Rätzlingen l "Wir haben momentan auf dem Friedhof drei Beerdigungsmöglichkeiten. Das ist erstens die normale Beerdigung in einem Grab, zweitens das Urnengrab und drittens die anonyme Bestattung auf der grünen Wiese", erklärte Rätzlingens Ortsbürgermeister Wilhelm Behrens (Aktive WG Sport) bei der Sitzung des Rätzlinger Rates am Mittwochabend.

Brigitte Dobbelmann, Bewohnerin von Rätzlingen, schilderte einen weiteren Vorschlag. "Es gibt die Formen - entweder Grabstätte oder ganz anonym - da fehlt irgend etwas dazwischen. Das heißt, dass viele sich so eine Grabstelle nicht mehr leisten können oder wollen. Oder die Kinder haben keine Zeit für die Pflege eines Grabes. Wir brauchen eine Form, bei der der Name des Verstorbenen erscheint. So ganz anonym soll es dann doch nicht sein", erklärte Brigitte Dobbelmann. Sie betonte, dass sie nicht allein diesen Wunsch hat, sondern dass es viele Rätzlinger gibt, die diese Bestattungsform befürworten.

Brigitte Dobbelmann hatte sich in der Vergangenheit bereits für den Anbau der Trauerhalle stark gemacht. Dank des Engagements einer Bürgerinitiative und Eigenleistungen ortsansässiger Betriebe ging 2012 mit dem Anbau ein lang gehegter Wunsch der Einwohner in Erfüllung. Und deshalb fühlt sie sich auch wieder berufen, bei der Umsetzung der neuen Idee der älteren Generation zu helfen.

Um eine Lösung zu finden, hatte Brigitte Dobbelmann sich Friedhöfe angesehen. "In Haldensleben gibt es Stelen mit Namenstafeln an der Friedhofsmauer. Das würde bedeuten, dass die Stadt Oebisfelde-Weferlingen in Vorleistung gehen müsste, um diese Stelen anzuschaffen. Aber die Stadt hat ja kein Geld", weiß sie aus sicherer Quelle. Die desolate Friedhofsmauer in Rätzlingen müsste - nach den Ausführungen von Brigitte Dobbelmann - sowieso saniert werden. "Wenn die Mauer stabilisiert wird, könnten dort vielleicht Vorrichtungen für Namensschilder angebracht werden", erklärte sie.

Ortschaftsrat Edwin Wietig schlug vor, auch noch die Vertreter der Kirchengemeinde nach ihrer Meinung zu fragen. "Es wird keine neue Mauer, sondern nur eine geflickte geben. Ob das optisch gut aussieht? Und außerdem scheint mir die etwa ein Meter hohe Mauer nicht hoch genug zu sein, damit die Stelen zur Wirkung kommen", gab Wietig zu bedenken.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Urnen ins Erdreich zu bringen und darauf Grabplatten mit den Namen der Verstorbenen zu versehen. "Diese Flächen müssen mit dem Rasenmäher gepflegt werden. Das heißt, dass dort - wenn der Rasen gemäht wird - keine Gestecke und Blumen abgelegt werden dürfen", erklärte sie und zeigte Fotos von einer Wiese mit Grabplatten. Bei dieser Variante bräuchte es auch keine Vorfinanzierung geben. Nur die Fläche müsste dazu hergerichtet werden. Und die Tafeln sollten einheitlich aussehen. Brigitte Dobbelmann bat den Ortschaftsrat, dass das Gremium bei der Stadt den Antrag auf eine vierte Bestattungsform - der Urnengemeinschaftsanlage mit Namenstafeln stellt. "Diese Art der Bestattung gibt es in unserer Einheitsgemeinde noch nicht. Die Friedhofssatzung wird zur Zeit überarbeitet. Jetzt hätten wir die Möglichkeit, uns einzubringen. Ab 2016 wird es eine einheitliche Satzung geben. Deshalb müssen wir jetzt reagieren", appellierte Behrens. Der Rätzlinger Rat stellt den Antrag, diese Bestattungsform mit in die Satzung aufzunehmen.