Haldensleben l Henning Konrad Otto hat gestern zwar den Sieg bei der Bürgermeisterwahl in Haldensleben davongetragen, neues Stadtoberhaupt ist er dennoch nicht. Mit einem Wahlergebnis von 26,85 Prozent (2014 Stimmen) verfehlte der Hundisburger, der parteilos ist, aber für die CDU kandidiert, deutlich die absolute Mehrheit.

Gerade einmal 306 Stimmen beträgt sein Vorsprung vor Regina Blenkle (FUWG), als gestern Abend um 19.09 Uhr das Wahlergebnis feststand. Mit 22,77 Prozent (1708 Stimmen) fährt die Haldensleberin den zweiten Platz ein und muss nun am 10. Mai bei der Stichwahl gegen Otto antreten. 44,95 Prozent der Wahlberechtigten hatten gestern ihre Stimme abgegeben.

Zufrieden

"Ich freue mich, dass ich als Favorit in die Stichwahl gehe. Die erste Hürde ist genommen", meint ein zufriedener Henning Konrad Otto. "Ich hatte fest mit einer Stichwahl gerechnet, alles andere hätte mich überrascht."

Der Wahlsieger dankt den Haldenslebern, die ihm das Vertrauen ausgesprochen hätten. "Ich hoffe, dass wir am Ende ein Ergebnis haben, mit wir eine gute Entwicklung fortschreiben können." Allerdings stünden bis zur Stichwahl drei Wochen Arbeit an. "Ich hoffe weiter auf einen weitgehend fairen Wahlkampf", betont Otto.

Optimistisch

Optimistisch sieht Regina Blenkle dem nächsten Urnengang entgegen. "Das ist zu schaffen, das kann man packen", gibt sie sich siegessicher. Sie zollt ihren Respekt den Haldenslebern, die ihr zu diesem "super tollen" Wahlergebnis verholfen haben.

"Es war mein oberstes Ziel, in die Stichwahl zu kommen. Gefreut hätte ich mich aber auch über einen deutlichen Sieg", sagt sie und beglückwünscht auch die anderen Kandidaten zu ihren Ergebnissen, besonders Fabian Damerau. "Ich habe heute einen großen Vertrauensvorschuss bekommen und bin gern bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn es am 10. Mai klappt", will sie noch einmal alle Kräfte mobilisieren.

Stolz

"Ich hätte mich gefreut, in die Stichwahl zu kommen, und bin ein bisschen enttäuscht. Aber bei acht Kandidaten quasi aus dem Nichts fast 19 Prozent zu holen, macht mich auch stolz. In sieben Jahren versuche ich es auf jeden Fall nochmal. Das steht fest", ist Fabian Damerau auf sein Ergebnis von 18,47 Prozent mächtig stolz. Immerhin haben 1385 Wähler dem Einzelbewerber ihre Stimme gegeben. "Ich wünsche dem zukünftigen Bürgermeister viel Glück und hoffe, dass er oder sie das umsetzt, was er oder sie versprochen hat."

Überrascht

Überrascht zeigt sich Joachim Hoeft (SPD) vom Wahlausgang. "Das Ergebnis ist insgesamt sehr eigenartig. Ich hatte mit allem Möglichen gerechnet. Aber dass die Wahl so ausgeht, hätte ich mir nicht träumen lassen." Für sich selbst hatte er sich ein besseres Abschneiden versprochen als letztlich die 758 Stimmen (10,11 Prozent): "Ich hatte mir mehr erhofft und gewünscht. Wir werden im SPD-Ortsverein das Ganze analysieren, sacken lassen und dann weitersehen."

Erwartungsgemäß

Das Wahlergebnis sei so von der Tendenz her zu erwarten gewesen, resümiert Reinhard Schreiber, allerdings nicht diese deutliche Dreiteilung. "Viele haben nur auf das Kürzel CDU geschaut und nicht auf den Namen davor", so Schreiber, der als Einzelbewerber ins Rennen ging und nicht von der Haldensleber CDU als Kandidat nominiert worden ist. "Und bei mir hat dieses Kürzel eben gefehlt und so hat es für mich am Ende nicht gereicht. Nun kann sich aber jeder ausmalen, wer neuer Bürgermeister oder neue Bürgermeisterin wird", meint der Althaldensleber, der 662Stimmen (8,83 Prozent) bekam.

Humorvoll

"Ich hätte mir etwas anderes erhofft. Aber ich danke meinen Mandanten, dass sie so viel Vertrauen in mich haben, dass sie mich nicht gewählt haben, damit ich weiter Anwalt bleibe", nimmt Ralf W. Neuzerling sein Abschneiden bei der Bürgermeisterwahl mit Humor. Aber immerhin haben 535 Wähler (7,13 Prozent) den FDP-Mann künftig lieber im Rathaus als in seiner Kanzlei sitzen sehen wollen.

Enttäuscht

Tief sitzt die Enttäuschung bei Klaus Czernitzki. Mit 268 Stimmen holte er gerade einmal 3,57 Prozent - das zweitschlechteste Ergebnis. "Mein persönliches Ziel war es, unter die ersten Vier zu kommen. Das ist mir leider nicht gelungen", sagt er. Eine Stichwahl zwischen Otto und Blenkle sei jedoch zu erwarten gewesen, meint Czernitzki. "Haldensleben hat jetzt die Wahl zwischen dem erfahrendsten Verwaltungsmann und der erfahrendsten Stadträtin. Das ist okay so." Verwundert ist er aber vielmehr, dass der Abstand zwischen dem Drittplatzieren Fabian Damerau und dem Rest so hoch ausgefallen ist.

Verärgert

"Heute haben die Polemik und die Häme gewonnen", macht Frank Schünemann seiner Enttäuschung über den Wahlausgang Luft. "Natürlich macht es keinen Spaß, die rote Laterne zu bekommen. Aber ich bin wirklich entsetzt über den Wahlausgang. Und ich glaube nicht, dass Herr Otto in der Stichwahl das Rennen macht. Für Haldensleben wird dann mit 100 km/h der Rückwärtsgang eingelegt. Heute wurde eine historische Chance vertan", ärgert sich der Einzelbewerber, der 170 Stimmen (2,27 Prozent) auf sich vereinen konnte. "Es ist enttäuschend, aber das Ergebnis muss man akzeptieren."