Was passiert, wenn der Naturpark Drömling zum Biosphärenreservat ausgewiesen wird? Und welche Konsequenzen hat das für die Landwirte im Drömling? Welche Fördermittel könnten beantragt werden? Diese und andere Fragen standen beim Besuch des Landwirtschaftsministers Dr. Hermann Onko Aeikens zur Diskussion.

Von Anett Roisch

Rätzlingen. Zu einer Diskussionsrunde begrüßte am Mittwochnachmittag Rätzlingens Ortsbürgermeister Wilhelm Behrens den Minister für Landwirtschaft Dr. Hermann Onko Aeikens (CDU), die Landtagsabgeordnete Rita Mittendorf (SPD) und den Landtagsabgeordneten Ralf Geisthardt (CDU) sowie Landwirte der Drömlingsregion.

Die wohl spannendste Frage für die Bauern in der Runde war, was ändert sich für uns, wenn aus dem Naturpark Drömling ein Biosphärenreservat wird? Aeikens berichtete, dass er gerade eine Dauerausstellung in Arneburg im Biosphärenreservat Mittlere Elbe eingeweiht hat. "Aus der Erfahrung heraus weiß ich, dass wir mit einem Biosphärenreservat die Chance haben, eine Region so zu entwickeln, dass Natur und Wirtschaft in Harmonie miteinander leben können", beschrieb der Landwirtschaftsminister und ergänzte: "Hier, im Naturpark Drömling sind die Kriterien für ein Biosphärenreservat schon weitgehend erfüllt. So ein Reservat mit internationaler Anerkennung lockt immer mehr Touristen in die Region."

Aeikens erinnerte an die Drömlingskonferenzen, die seine Vorgängerin Petra Wernicke ins Leben gerufen hatte. "Ich habe den Eindruck, dass wir es bisher bei allen Problemen, die es gibt, geschafft haben, gut miteinander zu kommunizieren. Wir wollen Landwirtschaft und Naturentwicklung in Harmonie gestalten. Über Konfliktpunkte muss man reden. Demnächst wird wieder eine Drömlingskonferenz einberufen."

"EU-Förderung, denn ohne Moos nix los, Herr Minister"

"Wenn man das Biosphärenreservat einrichtet, dann kann man ja nur hoffen, dass EU-Fördermittel fließen - ohne Moos nix los, Herr Minister", betonte Landwirt Eckhard Gifhorn aus Rätzlingen. Außerdem wollte Gifhorn wissen, wie weit das Biosphärenreservat geht: "Sind die Grenzen nun endgültig abgesteckt? Und muss der ganze Drömling wieder vernässt werden?"

Hagen Müller, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes "Obere Ohre", berichtete: "Ein großes Problem, was wir haben, ist die Naturschutzverordnung, die noch aus DDR-Zeiten stammt. Dort sind Regelungen drin, die uns stark behindern. Sämtliche Gewässerunterhaltungen müssen im Einvernehmen mit den Naturschutzbehörden durchgeführt werden. Alles ist genehmigungspflichtig. Herr Minister, es wäre für uns unheimlich wichtig, dass man diese alte Verordnung einmal entrümpelt. Alle notwendigen Maßnahmen müssten ohne großen Verwaltungsaufwand zu machen sein."

Außerdem beschrieb Müller den schlechten Zustand von Leitungen, die über 40 Jahre alt sind. Er schilderte einige finanzielle Probleme des Verbandes. Der Minister war zuversichtlich, dass diese alten Verordnungen demnächst auf den neuesten Stand gebracht werden. "Ich werde mich dafür stark machen, dass wir für investive Dinge in der Gewässerunterhaltung, die langfristig wirken, das Säckel noch einmal wieder aufmachen."

Geisthardt erzählte vom Landwirt Jürgen Germer in Piplockenburg, der sich Wasserbüffel zugelegt hat, weil seine Wiesen so nass geworden sind, dass er andere Tiere dort nicht mehr halten kann. "Das ist eigentlich auch eine Touristenattraktion, aber Germer hatte sich seine Landwirtschaft ursprünglich anders vorgestellt."

Peter Schorlemmer, Wirtschaftsförderer bei der Stadt Oebisfelde-Weferlingen, hatte gleich drei Fragen. "Wie sieht die Förderung von Biogasanlagen aus? Wie steht man zu den Photovoltaikanlagen? Und was wird künftig aus dem geförderten Ländlichen Wegebau?"

Aeikens gestand: "Biogas ist ein Thema - das gleitet uns aus den Händen. Die Förderbestimmungen sollen demnächst überarbeitet werden. Mit der Zielsetzung: Biogas-Anlagen grundsätzlich ja, aber in Verbindung primär mit der Viehhaltung, mit Wärmekonzept und zur Verwertung von Reststoffen."

Bei den Photovoltaikanlagen sei nach Auskunft von Aeikens die Industrie an die Politik herangetreten. Die Industrie meint, dass das Land weniger fördern soll, weil es gar nicht mehr davon profitieren würde, sondern vorwiegend die ausländischen Firmen.

"Die Förderung des Ländlichen Wegebaus wird fortgesetzt. Es sollen multifunktionale Wege sein, die auch für den Radfahrtourismus genutzt werden."