Manhausen/Kämkerhorst l Bei der Fledermauswanderung im Waldgebiet Kämkerhorst konnten die 23 Naturfreunde den Ausflug des Großen Abendseglers bewundern. Dabei zählten die Teilnehmer der Tour, die Ranger Ulf Damm führte, insgesamt 36 der kleinen nächtlichen Insektenjäger.

"Der Abendsegler ist in den Sommermonaten eine häufige Art in den Drömlingswäldern", sagte Damm. Vor dem Start der Wanderung hatten die großen und kleinen Besucher versucht, die kniffligen Fragen von Junior-Ranger Luca Philipp zu beantworten. Der Junge hatte ein Quiz vorbereitet und wollte zum Beispiel wissen, ob eine Fledermaus so schnell fliegen kann, wie ein Schnellzug oder so schnell wie eine Oma auf einem Fahrrad fährt. Luca weiß, dass Fledermäuse bis zu 50 Kilometer schnell sein können und sehr wendig sind.

"Die Fledermäuse - unsere heimlichen Nachbarn - sind auf Quartiersuche. Ganz gleich, ob es sich dabei um geräumige Dachböden oder um winzige Mauerspalten handelt, stets ist das Quartier ein wichtiger Zufluchtsort, der Schutz vor Witterung oder Feinden bietet", erklärte der Ranger. Während der kalten Jahreszeit sind die kleinen Untermieter auf der Suche nach einem geeigneten Winterschlafplatz. Ein solches Quartier zu finden, sei nach den Ausführungen des Naturschützers für die Tiere nicht immer einfach. Während in Gebirgsregionen Stollenanlagen oder Höhlen zur Verfügung stehen, beschränken sich die Winterschlafmöglichkeiten im Tiefland vor allem auf unterirdische Kellergewölbe, Erdkeller oder alte Bunkeranlagen. Aber auch ein Bretterstapel auf einem Dachboden könnte ein solches Versteck sein.

"In Klötze wurde vor einigen Jahren beim Umstapeln eine Breitflügelfledermaus leicht verletzt. Diese konnte aber nach kurzer Pflege in die Freiheit entlassen werden und hat gleich wieder ihr altes Quartier aufgesucht. Die Breitflügelfledermaus ist eine von 13 im Drömling vorkommenden Arten.

Ab Ende Mai beziehen die Weibchen ihre Wochenstuben, die Geburtsstätten der Jungtiere. Nach einer Tragezeit von 45 bis 70 Tagen kommen die kleinen Fledermäuse zur Welt. "In den ersten Lebenstagen werden die Kleinen von der Mutter gesäugt und fliegen, an die Mutter geklammert, zu verschiedenen Quartieren", schilderte Damm, als Freund der Fledermäuse. Je nach Art fliegen dann Mitte Juli bis Anfang August die ersten jungen Fledermäuse durch die Drömlingswälder oder Ortschaften.

"Die Fledermäuse orten ihr Nahrungsangebot durch Ultraschall. Sie geben sehr hohe Töne ab, die wir Menschen nicht ohne Hilfsgeräte hören können. Durch den Widerschall wissen sie nun genau, ob sie an einem Hindernis vorbei müssen oder ob es ein Insekt zum Fressen ist. Einige Fledermausarten fangen ihre Beute im Flug. Die Langohren sammeln die Nahrung von den Blättern der Bäume ab", erzählte er. Das Mausohr und einige andere Arten würden gezielt, flach über den Boden fliegend, nach Käfern suchen.

"Wenn an sommerlichen Abenden immer weniger Fledermäuse an uns vorbeihuschen, so hat das einen wesentlichen Grund: Wohnungsnot. Denn die so bedeutsamen Unterkünfte sind rar geworden. Mit modernen Mitteln kann heute auch der kleinste Spalt geschlossen werden, und das führt meist zum Verlust ihres Unterschlupfs. In den schlimmsten Fällen werden die Tiere lebendig eingemauert, eingeschäumt oder mit chemischen Holzschutzmitteln vergiftet", weiß der Ranger aus Erfahrung.

Wer mehr über Fledermäuse erfahren möchte, kann eine Fledermauswanderung planen. "Gern führen wir Gruppen ab 15 Personen nach vorheriger Anmeldung durch den Drömlingswald nahe des Informationshauses Drömling in Kämkerhorst", versicherte Damm. Er ergänzte: "Falls der kleine Insektenjäger als Untermieter in oder an Ihrem Gebäude vorkommt, freuen wir uns, wenn Sie uns unter der Telefon 039002/8500 informieren. Außerdem halten wir für Naturfreunde Anleitungen zum Bau von Fledermauskästen, die Sie an Ihrem Haus anbringen können, bereit."

 

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