Die Tradition des Wurstsingens gibt es in Etingen schon seit 1924. Junge Männer des Drömlingsortes verwandeln sich immer am Sonntag vor Rosenmontag in gruselige Gestalten. Um sich Respekt zu verschaffen, lässt der Anführer der finsteren Gestalten, der Schlachter, seine Peitsche knallen und Rasseln erklingen.

Etingen. Seit 87 Jahren gibt es in Etingen das Wurstsingen. Die Tradition ist reine Männersache. Dem Brauch nach soll mit Tanz und volkstümlichem Gesang lautstark der Winter vertrieben werden. In diesem Jahr gibt es einen Generationswechsel. Einige Neueinsteiger müssen vom harten Sängerkern erst angelernt werden. Zwei Läufer werden vorgeschickt. Diese erledigen aber ihren Job - die Ankündigung des Sängervolkes - noch nicht zur Zufriedenheit des Schlachters. Die Etinger können den Sonntagsbesuch meist kaum erwarten. Sie rücken - wie schon in den Jahren zuvor - freiwillig Speisen und Getränke wie Wurst, Eier und Schnaps heraus. Wer nicht zu Hause ist, hat zuvor meist blind links alles, was die Herzen der jungen Männer begehren, bereitgestellt. Glück gehabt, denn wer nichts gibt, steht im Dorf als Geizhals da. Wie eine Trophäe werden Würste an einem mitgebrachten langen Stock befestigt.

"Es läuft alles nach Plan, aber wir haben einige zu lange Pausen gemacht", gesteht der Schlachter mit gruseligem Gesicht. "Quatsch, der Schlachter hat in diesem Jahr nicht alles unter Kontrolle. Es liegt wohl am Alkohol", feixen seine Begleiter. "Wir haben schon einiges an Köstlichkeiten zusammen", verkünden die Auserwählten. "Hier legen wir eine Pause ein", beschließen die Wurstsänger, als Andy Evers seinen Straßenkreuzer aus der Garage fährt, damit alle einen Platz finden.

Dann ziehen sie ihren Handwagen, der mit hausgeschlachteten Würsten sowie Schnaps und Eiern gefüllt ist, weiter. "Sogar eine Büchse Thunfisch ist dabei", ruft einer Sänger.

"Die Schweineblasen haben wir aufgepustet und getrocknet", beschreiben die gruseligen Gestalten. Eindrucksvoll führen sie vor, wie sie die Blasen auf den Rücken derer tanzen lassen, die nichts für die Sänger übrig haben. Nach dem Spektakel beginnen die Sänger, ihre fette Beute zu verspeisen. Und weil der Festschmaus nicht zu schaffen ist, wird am Rosenmontag weitergefeiert.