Das Team des Bülstringer Torturms ist am Sonnabend offiziell in seine diesjährige Saison gestartet. Ab sofort steht der Torturm an jedem Sonnabend und Sonntag ab 14 Uhr neugierigen Besuchern offen.

Haldensleben. Während sich die Thermometer-Quecksilbersäule unter freiem Himmel zaghaft über die Null-Grad-Grenze schiebt, herrschen im Bülstringer Torturm noch gefühlte Minusgrade. "Im Winter ist das hier ein richtiger Eispalast, überall glitzert es", erzählt Stadtführerin Corinna Leder. Deshalb finden im Winter auch keine Führungen durch das altehrwürdige Gemäuer statt. Lediglich von März bis November begrüßen Corinna Leder, Melanie Wilke und Remo Leder neugierige Gäste im Turm - an jedem Sonnabend und Sonntag um 14 Uhr, zum Altstadtfest und ähnlichem auch ganztägig.

Das Turmteam setzt damit die Arbeit von Haldenslebens "Turmfrau" Ruth Appel fort, die sich in der Vergangenheit um den Turm und dessen Besucher gekümmert hat. Sie hatte auch die AG Junge Historiker gegründet, doch deren Mitglieder hat es mittlerweile in alle Winde zerstreut - bis auf eine Ausnahme: Melanie Wilke ist Haldensleben und der mehr als 1000-jährigen Stadtgeschichte treu geblieben.

Gemeinsam mit Corinna Leder bringt sie Interessenten nicht nur die Historie des Bülstringer Torturm näher, sondern beide Frauen führen auch Besucher durch die Stadt. "Obwohl wir die Stadtführungen erst ab Mai anbieten, haben wir jetzt schon Anmeldungen von 14 Gruppen dafür", berichtet Corinna Leder stolz.

Und es sind große Reisegruppen mit bis zu 40 Personen. Da stoßen die Frauen durchaus an ihre Grenzen. "Zwei neue Stadtführer werden wahrscheinlich unser Team ergänzen, doch wir brauchen noch mehr Helfer", wirbt Leder um weitere Mitstreiter. "Sie müssen kein Instrument spielen können, das ist nicht nötig", unterstreicht die Stadtführerin. Denn mittlerweile ist es ihr Markenzeichen geworden, Stadtführungen musikalisch zu begleiten. "Das ist aber eine ganz persönliche Sache. Jeder braucht seinen Stil, um die Leute zu begeistern", erzählt die Flöte spielende Stadtführerin. "Aber ich bin nicht der Rattenfänger von Hameln", ergänzt sie.

Jeder, der Interesse hat, Besuchern der Stadt die Geschichte näher zu bringen, ist willkommen. "Wer mitmachen möchte, sollte an den Wochenenden und vormittags Zeit und vor allem Spaß am Erzählen haben", nennt Corinna Leder die einzigen Bedingungen. Kontakt zum Turmteam kann über die Stadt-Information Haldensleben, Telefon (0 39 04) 4 04 11, aufgenommen werden. Oder über die Internetseite. Dort können auch die Führungen gebucht werden. "Sollten sie noch nicht ausgebucht sein, kann jeder dazustoßen, der Lust hat", meint Corinna Leder.

Neben den musikalischen Stadtführungen hält das Turmteam aber noch eine andere besondere Führung bereit. "In der dunklen Jahreszeit bieten wir auf Wunsch auf Laternenführungen an. Sozusagen durch die dunklen Gassen von Haldensleben", erzählt Corinna Leder.

Während sie und Melanie Wilke sich vorrangig um den Torturm und die Stadtführungen kümmern, ist Remo Leder als Dritter im Bunde für die Uhr im Turm zuständig. Einmal in der Woche muss der "Uhrenmann" den Turm besteigen, um die Weule-Uhr aufzuziehen. "Die Haldensleber passen ganz genau auf, ob die Turmuhr funktioniert oder nicht", weiß Corinna Leder aus Erfahrung.

Der Uhrenbauer Friedrich Weule hat die Turmuhr erfunden, die nur einmal in der Woche aufgezogen werden muss. Ein solches Exemplar befindet sich im Bülstringer Torturm - und das wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Das möchte das Turmteam zur "Hupe" beim diesjährigen Jacobimarkt am 16. und 17. April mit einem Uhrenfest feiern. "Wir rufen alle Haldensleber auf, uns dazu ihre alten Uhren zu bringen. Am liebsten sind uns Taschen- und Armbanduhren, denn sie sollen ihren neuen Platz im Torturm finden, damit die Geburtstagsuhr nicht so alleine ist", hofft das Turmteam auf zahlreiche Exemplare.

www.torturmhaldensleben.de