Der Landkreis Börde ist einer der sichersten Landkreise in Sachsen-Anhalt. Die Zahl der Straftaten ging von 11 009 im Jahr 2009 auf 10 194 Straftaten im Jahr 2010 zurück. Die Aufklärungsquote stieg im selben Zeitraum von 53,5 auf 59 Prozent.

Haldensleben. Als Polizeidirektor Armin Friedrichs vor einem Jahr die Leitung des Polizeireviers Börde übernahm, hatte er erklärt, dass er Hauptaugenmerk auf die Bekämpfung der Kriminalität und der Verkehrsunfallzahlen legen will. Dass die Unfallzahlen 2010 nicht gesunken sind, schreiben die Polizeibeamten zwei extremen Wintermonaten zu, in denen es besonders häufig krachte. Bei der Kriminalitätsstatistik, die Armin Friedrichs gemeinsam mit dem Chef des Kriminaldienstes Eckhard Gluschke vorstellte, konnten die Beamten allerdings auf beachtliche Erfolge verweisen. Dass sich die registrierten Delikte von 11 009 auf 10 194 Fälle verringerten, also um 7,4 Prozent, sieht Friedrichs schon fast als "Erdrutsch" an. Dass im gleichen Zeitraum auch die Aufklärungsquote stieg, macht den Landkreis Börde zu einem der sichersten Landkreise im Land. Das hatte jüngst auch das Innenministerium bestätigt.

Die Erfolge führen Friedrichs und Gluschke auf veränderte Strukturen der Polizei im Landkreis, auf ausgeprägte analytische Tätigkeit, zielgerichteten Personaleinsatz und Bildung von Ermittlergruppen zu Schwerpunkten zurück. Beide haben die Erfahrungen aus ihrer bisherigen polizeilichen Tätigkeit eingebracht. Die Schutzpolizei habe auch großen Anteil an den Ergebnissen, gerade was die neuralgischen Punkte angeht. Teilweise sind auch Ermittler in den Revierstationen im Einsatz. Die technischen Möglichkeiten haben sich wesentlich verbessert. Man müsse den polizeilichen Ermittlungsdruck erhöhen, auf die Täter reagieren, viele festnehmen, erläutert Friedrichs.

"Sehr dankbar sind wir für Zeugen. Wir brauchen die Bürger, brauchen die Zeugen, um Ermittlungen zu unterstützen", wirbt Friedrichs. Wenn den Bürgern etwas Verdächtiges auffällt, sollten sie gleich die Polizei verständigen, bittet der Revierleiter. Polizeistreifen können ganz in der Nähe sein und sofort eingreifen. Das habe schon mehrfach geklappt. Die A 2 führt mitten durch den Landkreis, und die Autobahn sei natürlich ein guter Fluchtweg für die Täter. Die Nähe zu Magdeburg biete ebenso gut Möglichkeiten für Täter, unterzutauchen. Extrem viel "Dieselklau" beschäftigt die Polizei seit dem vergangenen Jahr.

Der Autodiebstahl ist hingegen zurückgegangen. 33 Fahrzeuge weniger als 2009 wurden gestohlen, 80 Fahrzeuge weniger aufgebrochen. Da habe die Polizei auch präventiv einiges gemacht. Die Eigentümer sichern ihre Fahrzeuge besser, und die Täter versuchen mehr, an hochwertige Fahrzeuge heranzukommen. Als unlängst im Landkreis gegen 23 Uhr ein BMW gestohlen wurde, war der schon gegen 3 Uhr in Polen, die Täter waren aber keine Polen, sagt Friedrichs. Am Morgen wurde der Diebstahl hier erst gemeldet. Der BMW ist inzwischen wieder da.

Zurückgegangen ist auch der Diebstahl von Fahrrädern. Wurden 2009 im Landkreis 496 Räder gestohlen, waren es im Vorjahr 437. Leider schreiben die meisten Eigentümer keinerlei Nummern oder andere Dinge auf, die der Polizei helfen würden, die gestohlenen Räder zu identifizieren, bedauert Gluschke. Auch bei anderen gestohlenen Dingen können die Besitzer häufig nichts angeben, das ihr Eigentum belegen würde. "Wir haben viele Durchsuchungen, entdecken dabei auch gestohlene Sachen. Wenn wir jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen können, dass es gestohlen ist, müssen wir die Dinge wieder aushändigen", sagt der Kripo-Chef.

Polizei braucht Zeugen

Tageswohnungseinbrüche beschäftigen die Polizei zunehmend. Dabei hat sie es häufig mit Tätergruppen aus Osteuropa zu tun. Nachbarn oder Passanten, denen etwas merkwürdig vorkommt, sollten gleich die Polizei verständigen. Sie sollten sich nicht in Gefahr begeben, appelliert Friedrichs, aber wenn das möglich ist, vielleicht am Telefon bleiben und weiter beobachten, um der Polizei Hinweise geben zu können. Noch eine Bitte haben die Polizeibeamten: Wer in sein Haus oder seine Wohnung kommt und feststellt, dass eingebrochen wurde, dann bitte nichts weiter betreten, nichts verändern, sofort die Polizei anrufen und abwarten, bis die Spurensicherung erfolgt ist.

Um diese Einbrüche aufzuklären, wurde eine Ermittlungsgruppe gebildet. Er sei optimistisch, dass sie Erfolg haben wird, versichert Friedrichs. Die Ermittlungsgruppen im vergangenen Jahr waren durchweg erfolgreich. Darüber berichtet die Volksstimme in den nächsten Tagen. Vielfach arbeiten die Ermittler sehr gut mit den Kollegen in den Nachbarkreisen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen zusammen.

Insgesamt wurden im Vorjahr 4 432 Tatverdächtige ermittelt, 3 359 davon sind Männer. 200 Tatverdächtige sind keine Deutschen. Die Jugendkriminalität ist leicht rückläufig. Insgesamt 1105 Tatverdächtige waren unter 21 Jahre alt, was einem Anteil von 24,9 Prozent entspricht. 231 waren Kinder bis zu 14 Jahren, 446 Jugendliche von 14 bis zu 18 Jahren und 428 zwischen 18 und 21 Jahre alt. Über 21 Jahre alt waren 3 327 Tatverdächtige. 2009 wurden insgesamt 221 Tatverdächtige mehr, also 4653 Personen, ermittelt.

Die Gewaltkriminalität verringerte sich von 401 erfassten Fällen im Jahr 2009 auf 298 im Vorjahr. Gestiegen ist die Rauschgiftkriminalität, und zwar um 109 Delikte auf 273 erfasste Taten im vergangenen Jahr. Diesen Anstieg werten die Polizeibeamten allerdings als positiv, denn diese Delikte können in der Regel nur mit ständigen Kontrollen aufgedeckt werden.