stadtverwaltung, seit 2008 wohnt der gebürtige Hildesheimer in Hundisburg. Den "Ritterhof" hat er dort wieder hergerichtet. Ganz bewusst. "Wenn man etwas erhalten kann, dann sollte man es auch tun, bevor man es wegreißt", spielt Traditionsbewusstsein für ihn eine große Rolle.

So möchte er es auch als Bürgermeister halten. Ein Projekt, das ihm am Herzen liegt, ist das ehemalige Friedenseck mit dem angrenzenden Kino. Ihm möchte Otto als Programmkino gern wieder Leben einhauchen. Auch eine Natureisfläche am großen Werder, die es dort einst gab, findet Platz auf seiner Agenda. "Wir haben in Haldensleben jede Menge Ressourcen, die es zu erschließen lohnt, um mit wenig Aufwand vieles gestalten zu können."

Genau da sieht er in Haldensleben auch Nachholbedarf. "Ich möchte gern mit den Haldenslebern etwas für Haldensleben bewegen", sieht er alle Kreisstädter mit in der Verantwortung. "Das läuft in den Ortsteilen viel besser als in der Stadt. Dort fassen eben viele mit an, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen." Dieses "Wir-Gefühl" möchte er in den Ortsteilen weiter stärken und auf das Stadtgebiet übertragen.

Als Bürgermeister hat sich der fünffache Vater das Ziel gesetzt, die gute Position, die Haldensleben im Land inne hat, mindestens zu halten. "Aus wirtschaftlicher und finanzieller Sicht wird das eine Herausforderung", ist sich Otto bewusst und sieht viel Arbeit auf sich zukommen. "Doch als Dezernent habe ich derzeit ja nicht weniger zu tun, als ich es dann als Bürgermeister hätte", weiß er auch um die zeitliche Belastung des Amtes.

Von zeitintensiven Freizeitaktivitäten wie Laufen und Radfahren und auch Theaterbesuchen hat er mittlerweile Abstand genommen. Seine knappe Freizeit verbringt er lieber mit der Familie.

Dass er auch immer wieder bei den Menschen angeeckt sei, ist ihm bewusst. "Ich wirke in der Öffentlichkeit bisweilen arrogant und überheblich", kennt er seine Schwäche genau. "Aber das ist kein Charakterzug von mir, das scheint nur so. Daran werde ich arbeiten müssen." Eine weitere Schwäche, die er aber genauso als Stärke sieht, ist seine Beharrlichkeit. "Für meine Mitarbeiter in der Verwaltung ist das sicherlich nicht einfach. Aber Beharrlichkeit zahlt sich unterm Strich aus", ist er überzeugt. "Ich bin gern bereit, auch mit Menschen zusammenzuarbeiten, die eine andere Meinung haben als ich - so lange sie es ernst meinen, wenn es um die Sache geht", setzt er auf einen offenen und ehrlichen Umgang miteinander.