Zum Tag der Begegnung hatte die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Haldensleben eingeladen. Viele waren gekommen, um sich genauer umzusehen und Kontakte zu knüpfen oder auszubauen.

Haldensleben l "Dona nobis pacem", zu deutsch "Gib uns Frieden", schallte es weit über den Hof der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber an der Hafenstraße. Aus fast 80 Kehlen wiederholte sich der Wunsch nach Frieden immer wieder. Ein Tag der Begegnung hat Deutsche und Flüchtlinge zusammengeführt. Seit die ersten Asylbewerber in die Gemeinschaftsunterkunft in Haldensleben eingezogen sind, sind vielfältige Kontakte zu den Einheimischen entstanden. Deutschkurse und andere Aktionen helfen, in der neuen Umgebung zurechtzukommen. Das wurde an diesem Tag deutlich. So mancher Haldensleber kam aber auch zum ersten Mal hierher.

Fröhlich beschwingt gab der Eine-Welt-Chor mit einigen Liedern den Auftakt, nachdem Heimleiter Gerd Fuchs die zahlreichen Gäste begrüßt hatte. Seit sieben Wochen probt Chorleiter Albert Konrad einmal in der Woche mit den Asylbewerbern, denn die deutsche Sprache bereitet ihnen viel Probleme. Erst seit vier Wochen singen Deutsche und Flüchtlinge gemeinsam, doch Gerd Fuchs, der Leiter der Gemeinschaftsunterkunft, der selbst gern singt, war zuversichtlich, dass der gerade aus der Taufe gehobene Chor schon öffentlich anstimmen kann. Und so sangen die Frauen und Männer bunt gemischt mit Schals in den Stadtfarben blau und gelb zwar keine mehrstimmigen Chorwerke, dafür aber mit großem Eifer einfache Lieder in verschiedenen Sprachen. Und als Albert Konrad nach "We shall overcome", dem letzten Lied des musikalischen Reigens, zu "Dona nobic pacem" alle einlud, sich zu den Chorsängern zu gesellen, war der Chor ganz schnell doppelt so groß.

Junge Leute aus Syrien und Eritrea erheiterten anschließend die Flüchtlinge und Gäste mit einer völlig verqueren Fassung des Grimmschen Märchens vom Rotkäppchen. Den jungen Leuten war ihre Spielfreude deutlich anzumerken. Und die Zuschauer amüsierten sich köstlich, auch wenn nicht alle die Texte verstanden.

Die evangelische Kirchengemeinde St. Marien und die katholische Pfarrei St. Christophorus waren mit Ständen vertreten, zum Teil zur Versorgung der Flüchtlinge und Gäste, aber sie hatten auch Spiele wie Wikinger-Schach mitgebracht. Imkermeister Ralf Bertram, der einigen Flüchtlingen die Imkerei näherbringt, war mit einem großen Imkerkurs gekommen, der auch die Bienenvölker, die hier auf dem Gelände inzwischen bereits angesiedelt sind, inspizierte. Wer Lust hatte, konnte sich die kargen Unterkünfte der Asylbewerber bei einer Führung ansehen. Die Eritreer hatten ein warmes Essen zubereitet, das es auch in ihrer Heimat gibt, und luden zum Mitessen ein. Überall wurde in deutsch, englisch, französisch sowie mit Händen und Füßen geredet. Und es wurden neue Verabredungen getroffen.

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