Dank freundschaftlicher Kontakte zwischen Calvördes Pfarrer Andreas Knauf und dem Kabarettisten Frank Hengstmann kommen die Besucher des Calvörder Gotteshauses einmal im Jahr in den Genuss einer Kabarett-Sondervorstellung. Mit dem Programm "Schuld und Söhne" traf Vater Hengstmann nicht nur den Nerv des Pfarrers, der selbst drei Söhne großgezogen hat, sondern die Hengstmänner strapazierten auch die Lachmuskeln des Publikums.

Calvörde. Die drei Hengstmänner, Vater Frank und die Söhne Sebastian und Tobias, haben in Calvörde ihr Stammpublikum. Beim aktuellen Programm steht die Schuld des Vaters im Mittelpunkt. Die erste Schuld sei diejenige, die ein Vater gegenüber seinen Söhnen haben kann, weil er zuließ, dass seine Sprösslinge im Osten geboren wurden. Die andere Schuld des Vaters wäre diejenige, es zuzulassen, dass beide Söhne auch Kabarettisten geworden sind. Vater und Söhne setzen nämlich die Familientradition fort, die einst Großvater Erich Hengstmann begründete.

Kistenweise stehen nun vor dem Altar Erinnerungsstücke, die Vater Hengstmann entrümpelt. Er erinnert sich bei seinem Gastspiel in Calvörde, dass sein Parteisekretär auch Carl Vörde hieß. Er jagt erste Manuskripte durch den Reißwolf und betrinkt sich. "Atme mich nicht an", sagt einer der Söhne. Vater Hengstmann dreht sich um und haucht seinen Freund Pfarrer Knauf die Alkoholfahne entgegen: "Nein, der da sitzt, der hat Geist genug."

Jetzt hängen auch noch zwei Fahndungsplakate an den Wänden. Die Söhne sind auf den Bildern mit finsterer Verbrechermiene deutlich zu erkennen. Die jungen Hengstmänner werden von allerhöchster Stelle gesucht, weil sie mit ihren Äußerungen hochgestellten Personen zu heftig und andauernd auf den Schlips getreten sind. Dies gefährde die demokratische Ordnung, heißt es bei den Fahndungsermittlungen, die die jungen Männer als Sprecher in den Nachrichten verkünden.

Vor dem Untersuchungsausschuss muss der Vater sich für die Entgleisungen seiner Söhne rechtfertigen: "Ja, sie sind in meine Fußstapfen getreten. Ich habe sie nicht gezwungen. Sie sind da von ganz alleine drauf gekommen", beteuert der Erzeuger. Hengstmann versucht, seine Söhne in eine andere Richtung zu lenken. Er droht mit väterlichen Erziehungsmitteln, wie Fernsehverbot und dem Entzug von Taschengeld. Mit Schrecken stellt der Vater fest, dass er bald selbst der Taschengeldempfänger seiner Söhne sein wird.

"Was ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten?", fragt der Beschuldigte. Und die Bundeskanzlerin antwort: "Die Gerade natürlich." Hengstmann weiß: "Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist immer die krumme Tour! Und wenn dann auch noch Söhne, die gereift, dich dann fragen, warum man sich krumm gemacht hat, hat man eben zwei Probleme: Schuld und Söhne!"

Der Vater startet den Versuch, die musikalischen Söhne in die Szene der völlig ungefährlichen Volksmusikanten unterzubringen. Aber der Gebirgsfrohsinn scheint gleich null zu sein, sodass sie nur als Doubles des "Napalm-Duos", das beim Kampfeinsatz in Afghanistan die Gegner verjagt, wirken.

Die Hengstmänner spielen mit allen Charakteren, die schon in früheren Programmen entwickelt wurden. Diese alten Bekannten werden mit tosenden Beifall begrüßt. Tobias Hengstmann verwandelt sich in den alten Knacker Franz Brandwein, der mit seinem Stock erbarmungslos auf die dioxinverseuchten Weichteile seines Mitspielers haut.

Sebastian spielt Malte, der mittlerweile im 36. Semester studiert. Und natürlich dürfen auch der Magdeburger Manni Fest (Frank Hengstmann) und Sohn Matze (Tobias Hengstmann), die mit ihren Blechbrötchen am Kiosk stehen, nicht fehlen. Die "Schuld" des Vaters an den Söhnen erweist sich am Ende als Freude über eine Familie, die vom Publikum mit lang anhaltenden Applaus gefeiert wird.