Einstimmig hat der Umwelt- und Wirtschaftsausschuss der Stellungnahme des Kreises zur A14-Nordverlängerung im Abschnitt Dahlenwarsleben-Colbitz zugestimmt. Noch bis 1. Mai hat die Verwaltung Zeit, ihre Bedenken zu den Plänen zu äußern und Forderungen zu stellen. Dabei geht es hauptsächlich um Tunnelbau statt Brücke über den Mittellandkanal und mehr Lärmschutz.

Landkreis Börde. Die Landesplaner hatten für die umstrittene Trasse sechs Linienvarianten untersucht, darunter mehrere Brücken- und Tunnellösungen. "Als günstigste Variante wird vom Land die Drei-Feld-Brücke über den Mittellandkanal und der Weiterbau der Trasse zu großen Teilen als Hochstraße favorisiert. Bei der Prüfung der umfangreichen Planungsunterlagen konnten wir die Gründe, die dafür sprechen, allerdings nicht nachvollziehen", sagte Petra Naumann, die zusammen mit Marion Scharf vom Kreisplanungsamt am Montag in der Sitzung des Umwelt- und Wirtschaftsausschusses den Standpunkt der Verwaltung vorstellte.

"Eindruck, Brücke ist die einfachste Möglichkeit"

Es sei schwer, die verschiedenen Varianten zu vergleichen und es fehle "der rote Faden, der zum Ergebnis führt". Deshalb sei die Entscheidung für den Brückenbau nicht schlüssig und schon deshalb anzuzweifeln.

"Unser Eindruck ist, dass die Brücke als einfachste Möglichkeit gewählt wurde und die Belange der Menschen nicht im Vordergrund standen", findet die Planerin sehr deutliche Worte. In der Stellungnahme des Kreises werde deshalb erneut mit Nachdruck der Bau eines Tunnels gefordert, außerdem deutliche Nachbesserungen beim Lärmschutz. Das Stück Autobahn, für das jetzt das Planfeststellungsverfahren begonnen hat und betroffene Bürger bis 15. April Einspruch erheben konnten, ist nach Ansicht der Verwaltung der konfliktreichste Abschnitt. Umso bedauerlicher sei es, dass die Planungsunterlagen "nicht nur für die Bürger teilweise schwer verständlich" seien, wie Marion Scharf sagte.

Berücksichtigt wurden bei der kreislichen Stellungnahme auch die Einwände und Vorschläge der betroffenen Gemeinden sowie die privaten Einsprüche, soweit bekannt.

Für die elf Kilometer neue Straße bis Colbitz werden etwa 188 Hektar größtenteils guter Bördeboden benötigt und sensible Naturschutzgebiete tangiert. Insgesamt sind in dem Bereich 16 Brückenbauwerke über Bahnanlagen, Straßen, Wege, Bäche und die Ohre sowie Abfahrten zur Anbindung der Städte Haldensleben und Wolmirstedt und zwischen Samswegen und Mose ein Autobahnrastplatz geplant.

Obwohl bei der ersten Vorstellung des Vorhabens vor sechs Jahren durch Kreistag sowie Gemeinden Beschlüsse gegen den Bau einer Brücke über den Mittellandkanal gefasst wurden, soll nun doch in der ehemaligen Fassung gebaut werden. Besonders aufgebracht reagierten darauf Bürger in Samswegen, wo die Straße bis 175 Meter an den Ort heranreichen würde (Volksstimme berichtete).

Darauf bezog sich Ausschussmitglied Wolfgang Zahn (SPD). "Wir müssen unbedingt ausreichenden Lärmschutz auf eine Länge von 400 bis 500 Meter einfordern. Das ist ja wohl das Wenigste, was man für die Menschen, die dort leben, tun sollte." Er habe allerdings so ein Bauchgefühl, dass die Brücke nicht mehr zu verhindern sei. Für den Fall solle schon mal über "Plan B" nachgedacht werden. "Für die Abfahrt Haldensleben sind Überlegungen anzustellen, ob nicht statt der zwei Brücken über den Kanal eine ausreicht und damit Kosten in Millionenhöhe gespart werden könnten." Dem widersprach Ausschussvorsitzender Manfred Behrens (CDU) vehement. "Wir sollten gar nicht erst einen Zweifel an unserer Forderung nach dem Tunnelbau aufkommen lassen."

"Man bekommt Werte und Zahlen um die Ohren gehauen"

Zumal, wie Albrecht von Bodenhausen (CDU) anmerkt, man den Eindruck habe, dass die Brückenvariante von Beginn an vom Land feststand. Ralf Ganzer (FDP) erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass es seinerzeit beim Bau der Umgehungsstraße Barleben-Wolmirstedt auch heftige Kritik zum Bau einer Brücke über den Kanal bei Elbeu gab. "Damals ist man aber sehr schnell auf die Forderungen der Bürger eingegangen und hat den Tunnel gebaut. Wieso eigentlich diesmal nicht?", wundert sich der Lindhorster laut. Zudem kritisiert er, dass man kaum eine Chance habe, die Gutachten hinsichtlich Lärmschutz zu widerlegen. "Da bekommt man Werte und Zahlen um die Ohren gehauen, ohne die Möglichkeit zu haben, die auf Richtigkeit zu prüfen."

Die 45 Seiten starke Stellungnahme des Landkreises wurde vom Umwelt- und Wirtschaftsausschuss einstimmig bestätigt. Erforderlich ist noch ein Beschluss des Kreistages.

"Dazu haben wir Bedenken angemeldet"

Anschließend informierte Jörg Brämer vom Umweltamt des Kreises über den naturschutzfachlichen Planungsauftrag zur A14-Nordverlängerung. Immerhin sind zum Beispiel mit der Ohreniederung ein europäisches Schutzgebiet betroffen. Brämer bedauert, dass die geplanten Ersatzmaßnahmen für den Abschnitt von Dahlenwarsleben bis Colbitz nicht in unmittelbarer Nähe, sondern für die Wiedervernässung des Feuchtwaldgebietes Süpplings bei Weißewarthe in der Altmark vorgesehen sind. "Dazu haben wir Bedenken angemeldet."

Großen Raum bei seinen weiteren Ausführungen nahm dann die Aufzählung von Artenschutzmaßnahmen ein. Brämers Anmerkung, dass die Brücke über die Ohre einen Kollisionsschutz für Fledermäuse in Form einer 3,50 Meter hohen Wand bekommt und die auch als Lärmschutz für Menschen nützlich sein könnte, wurde teilweise mit Kopfschütteln oder ungläubigem Staunen quittiert. Albrecht von Bodenhausen: "Könnten die nicht auch dort fliegen, wo die Lärmschutzwände für die Menschen fehlen?"

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