Zu Pfingsten lebt in Uthmöden eine Tradition wieder auf. Der Fiesmeier zieht von Haus zu Haus, tanzt und wird mit Spenden belohnt. Davon gibt es anschließend Milchsuppe und Eiback. Das ganze Dorf ist eingeladen.

Uthmöden l Der Fiesmeier tanzt am Pfingstmontag vor jedem Haus und verneigt sich dreimal, sein fleißiges Gefolge nimmt die Gaben in Empfang. Und dabei gibt es eine klare Hierarchie. Wer beim Königslauf an der Utau am schnellsten ist, wird König. In diesem Jahr gewann der zwölfjährige Janne Plock und darf nun als 1. König mit großer Blumenkrone mitziehen. 2. König ist Pascal Tornack. Sowohl Jannes jüngerer Bruder Jona als auch Pascals Bruder Lucas sind als Knechte mit dabei wie auch die anderen, die mitmachen wollen.

Die Könige dürfen die Geldbüchsen tragen, in die auch Spenden von den Autofahrern, die gerade durch Uthmöden fahren, hineinkommen. Die Knechte sind mit Körben unterwegs, um Eier, Margarine, Pudding, Grieß, Zucker und Milch einzusammeln. Die kleineren Knechte laufen vorneweg und klingeln an den Häusern, um den Fiesmeier anzukündigen.

Viele Einwohner warten aber auch schon vor ihren Häusern oder sind sofort mit ihren Spenden draußen. Nicht nur die Älteren wie Christa Lauenroth, die den Fiesmeier noch aus ihrer Kinderzeit kennt, auch Heidrun Ferge, die seit 13 Jahren in Uthmöden lebt, freut sich über den Brauch. Früher war mehr Betrieb, erinnert sich Karl Oelze, der mit seiner Frau Irmgand noch vor der Tür steht und dem Fiesmeier eine Weile hinterher schaut. Doch die Älteren sind froh, dass der Brauch überhaupt noch lebt.

Roswitha Schulz organisiert das seit 29 Jahren. Nach 2016, dem 30. Fiesmeier in ihrer Regie, sagt die Ortsbürgermeisterin, will sie die Organisation in jüngere Hände legen. Doch sie ist zuversichtlich. In jedem Jahr wird gebangt, ob denn genug Kinder kommen, doch es klappt immer wieder. "Die Familien stehen dahinter", freut sich Roswitha Schulz, viele Eltern waren in ihrer Kindheit auch mit dem Fiesmeier unterwegs. Der Brauch wird von Generation zu Generation weitergegeben, aber auch zugezogene Familien beteiligen sich daran.

Otto Plock freut sich, dass Enkel Janne in diesem Jahr der Schnellste war und 1. König geworden ist. Er stammt aus Klüden, erzählt er, da gibt es das nicht, sein Schwiegervater Gerhard Schöne habe auch oft erzählt, dass er 1. König gewesen sei, nun gibt es wieder einen König in der Familie. Oma Sigrid Plock muss das mit dem Fotoapparat festhalten.

Ein paar Häuser weiter steht auch Vera Müller schon zum Fotografieren bereit. Sie will das Foto gleich nach Berlin schicken, ihre Schwiegertochter kennt den Brauch nicht und hat sich sehr dafür interessiert, erzählt sie.

Helga Kolbe hat nicht nur Lebensmittelspenden parat, sondern auch einen kleinen Kräuter für den Fiesmeier zur Stärkung. Viel davon kann der junge Mann, dessen Namen ein Geheimnis bleibt, allerdings unterwegs nicht verkraften, meint sie. Dafür flößt ihm Johannes Kusian, der mit David Förster den Fiesmeier begleitet, öfter mal Wasser ein. Roswitha Schulz, die den Zug mit dem Fahrrad begleitet, hat dafür ein paar Flaschen im Gepäck.

Bis zu 80 Kilogramm schwer ist der grüne Schmuck, den der Fiesmeier trägt. Das Gewand wurde am Sonntag auf dem Hof von Ilse Oelze und Familie Maiwald ebenso vorbereitet wie die Kronen für die Könige und die Kränze für die Hüte der Knechte. Auch das will gelernt sein, erzählt Beate Rieke, die mit Andrea Maiwald für die Kronen zuständig ist. Die Blumen werden am Vormittag im ganzen Dorf zusammengesammelt. In diesem Jahr ist alles schön bunt, es blüht sehr viel, es gab aber auch schon Jahre, wo hauptsächlich Efeu verarbeitet werden musste.

Andrea Maiwald stellt mit ihrer Mutter Ilse Oelze seit 24 Jahren ihr Grundstück zur Verfügung. Hier werden 30 bis 35 Liter Suppe gekocht und 300 bis 400 Eier zu Eiback verarbeitet. Fahrradkurier Helge Schulz bringt die eingesammelten Spenden zum eifrigen Frauenteam. Hier auf dem Hof wird das verarbeitet und verspeist, was die Uthmödener zuvor gespendet haben. Ilse Oelze, heute 83 Jahre alt, hat die Frauen angelernt.

"Wir wollten mit dem Fiesmeier noch Silberhochzeit feiern", sagt Andrea Maiwald. Das wird 2016 sein, danach will auch sie mit ihrem Team die Aufgaben an die Jüngeren weitergeben. Sie ist zuversichtlich, dass das klappen wird.

Christine Spitzner ist bereits eine von denen, die weitermachen werden, bekräftigt sie. Und zum Kranzbinden waren am Sonntag viele junge Frauen mit ihren Kindern da, die sich der Tradition verbunden fühlen, erzählt Andrea Maiwald. Da wird es schon weitergehen, ist sie sich sicher.

   

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