Wasser soweit das Auge reicht: Entlang der Bodeniederung zwischen Groß Germersleben, Klein Oschersleben bis hinter Hadmersleben steht das Wasser auf den Wiesen und Äckern. Viele Bauern auch in anderen Regionen innerhalb des Verbandsgebietes des Bauernverbandes "Börde" können davon ein Klagelied singen. Selbst Kuhställe waren vom aufsteigenden Grundwasser betroffen.

Bördekreis. Während die Pegelstände von Ohre und Bode im Verbandsgebiet des Bauernverbandes "Börde" längst zurückgegangen sind, stehen Wiesen und Äcker weiterhin unter Wasser. Niemand kann heute sagen, wie lange das sogenannte Drängwasser, das aufsteigende Grundwasser, auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen steht, welche Schäden es anrichten wird.

Wolfgang Köhler, Geschäftsführer des Bauernverbandes "Börde", dem Verband gehören Landwirte des alten Ohre- und Bördekreises sowie Teile der Egelner Mulde an, hat an alle Landwirte des Verbandsgebietes Fragebögen verschickt. Auf diesem Weg wird erfasst, wie viele Flächen vernässt sind, unter Wasser stehen. Auch wurden die Landwirte aufgefordert, kurz zu schildern, welche Gründe sie für die zunehmende Vernässung sehen. Im Bereich des Bauernverbandes "Börde sind vor allem die Bereiche der Bodeniederung bei Groß Germersleben, Klein Oschersleben, Hadmersleben, aber auch in der Egelner Mulde sowie Flächen im Großen Bruch oder entlang der unteren Ohre betroffen, wie Köhler berichtet. Inzwischen sind bei ihm die ersten Antworten der Landwirte eingetroffen. Und sie sagen aus, dass es Landwirte gibt, deren Flächen bis zu 50 Prozent überflutet sind. Offen bleibt bei allen die Frage, wann das Wasser wieder weggeht, welche Schäden sich dann offenbaren. Als Ursachen werden die hohen Niederschlagsmengen der vergangenen zwei Jahren angesehen. "Doch es ist auch die unterlassene Unterhaltung der Gewässer I. Ordnung, dazu gehören die Ohre und die Bode. Auch fordern wir Landwirte schon seit längerer Zeit ein anderes Talsperren-Management. Man hätte die Talsperre viel eher ablassen müssen, nicht erst, wenn das Hochwasser schon da ist", so Köhler. Das Thema Talsperren-Management wird am 9. Februar während einer Beratung in Egeln mit Landwirten zur Debatte stehen.

Der Präsident des Landesbauernverbandes, Frank Zedler, hat im Jahresrückblick des Verbandes das Thema Grundwasser/Drängwasser mit folgenden Worten auf den Punkt gebracht: "Auch wenn die Niederschlagsmengen der letzten beiden Jahre deutlich über den Normalwerten lagen, so offenbaren die vielen vernässten Flächen und die vollgelaufenen Keller auch die stark vernachlässigte Pflege der Gewässer. Vor allem die kleineren Flüsse in den flachen Landschaften der Altmark, des Salzlandkreises sind davon massiv betroffen. Es sind Gewässer 1. Ordnung für die das Land bzw. der Landesbetrieb für Hochwasserschutz zuständig sind. Mangelnde finanzielle Mittel für unterlassene Pflege und Unterhaltung erklären bei weitem nicht alles..."

Masterplan erarbeiten

Um die Probleme hinsichtlich der Flächenvernässung langfristig in Angriff zu nehmen und um vor allem Dingen Lösungen zu finden, wurden inzwischen regionale Arbeitsgruppen gebildet, was der Bauernverband begrüßt. Im Rahmen dieser Arbeitsgruppen soll nach einer Analyse ein sogenannter Masterplan gebietsbezogen erarbeitet werden.

"Hochwasserschutz ist nicht nur Deiche, Deiche, nochmals Deiche, man muss einfach mehr in die Fläche gehen", fordert Wolfgang Köhler. "Hochwasserschutz ist auch Gewässerunterhaltung und wenn in den nächsten Jahren mehrere hundert Millionen Euro in den Hochwasserschutz fließen sollen, dass müssen von diesem Geld auch die Unterhaltungsverbände der Gewässer II. Ordnung profitieren", so Köhler weiter. Mit einer besseren Unterhaltung der Gewässer wäre auch der Abfluss des Wassers von den Flächen besser gewährleistet. Mit einer Entschlammung beispielsweise könnte die Sohle der Gräben oder Flüsse vergrößert werden, eine größere Wassermenge könnte wiederum aufgenommen werden. Ein entsprechendes Projekt war im Bereich der Egelner Mulde beispielsweise vorgesehen. Für 140 000 Euro sollte die Bode entschlammt werden. Doch das Projekt konnte letztendlich nicht umgesetzt werden. Das Scheitern zeigt, dass Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsame Wege gehen müssen, will man das Problem Grundwasser lösen. So wird es am 28. Februar eine Grabenschau mit allen Beteiligten geben.

In wie weit es Hilfen für betroffene Landwirte geben wird, steht heute noch nicht fest. Der Bauerverband wird das prüfen.

In jedem Fall wird sich auch der Verbandstag des Bauernverbandes "Börde" am 23. Februar in Niederndodeleben auf Ursachenforschung in Sachen Grundwasser begeben und sich mit dem Problem weiter beschäftigen.

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