Das Weinberghaus in Hundisburg beherbergt derzeit wieder Studenten aus den USA. Sie kümmern sich im Rahmen des CHARME-Projekts um den historisch fundierten Aufbau der Mackensenburg im Landschaftspark Althaldensleben-Hundisburg.

Hundisburg l Die noch junge, aber erfolgreiche Geschichte von CHARME wird derzeit in Hundisburg fortgeschrieben. CHARME steht für "Charleston Haldensleben-Hundisburg - American Restoration Art meets Europe" - amerikanische Restaurationskunst trifft Europa - und ist eine internationale Kooperation zwischen einem privaten College aus Charleston (USA), der Stadt Haldensleben und dem Verein Kulturlandschaft Haldensleben-Hundisburg.

Derzeit sind vier Amerikaner in Hundisburg: Jackie Urgo und Patrick Webb, Absolventen des American College of the building Art (ACBA), werden in den kommenden Wochen im Landschaftspark Althaldensleben-Hundisburg arbeiten. Angeleitet werden sie dabei zunächst von Simeon Warren, Dekan des ACBA, Unterstützung bekommen sie von ihrem Studienkollegen Cody James, der allerdings in drei Wochen nach England geht, um dort ein Praktikum an der Kathedrale von Lincoln anzutreten.

Jackie Urgo und Patrick Webb dagegen bleiben acht Wochen lang in Hundisburg. Sie werden im Landschaftspark Haldensleben-Hundisburg die Mackensenburg wieder aufbauen. Diese künstliche Ruinenmauer wurde unter Hans von Mackensen angelegt, in dessen Besitz sich der Park von 1911 bis 1932 befand. Welche Bedeutung sie einst hatte, ist bislang ungeklärt. "Es steht nur fest, dass sie sich in der unmittelbaren Umgebung befindet, wo Johann Gottlob Nathusius einst sein erstes Gewächshaus errichten ließ", erklärt Parkverwalter Dr. Harald Blanke dazu.

Arbeiten schon 2014 in Charleston geplant

Im vergangenen Jahr haben bereits die vorbereitenden Arbeiten für den Wiederaufbau der Mackensenburg stattgefunden. Planerisch ist das Vorhaben bereits in Charleston vorbereitet worden - in Abstimmung mit der Park- und Schlossverwaltung Hundisburg. Und für die letzten detaillierte Absprachen ist Simeon Warren für drei Tage nach Hundisburg gekommen. Von ihm stamme auch die Idee, die alte Ruinenwand wieder herzurichten, sagt Harald Blanke.

Für die amerikanischen Studenten ist es der erste Besuch in Deutschland Ein wenig haben sie die Umgebung schon kennengelernt. "Es ist das, was man bei uns typisch deutsch nennt", schildert Webb seinen ersten Eindruck von Haldensleben und Hundisburg. Besuchen werden die Studenten auch den Magdeburger Dom sowie die ehemalige innerdeutsche Grenze bei Marienborn und Hötensleben.

Die jungen Amerikaner sind aber auch heiß auf das Arbeitsprojekt. "Vieles in unserer heutigen Kultur ist wegwerfbar. Hier können wir an etwas arbeiten, das die Leute für die Ewigkeit gebaut haben", freut sich Patrick Webb auf die Herausforderung. "Das Projekt ist sehr ungewöhnlich, so etwas kennen wir aus Amerika nicht. Daher bin ich sehr dankbar für diese Möglichkeit. Es ist etwas ganz Besonderes, in einer so alten Landschaft zu arbeiten", ergänzt der Dekan des ACBA.

Unterstützung erfährt das Projekt von der Stadtverwaltung. "Es trägt zur Völkerverständigung bei", ist Bürgermeister Norbert Eichler überzeugt. "Viele Kunstobjekte in Deutschland, wie auch das Schloss Hundisburg, wurden in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von den Alliierten zerstört. Jetzt bauen junge Leute aus den USA sie wieder mit auf. Solch ein Projekt bringt Menschen nahe, die sich vor Jahrzehnten noch kriegerisch gegenüberstanden."

Zudem hat CHARME viele Partner aus der regionalen Wirtschaft gefunden. Sie haben sich am Donnerstag mit ihren amerikanischen "Schützlingen" auf Schloss Hundisburg getroffen. Dieser Kennenlernabend gehört mittlerweile zum guten Ton des Projekts und bildet sozusagen den offiziellen Auftakt für das Projekt, das im Jahr 2012 seine Erstauflage erlebte.

Der Familientradition weiterhin verpflichtet

Nicole Job von der Haldensleber Stadtverwaltung hatte das internationale Kooperationsprojekt vor drei Jahren gemeinsam mit Martin Sobczyk von IFA Rotorion auf den Weg gebracht. Sobczyk hatte die Kontakte zum ACBA knüpfen können, da IFA auch ein Werk in Charleston unterhält. Seinen Part hat nunmehr Caroline von Nathusius, Ehefrau des IFA-Geschäftsführers Felix von Nathusius, übernommen. "Das Projekt liegt uns sehr am Herzen", versichert sie. Zum einen kennt sie das American College of the building Art persönlich, und zum anderen sieht sie sich mit CHARME der Familientradition verpflichtet. "Johann Gottlob Nathusius hat damals weit in die Welt hinausgeschaut und den Park mit Pflanzen aus aller Welt angelegt. Seine Inspiration wird nun von uns mit CHARME weitergetragen", erklärt Caroline von Nathusius.