Ummendorf l Dem Bildhauer Georg Kolbe ist eine Sonderausstellung im Börde-Museum Ummendorf gewidmet. Im Mittelpunkt der Schau stehen seine Skulpturen Frühling, Sommer, Herbst und Winter, die er einst für das Peseckendorfer Schloss schuf.

Etliche Peseckendorfer, allen voran der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins, Professor Mario Engelmann, hatten sich zur Ausstellungseröffnung auf den Weg nach Ummendorf gemacht. Im Börde-Museum ist die neue Sonderausstellung mit dem Titel "Georg Kolbe in der Börde - Skulpturen für Peseckendorf" eröffnet worden.

Mario Engelmann schlug mit seinem Vortrag: "Pe-seckendorf - die Welt auf einem Stück Bördescholle" den Bogen zum Künstler Georg Kolbe und wie es dazu kam, dass der zu seiner Zeit bedeutende Berliner Bildhauer vier bedeutsame Figuren für das Peseckendorfer Schloss schuf. Dabei ging der Vorsitzende des hiesigen Heimatvereins auf die Geschichte des Ortes, die bis in das Jahr 1083 zurückreicht, ein. Untrennbar ist die Geschichte des kleines Dorfes inmitten der Magdeburger Börde mit dem einstigen Rittergut und dem Schloss verbunden. Mehrfach beschäftigten Kriege die Menschen im Ort.

Doch letztlich machten die Fortschritte und die Entwicklung der Landwirtschaft auch vor Peseckendorf nicht halt. 1875 übernahmen die Brüder Ernst-Adolf und Friedrich Ludwig Schaeper das Gut. Sie ließen zwischen 1906 und 1909 vom damals bekannten Baumeister Paul Schultze-Naumburg ein neues Gutshaus, das heutige Schloss Peseckendorf, errichten. Über Schultze-Naumburg entstand der Kontakt zum Berliner Bildhauer Georg Kolbe. Denn zum krönenden Abschluss der Bauarbeiten sollte eine Figurengruppe auf das Schloss, über die Einfahrt, gesetzt werden.

Besucher der Sonderausstellung über das Wirken Kolbes in der Börde können in der Exposition den Schriftverkehr der Familie Schaeper mit dem Bildhauer zur Planung der Figurengruppe bis zur Fertigstellung verfolgen. Die beinahe lebensgroßen Skulpturen verkörpern die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Mit Fertigstellung des Schlosses 1909 wurden die Figuren aus Muschelkalk, in Berlin hergestellt, fertig. Und wie in der Ausstellung nachgelesen werden kann, gab es schon damals Probleme mit dem "Herbst". Zwischen Kopf und Hals der Skulptur wurde ein Riss festgestellt. Der Bauherr reklamierte, der Schaden wurde behoben. Dennoch, nach dem Krieg ging ausgerechnet jener Kopf verloren. In den 1950er Jahren wurde die Figurengruppe herunter genommen, 1954 ließ der damalige Chef des Börde-Museums, Heinz Nowak, die Figuren samt Schloss unter Denkmalschutz stellen. Im Jahr 1974 kamen die "Vier Jahreszeiten" in das Ummendorfer Museum. Dort standen sie bislang auf dem Außengelände. "Mit der Ausstellung haben wir sie nun in das Haus geholt und hier werden sie auch bleiben. Im Verlauf der Jahre haben die Figuren doch stark gelitten", erklärt die Leiterin des Börde-Museums, Nadine Panteleon.

Für den heute 78-jährigen Friedrich Schaeper, der als Kind Peseckendorf nach dem Krieg verlassen musste, war die Eröffnung ein besonderer Tag. "Als Knirps habe ich die Figuren zuletzt gesehen, ich freue mich, dass sie erhalten geblieben sind und nun wieder in die Öffentlichkeit rücken", erklärte Friedrich Schaeper.

Die Sonderausstellung "Georg Kolbe in der Börde - Skulpturen für Peseckendorf" wird im Börde-Museum bis zum 29. November dienstags bis sonntags sowie an allen Feiertagen, von 12 bis 17 Uhr zu sehen sein.