Ein neues kulturelles Zentrum für Flechtingen ist am Sportplatz entstanden. Das Haus der Jugend und Vereine konnte am Freitag seiner Bestimmung übergeben werden. Künftig finden hier nicht nur Flechtinger Vereine und die Jugend ein neues Domizil, sondern auch Radtouristen, die im Luftkurort übernachten möchten.

Flechtingen. Vor zwei Jahren stand die Bewilligung einer Fördermaßnahme zum Neubau eines kulturellen und touristischen Zentrums für Flechtingen am Anfang. Der damalige Gemeinderat hatte sich mehrheitlich dazu bekannt, den Vereinen im Ort und der Jugend eine neue Heimstatt zu errichten. Anfängliche Skepsis angesichts des bereits vorhandenen Kurhauses wich der Einsicht, dass Kultur und Tourismus eine neue Chance vor Ort haben sollen.

Am Freitagabend konnte das Haus der Jugend und Vereine seiner Bestimmung übergeben werden. Dass sich ganz besonders auch die Jugend über ihren neuen Klub freut, zeigten die jungen Leute mit einem eigenen Programm. Sie sangen vor den geladenen Gästen, obwohl "sie kein Chor sind", wie Bürgermeister Dr. Dieter Schwarz beeindruckt von der Vorstellung sagte.

Er konnte zur Einweihung zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft in den neuen Räumen begrüßen. Und auch wenn gleich zu Beginn die Schließanlage des Jugendklubs einige Probleme bereitete, weil sie einfach nicht aufgehen wollte, klappte es schließlich doch noch.

Der Bürgermeister bedankte sich bei allen, die den Bau begleitet hatten, insbesondere aber bei Ursula Genz vom Bauamt der Verbandsgemeinde Flechtingen, die trotz aller Schwierigkeiten nie aufsteckte. Auch den anderen Mitarbeitern der Verwaltung sagte er ebenso wie den zahlreichen Baubetrieben Dank. "Gestern war hier alles noch kopflos", verriet Dieter Schwarz. Doch dank Kerstin Seifert gelang das unmöglich Scheinende. Als neue Hausdame im Haus der Jugend und Vereine behielt sie einen kühlen Kopf und koordinierte die Arbeiten.

Sie war es schließlich auch, die vom Bürgermeister den symbolischen Schlüssel für das Objekt überreicht bekam, nachdem dieser den Schlüssel zuvor von Architekt Volker Seidl erhalten hatte.

"Gestern war hier alles noch kopflos"

Anne Klumpe berichtete stellvertretend für die Kinder und Jugendlichen von den schwierigen Bedingungen, unter denen die Flechtinger Jugend in den vergangenen Jahren von einem Treffpunkt zum nächsten gereicht worden waren. Im Jahr 2004 wurde für sie ein Container auf dem Gelände der Sekundarschule errichtet. Der musste jedoch fünf Jahre später dem Neubau der Kindertagesstätte weichen. Der Jugend wurde der Hausmeisterraum in der Sporthalle zur Verfügung gestellt, der lediglich 15 Kindern und Jugendlichen Platz bot.

Jugendbetreuerin Dorothea Tiedge berichtete von den Kreativangeboten im Klub, von Projektarbeit, Hausaufgabenerledigung, Sportangeboten und Ausflügen wie ins Kino. Zwischen zehn und 20 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 20 Jahren besuchen den Klub täglich.

Und der Neubau für die Jugend kann sich sehen lassen. Helle, farbenfrohe Räume mit offenem Bereich und großen Fenstern, eine Küchenzeile und Sanitärräume sind mit einem separaten Zugang am Haus der Jugend und Vereine zu nutzen. "Vor allem, dass wir eine richtig tolle Toilette haben, ist super", erzählte Anne Klumpe. Daran hätte es in der Vergangenheit immer gemangelt. "Die Jugend weiß, dass sie ihre Toiletten selbst reinigen müssen - für sie ist das kein Problem", sagte Kora Duberow von der Abteilung Kur und Tourismus der Gemeinde Flechtingen und berichtete, dass die jungen Leute in den vergangenen Tagen gemeinsam Geschirr gespült und in die Schränke eingeräumt hatten.

Die Freude über die gute Nachricht des Abends stand Flechtingens Bürgermeister Dr. Dieter Schwarz ins Gesicht geschrieben: Zur Einweihung nämlich konnte ihm Beate Prange vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Mitte einen geänderten Förderscheck überreichen, dessen Summe sich somit auf 1 653 384 Euro erhöhte.

Der Neubau konnte wegen Komplokationen nicht nur mit Verzögerung übergeben werden, sondern wurde dadurch auch teurer als ursprünglich vorgesehen.

Beate Prange zeigte sich positiv überrascht. "Mein erster Eindruck war, wow, hier wurde alles so gebaut, wie es eingereicht wurde", sagte sie vor den Gästen. Das sei keinesfalls überall der Fall. Dass es im Land nur wenige Maßnahmen dieser Art gegeben habe, die über das Zukunfts-Investitionsgesetz gefördert werden konnten, hänge vor allem mit der Bereitstellung der Eigenmittel zusammen.

Neben einem großen Veranstaltungsraum mit Bühne, auf der neben dem Jugendklub auch die "Tanzbärchen" der Grundschule Flechtingen unter Leitung von Grit Kiefer zur Einweihung tanzten, gibt es noch barrierefreie Fremdenzimmer mit ein bis vier Betten.

Aus dem großen Veranstaltungssaal können mittels Schiebewänden auch drei kleinere werden. "Damit können wir Vereinen wie dem Forstchor oder den Seniorentänzern künftig ein neues, unentgeltliches Domizil zur Verfügung stellen", sagte Bürgermeister Dieter Schwarz. Wobei die Nutzung nicht ganz kostenlos sein wird, denn ein Betriebskostenanteil hat jeder Verein zu erbringen.

Glückwünsche zur Einweihung übermittelten neben Joachim Hoeft, der in Vertretung von Landrat Thomas Webel gekommen war, auch Irene Mihlan, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Elbe-Börde- Heide, die "kein Geld, wohl aber Radtouristen nach Flechtingen bringen kann", wie sie in ihrem Grußwort betonte. Schriftliche Glückwünsche zur Einweihung gab es von der Gemeinde Bülstringen.

 

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