Seit 25 Jahren stehen die Mitwirkenden der Theatergruppe Erxleben auf den Brettern, die für sie die Welt bedeuten. Mit dem Jubiläumsstück "Cash - und ewig rauschen die Gelder" ist den Mimen eine gewollt-herzliche Persiflage auf das englische Sozialsystem gelungen.

Erxleben. Wenn ein (Hob-by-)Schauspieler wie Rüdiger Laaß fleht, dass das Publikum mit dem Applaus aufhören solle, um nach mehr als zweistündiger "Tortur" auf der Bühne erlöst zu werden, kann man getrost von einer gelungenen Theater-Premiere ausgehen.

Das Publikum im Saal "Zur Post" hatte keine andere Meinung. "Wir kommen jetzt seit sechs, sieben Jahren nach Erxleben. Und es ist immer wieder erfrischend zu erleben, was die Theatergruppe da auf der Bühne präsentiert", meint eine Flechtinger Familie nach der Premiere am Sonnabend.

Ein alter Hase unter den Theaterzuschauern ergänzt: "Das war noch mehr Komik als sonst, aber man muss schließlich davon ausgehen, dass es diese Art von Betrug im Sozialsystem immer wieder gibt."

Außer Komplimenten für die die gelungene Vorstellung von "Cash - und ewig rauschen die Gelder" aus der Feder des britischen Erfolgsautoren Michael Cooney gab es am Sonnabend keinerlei kritische Stimmen.

Außer vielleicht auf der Bühne selbst, denn dort wurde das englische Sozialsystem so richtig auf die Schippe genommen.

Eric Swan (Ulrich Wahrendorf), seit zwei Jahren arbeitslos, betrügt das Sozialsystem mit seinen Untermietern, um sich Geld vom Staat zu erschwindeln. Beim Versuch, aus dem hoffnungslos verworrenen Dilemma endlich wieder herauszukommen, wird es noch verworrener. Ehefrau Linda (Marina Wahrendorf) hat bereits Verdacht geschöpft, der geht jedoch in eine ganz andere, höchst kompromittierende Richtung, die von Dr. Chapman (Jürgen Wölkerling) diagnostiziert wird: Ihr Mann ist ein Transvestit.

Swans aktueller Untermieter Norman Bassett (Bodo Benzing) steckt plötzlich ungewollt mitten in einer Verwechslung erster Güte, als mit Mr. Jenkins (Rüdiger Laaß) ein Sozialamtsmitarbeiter zur Prüfung der Umstände für beantragte Mietzuschüsse ins Haus kommt und nicht abzuwimmeln ist. Als sich zu ihm auch noch Fürsorgerin Sally (Janine Gebert) und Bestatter Mr. Forbright (Andreas Wolff) gesellen, ist das Chaos vorprogrammiert.

Rüdiger Laaß glänzt gleich noch in einer zweiten Rolle, denn er springt für den krankheitsbedingt kurzfristig ausgefallenen Bernd Zumpe auch noch in der Rolle des Onkel George.

Zwar erst zum Ende, dafür aber nicht weniger wirkungsvoll haben Brenda (Ulrike Wahrendorf), Verlobte von Norman, und Sozialamts-Bereichsleiterin Miss Cowper (Ulrike Wahrendorf) ihre Paradeauftritte - mit einem für alle überraschendem Ende.

Zu tun hat auch Souffleuse Carolin Höding, die zwar nicht sichtbar, aber die ganze Zeit allgegenwärtig hinter der Bühne das Geschehen verfolgt, ebenso wie ein Fernsehteam des MDR.

Mehr soll aber nicht verraten werden. Schließlich gibt es noch zwölf ausverkaufte Vorstellungen. Und es saßen tatsächlich Zuschauer in der Premiere, die sich noch eine Vorstellung ansehen werden, die also das große Glück hatten, nach sieben Stunden Wartezeit gleich zweimal Karten zu ergattern, die alle in rund einer halben Stunde ausverkauft waren!

25 Jahre Theatergruppe Erxleben - das bedeutet für Theaterleiter Ulrich Wahrendorf und sein Ensemble: 27 Stücke, 223 Aufführungen, 35 Mitwirkende und rund 41 500 Zuschauer. Das bedeutet aber auch jede Menge Arbeit bei der Auswahl der Stücke, der Rollenverteilung, am Bühnenbild, beim Textlernen, dem Requisitenbau, an den technischen Effekten, beim Kartenverkauf ...

Warum also lässt das Theater die Erxleber seit 25 Jahren nicht los? Weil neben dem Lampenfieber vor allem jede Menge Spaß beim Proben, Spielen und Feiern dazugehören. Und weil es nichts Schöneres gibt, als die Zuschauer zum Lachen zu bringen und sie ein paar Stunden den Alltag vergessen zu lassen.

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