Acht stimmgewaltige Männer in Mönchsroben sorgten dafür, dass die Weferlinger Lambertikirche ganz ohne instrumentale Begleitung erbebte. "The Gregorian voices" begleiteten sich mit ihren Stimmen selbst.

Weferlingen l Manchmal wissen sie gar nicht so genau, in welchem Ort sie sich gerade befinden, denn auf ihrer Europatournee sind "The Gregorian voices" wochenlang unterwegs und machen Station nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Luxemburg oder Belgien, wie vom Management zu erfahren war. Doch eines haben alle acht Sänger ganz genau im Kopf, nämlich ihre Lieder, mit denen sie dem Publikum nicht nur die Schönheit der gregorianischen Klänge alter Zeit vermitteln möchten, sondern sich zunehmend auch den modernen Weisen aus Rock und Pop zuwenden. "Gregorianik trifft Pop" lautet darum auch der Titel des Konzertes, mit dem der bulgarische Chor gerade auf Achse ist. Bereits seit dem Frühjahr 2011 ist der Chor in seinen charakteristischen Mönchskutten immer wieder auf Tournee. Sie führte den Chor nach Weferlingen, nachdem sie tags zuvor in Oldenburg aufgetreten waren.

Die acht individuellen Stimmen der Sänger flogen den rund 220 Zuschauern in der Lambertikirche nicht zuletzt durch die hervorragende Akustik des Gotteshauses geradezu zu. Im ersten Teil des Abends erklangen sakrale Gesänge. Der gregorianische Gesang versteht sich als meditativer, geistlicher Gesang. Die Stärke seiner Melodien verleiht der Liturgie einen feierlichen Charakter und ermöglicht eine meditative und geistliche Erfahrung. Die hervorragende Interpretation der Gesänge durch "The Gregorian voices" sprach für sich.

Ob ein- oder mehrstimmig, ein begleitendes Instrument vermisste man den ganzen Abend über nicht, denn das übernahmen die Sänger schlicht mit. Ihre stimmen erheben sich majestätisch und wandlungsfähig über mehrere Oktaven, kein Wunder, sind alle acht doch auch ausgebildete Sänger.

Zu den klassisch-gregorianischen Chorälen, orthodoxen Kirchengesängen, Liedern und Madrigalen der Renaissance und des Barock aus dem ersten Teil hätte sich so mancher Besucher allerdings mal ein kurze Erläuterung zum Inhalt gewünscht, den in die oft lateinisch gesungenen Texte kann kaum jemand inhaltlich eintauchen. Diese Unterbrechungen hätten der andächtigen, besinnlichen Stimmung aber sicher ein wenig der außergewöhnlichen Atmosphäre beraubt.

Den zweiten, poppigeren Teil läutete das Oktett unter der Leitung von Georgi Pandurov schon mit dem letzten Lied des 1. Teils ein, wo der ERA-Klassiker "Ameno" erklang.

Eine Viertelstunde Verschnaufen und Stimme schonen später läutete das "Halleluja" den zweiten Teil ein. Ob "Knockin` on heavens door", "Imagine" oder "Sailing", das Publikum klatschte sich von Beitrag zu Beitrag in größere Begeisterung. Hatten sie "The Gregorian voices" schon nach dem ersten Konzertteil stehend honoriert, kamen im zweiten Teil anerkennende Pfiffe und bald auch "Zugaberufe" hinzu. "Amazing grace", "We are the world" und "Thank you for the music" entließen eine begeisterte Zuhörerschaft nach einem gelungenen Konzertabend in die Nacht.

Kathy Wygrala-Schneider und Heiner Schneider vom Gemeindekirchenrat zeigten sich zufrieden mit der Resonanz, wenn auch letztendlich noch mehr Besucher in die Kirche hineingepasst hätten. Allerdings war erst eine Woche zuvor in Erxleben das gleiche Konzert erklungen und hatte die dortige Schlosskirche bis auf den letzten Platz gefüllt.

Nun überlegt der Weferlinger Gemeindekirchenrat aber schon, welche nächste Veranstaltung die Kirche beleben könnte. Erfreut berichtete Heiner Schneider, dass Angelika Milster nicht abgeneigt wäre, mal wieder nach Weferlingen zu kommen. Ihr Konzert im vergangenen Dezember bescherte dem Haus einen wahren Besucherstrom.