Vermutlich hätte jeder Ortschaftsrat so entschieden wie der Satueller, wenn der Stadtrat über seinen Kopf hinweg eine Entscheidung fällt, ohne dass ausgerechnet die Gemeindevertreter vor Ort Position dazu beziehen konnten. Eine solche Trotzreaktion ist verständlich. Hier hätte der Haldensleber Stadtrat mehr Fingerspitzengefühl an den Tag legen können, vielleicht auch müssen. Nicht nachvollziehbar ist allerdings, wenn solch ein Projekt wie das Kinder- und Jugendheim dem verletzten Stolz einzelner Ratsmitglieder zum Opfer fällt und mit fadenscheinigen Begründungen gegen das Vorhaben argumentiert wird. Mit seiner Entscheidung trägt der Rat nicht zu einer positiven Außenwirkung des Ortsteils bei, denn am Ende wird es nicht heißen, "der Rat will das Heim nicht", sondern "die Satueller wollen es nicht". Aber die hatten - ebenso wie der Ortschaftsrat zuvor - noch keine Gelegenheit, sich zu positionieren. Und bei all dem sollte nicht vergessen werden, worum es überhaupt geht - nämlich Kindern und Jugendlichen eine Chance zu geben, die sie in ihrem familiären Umfeld nicht bekommen. Oder sie ihnen aber auch zu verbauen.