Auf einer Fläche von fünf Hektar möchte ein Investor vor den Toren Behnsdorfs eine Bioerdgas- anlage errichten und betreiben. Im Gemeinderat wurde das Projekt jetzt vorgestellt.

Behnsdorf l Eine neue Bioerdgasanlage soll am Ortsrand von Behnsdorf entstehen. Das jedenfalls ist Ziel eines Vorhabens der Siestedt Agrar GmbH, die bei Behnsdorf, Belsdorf und Hörsingen mehrere landwirtschaftliche Flächen betreibt. In einer ersten Informationsrunde wurde das Ziel von Geschäftsführer Karl-Christian Köhler und seinem Partner Simon Detscher von der Regis Bioenergy GmbH aus Münster im Flechtinger Gemeinderat vorgestellt.

Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen die "Biogas Behnsdorf GmbH" gründen und das Firmengelände am Ende des Neuen Weges errichten. Rund fünf Hektar Fläche sollen dafür genutzt werden. Errichtet werden müssten Fermenter und Lagerbehälter der Bioerdgasanlage, Silos für die Biomasse sowie Nebeneinrichtungen des Betriebes wie eine Annahmehalle, eine Waage und Büros. Die Behälter sind mit einer Höhe von 22 Metern für die Fermenter und 18 Metern für die Lagerbehälter geplant, berichtete Simon Detscher.

Die Anlage soll mit einer Leistung von 700 Normkubikmeter pro Stunde Bioerdgas produzieren und zirka 50000 Tonnen Biomasse pro Jahr verarbeiten. Geplant sind der Einsatz von Mais, Hirse, Gras und Wirtschaftsdünger.

"Wir setzen auf Nachhaltigkeit", sagte der Agrar-Geschäftsführer. 160 Hektar Grünland und 25 Prozent Mais entsprechend der Fruchtfolge seien die vorgesehene Einsatzmenge für die Biogasanlage. Die Prozesswärme werde zu 100 Prozent genutzt, und es werde ausschließlich Gas ins Netz eingespeist.

Planer und Geschäftsführer gehen davon aus, dass die Biogasanlage keine nennenswerten Auswirkungen auf Behnsdorf haben werde. Lediglich während der Ernte und der Ausbringzeiten könne es zu vermehrten Transporten kommen, die allerdings jetzt auch schon vorhanden seien, weil die Agrar GmbH von ihren landwirtschaftlichen Flächen die Biogasanlage in Satuelle bedient.

Anwohner äußern mehrere Bedenken

Drei bis fünf Mitarbeiter könnten in der Anlage dauerhaft eine Beschäftigung finden, dazu wird von fünf bis zehn Arbeitnehmern im Bereich der Instandhaltung gerechnet.

Widerstand regt sich bei den Behnsdorfer Anliegern und naheliegenden Kleingartenbesitzern. Sie fürchten angesichts der Nähe der Anlage und die ständigen Transportleistungen von und zur Verarbeitung um ihre Lebens- und Erholungsqualität. Sie befürchten verschiedene Immissionen sowie eine erhöhte Nitratbelastung ihres Grundwassers.

Dazu war von den beiden Referenten zu erfahren, dass ein vorhandener Feldweg als Zubringer zur Landesstraße 43 ausgebaut und dauerhaft als Zufahrt genutzt werden soll, um den Ort so wenig wie möglich zu belasten. Auch die benachbarte Kompostanlage könnte über diesen Zubringer ihre Transportleistungen abwickeln und so den Ort entlasten.

Im Zuge des Planungsverfahrens, das die Investoren zügig vorantreiben wollen, wird es eine frühzeitige Behördenbeteiligung geben, die insbesondere die Erörterung des Umfanges einer Umweltprüfung und damit einhergehend aller Immissionen zur Folge haben wird. Mit entsprechenden Belastungen, wie von den Anwohnern befürchtet, rechnen die Referenten jedoch nicht. Der verwendete Wirtschaftsdünger, in diesem Fall ausschließlich Mist, keine Gülle, soll in einer Halle gelagert werden. Ein Biofilter soll dafür sorgen, dass es keine Geruchsbelästigungen gibt.

Voraussetzung für die gesamte Planung ist die Aufstellung eines Bebauungsplanes für ein Sondernutzungsgebiet Biogas. Dazu müsste die Gemeinde Flechtingen einen entsprechenden Aufstellungsbeschluss verabschieden. Die Träger öffentlicher Belange und die Bürger würden dann mit sämtlichen Planungsunterlagen vertraut gemacht und können ihre Bedenken vorbringen.

Nach diesem Schritt würde es zum Auslegungsbeschluss kommen, der nochmals Behörden und Bürger die Möglichkeit zur Stellungnahme gibt. Dann erst würde der Abwägung- und Satzungsbeschluss folgen.

Ab Mitte des Jahres, so sehen es die beiden Investoren derzeit vor, könne das Bebauungsplanverfahren angeschoben werden. Der Anlagenbau ist für kommendes Jahr vorgesehen, ebenso wie der Start des Betriebes im September/Oktober 2016.