Im Ringen um einen Radweg entlang der Landesstraße 24 von Etingen nach Oebisfelde werden die Bürgerinitiative (BI) Radweg und alle Unterstützer wohl einen sehr langen Atem benötigen und noch mehr Engagement als bisher an den Tag legen müssen.

Oebisfelde l Nach dem Fahrradkorso für einen Radweg entlang der Landesstraße am 18. April (Volksstimme berichtete) waren die veranstaltende BI und die überwiegende Zahl der Teilnehmer offensichtlich sehr zuversichtlich, durch diese Demonstration dem Durchsetzen des Begehrens nach einem Radweg entscheidend näher gekommen zu sein. Nicht zuletzt die Übergabe einer mit 1941 Unterschriften versehenen Liste an zwei Landespolitiker sorgte für Zuversicht.

Wie sich nun aber nach Anfrage der Volksstimme beim Landesstraßenbauamt herausstellte, zeichnet sich derzeit kein weiterer Fortschritt bei dem BI-Begehren ab. Die Beantwortung der Anfrage hat das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr direkt übernommen. Aus Sicht des Ministeriums steht es derzeit für einen Radweg entlang dieser Teilstrecke der Landesstraße nicht rosig aus. Wie der Pressereferent des Ministeriums, Peter Mennicke, informierte, habe die BI ihr Anliegen der Behörde bislang überhaupt nicht konkret vorgetragen. Lediglich, so Mennicke, hat sich die BI mit einem Schreiben vom 15. September des Vorjahres direkt an das Ministerium gewandt. Von dort erhielt die BI eine ausführliche Erläuterung zur Sache. Bereits 2006 hatte sich der Bürgermeister der Gemeinde Bösdorf mit einem Schreiben an den damaligen Minister Karl-Heinz Daehre gewandt und die Errichtung eines straßenbegleitenden Radweges an der L24 im Streckenabschnitt Rätzlingen- Bösdorf-Oebisfelde angefragt, erinnert Mennicke. Die Gesamtproblematik ist also bekannt, der Druck auf die Straßenbaubehörde eher unverständlich. Ein bedeutsames Kriterium bei der Feststellung eines Bedarfs ist das Verkehrsaufkommen. Tatsächlich fand auf dem betroffenen Streckenabschnitt der L24 eine Straßenverkehrszählung statt. Die erfolgte im Jahre 2010, die Zahlen haben bis heute Bestand. Dabei wurde die Gesamtverkehrsstärke als durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke, differenziert in Personenverkehr und Güterverkehr, ermittelt. Im Ergebnis wurden am Stichtag insgesamt 2042 Kraftfahrzeuge innerhalb von 24 Stunden gezählt. Die weit aus größte Anzahl schlug sich auf den Personenverkehr nieder, wobei lediglich 24 Radfahrer notiert werden konnten.

Die Planung und der Bau von straßenbegleitenden Radwegen an Bundes- und Landesstraßen erfolgt auf Basis des Radverkehrsplanes des Landes Sachsen-Anhalt (LRVP) nach aufgestellten Bedarfsplänen (Stand 03/2010), erläutert der Pressereferent. Zusätzlich erfolgen darin vorgenommene Einstufungen der Vorhaben in die Dringlichkeitsstufen I bis III absteigend. Der straßenbegleitende Radweg im Zuge der L24 zwischen Etingen und Oebisfelde ist im aktuellen Bedarfsplan (Stand März 2010) lediglich im Abschnitt von Bösdorf bis Oebisfelde mit einer Länge von zirka 4,6 Kilometern in der Dringlichkeitsstufe III enthalten. Der Abschnitt zwischen Bösdorf und Etingen ist im Bedarfsplan jedoch nicht erfasst, so die Information.

Bei der Überprüfung und Fortschreibung der Bedarfspläne werden alle Streckenabschnitte der Bundes- und Landesstraßen außerhalb von Ortschaften mit einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsbelastung im Jahr 2010 von mehr als 2400 Kraftfahrzeugen täglich betrachtet. Für diese Strecken wird aus Gründen der Verkehrssicherheit der Bedarf nach einer Radverkehrsanlage vorrangig gesehen.

Darüber hinaus wurden Streckenabschnitte der Bundes- und Landesstraßen außerhalb von Ortschaften mit einem Nenner kleiner als 2400 Kraftfahrzeuge täglich in die Fortschreibung einbezogen, sofern durch den zuständigen Landkreis eine "besondere Netzbedeutung" für diesen Straßenabschnitt nachgewiesen wurde. Das gilt für den Streckenabschnitt, für den die BI den Radweg fordere, so Mennicke. Das wurde von Bürgermeisterin Silke Wolf auch beim Überreichen der Unterschriften nach dem Fahrradkorso bestätigt. Die Strecke wurde daraufhin in die drei Abschnitte der L24 unterteilt und in die Fortschreibung der Radwegebedarfspläne bei der Straßenbaubehörde aufgenommen: Oebisfelde bis Bösdorf, von dort bis Rätzlingen und ab Kathendorf bis Etingen. Alle drei Abschnitte werden gesondert bewertet, informiert das Landesministerium. Ein Ergebnis sowie die möglicherweise davon abgeleitete Priorität der Abschnitte bleiben zumindest bis Mitte dieses Jahres erst einmal unbekannt.