Haldensleben l Beim Kinderschutzbund auf dem Süplinger Berg wird Willkommenskultur groß geschrieben. Jüngstes Beispiel: ein Integrationsfrühstück, zu dem neben Landes-Innenminister Holger Stahlknecht und Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler auch Migranten und Asylbewerber sowie Vertreter unterschiedlichster Organisationen und Einrichtungen, die sich um Integration von Ausländern bemühen, eingeladen sind.

Holger Stahlknecht, der auch Ehrenvorsitzender des Kinderschutzbundes Börde ist, ist der Einladung gern gefolgt. "Wir brauchen mehr solcher Veranstaltungen", lobt er das Engagement der Vorsitzenden des Kinderschutzbund-Kreisverbandes, Marlis Schünemann. "Deutschland ist ein Zuwanderungsland, nur leider ist man sich dessen zu spät bewusst geworden", kritisiert er die Ausländerpolitik der vergangenen Jahre und deren Folgen und wirbt für mehr Toleranz. "Wir müssen aufeinander zugehen und die bestehenden Ängste überwinden."

Für den Innenminister ist die deutsche Sprache der Schlüssel für eine Integration. Grundvoraussetzung müsse sein, dass Asylbewerber oder Spätaussiedler die Sprache lernen, macht er deutlich. "Der nächste Schritt wäre dann, die Menschen auch so schnell wie möglich in eine bezahlte Beschäftigung zu bekommen", so seine Vorstellung.

Sportvereine könnten dabei helfen, stellt sich Stahlknecht vor. Die hätten seit dem Wegfall der 1-Euro-Jobber das Problem, ihre Sportanlagen in Schuss zu halten. Da sei ein Einsatz ausländischer Mitbürger über den Bundesfreiwilligendienst durchaus möglich, schlägt er vor.

Zugleich möchte Stahlknecht aber auch die Bürgermeister mehr in die Verantwortung nehmen: "Sie müssen sich auf kommunaler Ebene dem Problem stellen." Es könne nicht sein, dass Bürgermeister der Unterbringung von Asylbewerbern in ihren Orten ablehnend gegenüberstehen, macht der Inneminister deutlich. "Diese Verantwortung wird gemeinsam geteilt!", unterstreicht der Landespolitiker.

Haldensleben stelle sich seiner Verantwortung, versichert Norbert Eichler. "Wir wollen in Haldensleben keine Diskusionsklubs, sondern praktische Hilfe. Und der Kinderschutzbund ist solch eine Hilfe", führt er ein Beispiel an. Zudem stünden die Freizeitmöglichkeiten in der Stadt jedem offen, ergänzt Dezernent Henning Konrad Otto. "Und wir verteilen die ausländischen Kinder auf alle Grundschulen, damit Integration schon von klein auf gelebt werden kann und die Kinder schnell die Sprache lernen können, um sie dann auch ins Elternhaus zu tragen", fügt er hinzu.

"Sprache ist das A und O", verweist Karsten Arndt auf seine Erfahrungen. Als Koordinator beim Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Börde begleiten er und sein Team Flüchtlinge und Spätaussiedler. "Was aber oft fehlt, ist die Nachhaltigkeit, die Sprache auch im Alltag anwenden zu können, um so die Kenntnisse zu festigen. Das ist ein Problem", sagt er. Doch zumindest für einige der Flüchtlinge und Spätaussiedler konnte in dieser Hinsicht ein Lösung gefunden werden. "Wir setzen sie als Dolmetscher ein und sie unterstützen uns so bei unserer Arbeit", sagt Arndt, für den eines unumstößlich feststeht: "Wir müssen aufeinander zugehen!"