Was genau ist Lithographie? Wie lässt sich Porzellan mit Schmelzfarben bemalen? Um Fragen wie diese ging es beim Tag der offenen Tür im Haldensleber Museum. Zugleich wurde eine neue Sonderausstellung eröffnet.

Haldensleben l Ob Düsenflugzeug, Miniatur-Soldaten oder exotische Tiere: Jede Menge Spielzeug tummelt sich derzeit in den Räumen des Haldensleber Museums. Die Exponate bestehen aus Blech, Lineol oder Plaste und sind Teil der neuen Sonderausstellung "Der Kletteraffe TOM. Spielzeug aus Brandenburg 1881-1992". Konzipiert und gestaltet wurde die Wanderausstellung vom Stadtmuseum Brandenburg an der Havel.

"Ich war dort im Museum und habe mich an meine Kindheit erinnert gefühlt. Mir fiel auf: Da kommen also die ganzen Dinge her, die mich früher so begeistert haben", sagte Ulrich Hauer in seiner Begrüßung. Zum Beweis zog der Haldensleber Museumsleiter einen kleinen Eisbären hervor, der sich seit Jahrzehnten in seinem Besitz befindet und der ebenfalls aus Brandenburg stammt. "Ich dachte mir: Sei nicht egoistisch! Nicht jeder kann nach Brandenburg fahren. Hol doch mal eine Ausstellung nach Haldensleben!"

Gesagt, getan: Bis zum 6. September sind die Spielzeuge nebst Info-Tafeln hier zu sehen. Wie Ulrich Hauer weiter erklärte, kann Brandenburg auf eine lange Tradition als Stadt der Spielzeugmacher zurückblicken. So gründete Ernst Paul Lehmann 1881 dort eine der größten Spielzeugfabriken Deutschlands. 1906 kam die Lineolfabrik von Oskar Wiederholz hinzu.

Die Produkte waren nicht nur in Deutschland beliebt. Der größte Teil der Spielzeuge ging in den Export. Noch heute sind sie begehrte Sammlerstücke, die laut Ulrich Hauer "hochpreisig gehandelt werden". In der frühen DDR wurden beide Firmen enteignet und als VEB weitergeführt. Die Lineolfertigung wurde 1956 nach Dresden verlagert. Nach der Wende folgte im Jahr 1992 das Aus.

Mehr als 100 Jahre nach ihren Beginn war damit die Spielzeugmachertradition für Brandenburg zu Ende. Doch viele ihrer Schmuckstücke sind derzeit in Haldensleben und lassen sich im Museum bestaunen. Einige Lineol-Tiere aus dem persönlichen Besitz von Ulrich Hauer sind ebenfalls in die Ausstellung eingegangen.

Darüber hinaus hatte der Tag der offenen Tür noch viel mehr zu bieten. Marlies Hauer von der Spinnstube Hundisburg filzte mit Kindern in einem Waschfass. Hans-Joachim Büchl von der Künstlergilde Haldensleben erklärte die Geheimnisse der Lithographie. Dabei werden Druckerzeugnisse mithilfe von Steinplatten hergestellt. Im 19. Jahrhundert war die Lithographie das am häufigsten eingesetzte Druckverfahren.

Ein Stockwerk höher führte die Diplomdesignerin Gudrun Gaube die Porzellan-Malerei mithilfe von Schmelzfarben vor. Dabei waren auch mehrere Schautafeln aus Porzellan zu bewundern, die Gudrun Gaube bereits für die Feierlichkeiten zum 1050. Geburtstag Haldenslebens im Jahr 2016 hergestellt hat.

Die Veranstaltung im Haldensleber Museum stand im Zusammenhang mit dem Internationalen Museumstag. Wer die Gelegenheit verpasst hat, kann sich bereits auf Sonnabend, 27. Juni, freuen. Denn dann lädt auch das Schulmuseum in Hundisburg von 10 bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein.

 

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