Dreieckig und rot - das ist die Uhr, die den Haldenslebern und Besuchern in der Hagenstraße die Zeit vorgibt. Anfang Oktober verschwand die Alpina-Uhr jedoch aus dem Stadtbild. Seit Ende März hat die Einkaufsstraße nun wieder ihre rote Uhr.

Haldensleben l Eine dreieckige Uhr zierte bereits seit etwa Anfang der 1950er Jahre die Außenfassade des Optiker-Fachgeschäftes der Familie Schätzing in der Hagenstraße. Für viele Haldensleber gibt sie die Zeit vor - obwohl mittlerweile jeder ein Handy oder eine Uhr besitzt.

Doch Anfang Oktober des vergangenen Jahres war die Uhr plötzlich verschwunden. "Trotz regelmäßiger und aufwendiger Reparaturen und Sanierungsarbeiten war es nicht gelungen, die Uhr auf den neuesten Stand zu bringen", erzählt Reiner Schätzing. Erst mit der Sanierung der Hausfassade konnte auch ein detailgetreuer Nachbau der Uhr für rund 7000 Euro angebracht werden. Und dafür sei es auch höchste Zeit gewesen, denn die Stahlträger zur Befestigung der Alpina-Uhr waren da bereits durchgerostet, so Schätzing weiter.

Schon der Urgroßvater ging mit der Zeit

Uhren gehören zu der Familiengeschichte der Schätzings einfach dazu. 1890 eröffnete der Urgroßvater von Reiner Schätzing seinen Laden in der Bülstringer Straße. "Die Uhrmacher hatten damals immer eine Außenuhr an ihren Geschäften. Natürlich diente das auch Werbezwecken", erzählt Schätzing. Am 15. Januar 1904 zog der Familienbetrieb schließlich in die Hagenstraße in das ehemalige Geschäft des Uhrenmeisters Sitte ein - genau gegenüber von dem heutigen Standort.

Bilder aus dem Familienalbum zeigen eine verschnörkelte Uhr, die ein wenig Ähnlichkeiten mit einer Taschenuhr hat. Diese wurde mit dem Umzug in das neue Geschäft in die Hagenstraße 15 mitgenommen. Unbekannt ist jedoch, wann das verschnörkelte Zeitmessgerät von der bekannten roten Alpina-Uhr ersetzt wurde. "Leider lässt sich das heute nicht mehr genau feststellen, wann sie angebracht wurde. Auch Anfragen im Stadtarchiv führten zu keinem genaueren Ergebnis", berichtet Reiner Schätzing.

Ursprünglich hatte die rote historische Außenuhr eine `Mutteruhr` im Laden. "Von dort aus konnte die Uhrzeit bequem und schon damals recht modern umgestellt werden", sagt Schätzing. Allerdings musste anfangs noch die Nord- und Südseite einzeln eingestellt werden, da zwei Laufwerke in der Uhr enthalten waren. Auch Reparaturen waren sehr aufwendig, da auch die Uhr sich zu diesem Zeitpunkt in rund fünf Metern Höhe befunden hat. Nach der Wende wurde statt der Mutteruhr eine Funkuhr eingebaut, die von Frankfurt aus gesteuert wurde.

Für den Nachbau der Uhr flossen auch Fördermittel aus dem Stadtsanierungsprogramm. "Im Zuge des Förderantrags für die Fassade des Gebäudes wurde auch die Uhr mit eingeschlossen. 40 Prozent der Kosten wurden je zu einem Drittel von der Stadt, dem Land und dem Bund übernommen", teilt Stefanie Stirnweiß von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Realisiert wurde dieses Vorhaben mit einem ortsansässigen Architekturbüro und hiesigen Handwerkern.

Haldensleber haben "ihre" Uhr vermisst

"Umsatz allein ist eben nicht alles. Man muss ja auch auf die Historie der Stadt achten. Wir hätten die Uhr sicherlich auch so erneuern lassen, aber wir sind sehr dankbar, dass die Stadt und alle Beteiligten uns so unterstützt haben", findet Schätzing. Bestätigt fühlte er sich in seiner Ansicht auch auf Grund der vielen Reaktionen der Haldensleber. "Die Uhr hat nicht einmal richtig gehangen, da haben sich schon die Leute mit Blumensträußen und Pralinen bei uns bedankt", berichtet Schätzing erfreut über den großen Zuspruch zu der roten, dreieckigen Uhr in der Hagenstraße.

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