Windräder und erneuerbare Energien werden die Hohe Börde in den kommenden Wochen wohl stärker beschäftigen als bisher. Das lassen jüngste Äußerungen in den politischen Gremien der Gemeinde vermuten.

Von Maik Schulz

Irxleben/Hohe Börde. In der Sitzung des Finanzausschusses am Dienstag hinterfragte der Gemeinderat Ernst Daenecke den Stand der von der Verwaltung zu überarbeitenden Übersicht über Erlösanteile und Steuereinnahmen aus den verschiedenen Windparks der Hohen Börde. Die Übersicht ist nötig, weil der Bau der derzeit 94 Windkraftanlagen im Gemeindegebiet auf der Grundlage der verschiedensten Verträge zwischen den damals noch selbständigen Gemeinden der Hohen Börde (heute Ortschaften) und den Windkraftbetreibern realisiert wurde. Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel erklärte, die Verwaltung arbeite diesbezüglich an der Analyse der Verträge. Die Ergebnisse werden Steffi Trittel zufolge dem Bauausschuss wie auch dem neu gebildeten Wirtschaftsausschuss vorgelegt. Eine abschließende Bewertung soll auf einem "Windgipfel" der Gemeinde vorgenommen werden.

Dabei dürfte auch ein Vorstoß des Bauausschussvorsitzenden Peter Nellen zur Sprache kommen. Nellen hatte in der vergangenen Woche im Gemeinderat Hohe Börde angeregt, die bisherigen - meist ablehnenden - Beschlüsse zu beantragten Erweiterungen und Neuansiedlungen von Windparks zu überdenken.

So hatten Pläne für neue Windräder in Hermsdorf keine Mehrheit im Gemeinderat gefunden. Das wiederum hatte Hermsdorfs Ortsbürgermeister Dieter Dähnhardt auf die Palme gebracht (Volksstimme berichtete).

Angesichts der Ereignisse von Fukushima sei Nellen eigenen Angaben zufolge zum Nachdenken gekommen. "Die politische Richtung in Deutschland geht ja wohl eindeutig weg von der Atomenergie. Auch im Bewusstsein der Bevölkerung hat sich viel geändert", erklärte Nellen gestern gegenüber der Volksstimme und ergänzte: "Ich bin kein Experte, was die baurechtlichen Details für Windkraftanlagen anbetrifft. Aber meines Wissens und meiner Einschätzung nach wären in der Hohen Börde zwei Möglichkeiten denkbar. Erstens: Die vorhandenen Windkraftanlagen können durch leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden. Die sollen zwar größer sein, aber würden wohl nicht das Gesamtbild in der Landschaft gravierend verändern. Andererseits könnten die vorhandenen Windkraftgebiete besser ausgelastet oder geringfügig erweitert werden. Das müsste einmal untersucht werden. Wenn wir schlauer sind, könnten wir konkret etwas in Sachen neuer oder anderer Windkraftanlagen in die Wege leiten. Mein Vorschlag soll ein Denkanstoß sein, etwas zu untersuchen, was in zumutbaren Rahmen gut für die Gemeinde ist und dem mehrheitlichen Willen der Bevölkerung entspricht."