Wenn Reinhard Schulz aus seinem Bürofenster schaut, blickt er auf eine endlose Schlange von Autos. Seit Wochen erlebt der Geschäftsführer der Abfallentsorgungsgesellschaft "Untere Ohre" in Elbeu einen enormen Ansturm von Kleinanlieferern. Teilweise fertigen seine Mitarbeiter bis zu 100 Pkw pro Stunde ab. Schulz konnte dadurch nicht nur vier Mitarbeiter von 400-Euro-Jobs in Vollzeitbeschäftigung bringen, sondern denkt auch über eine Erweiterung des Betriebsgeländes nach.

Elbeu. Alte Pflastersteine, Grünschnitt, ein kaputter Kühlschrank und eine komplette Schrankwand - was die Autos, die bei der Abfallentsorgung Schlange stehen, dort abgeben wollen, deckt die ganze Bandbreite von Müll ab. Und davon gibt es im alten Ohrekreis scheinbar eine ganze Menge.

"Seit mehreren Wochen haben wir eine enorme Zunahme bei der Zahl der Kleinanlieferer", freut sich Reinhard Schulz. "An den vier Tagen vor Ostern haben wir 1 300 Pkws abgefertigt. Gestern hatten wir einen Rekordtag, es kamen 378 Kleinanlieferer", nennt der Geschäftsführer der Abfallentsorgungsgesellschaft "Untere Ohre" Zahlen, die sich nicht nur positiv in der Bilanz des Unternehmens auswirken, sondern auch auf dessen Stellenplan.

"Wir haben 45 Beschäftigte in Haldensleben und Wolmirstedt, davon sechs auf 400-Euro-Basis. Die durften bisher 20 Wochenstunden arbeiten, aber nach der gesetzlichen Neuregelung nur noch zehneinhalb", erklärt Schulz. "Das reicht aber bei dem Ansturm nicht, weswegen ich vier der Arbeiter zum 1. Juni als Vollzeitbeschäftigte übernehme." Überhaupt findet der Geschäftsführer nur lobende Worte für seine Angestellten. Die würden nicht nur die aktuelle Arbeitsbelastung vorbildlich meistern. "Sie haben auch den harten Winter gut überstanden. Das ging vor allem auch wegen der tollen Zusammenarbeit mit der Bevölkerung", blickt Schulz zurück.

Schließlich kümmert sich die Abfallentsorgungsgesellschaft "Untere Ohre" nicht nur um die Kleinanlieferer, sondern auch um die Entsorgung von Bio- und Rest- sowie Sperrmüll. "In Hüsig, einem Ort bei Bebertal, haben wir im Winter etwas Tolles erlebt. Da stehen nur drei oder vier Häuser, die wir zur Entsorgung anfahren", erinnert sich der Wolmirstedter. "Die Straße war zwar von Schnee geräumt, aber durch die Last der Flocken in den Bäumen hingen die Äste einmal so tief, dass wir nicht durchkamen. Da haben die Anwohner selbst mit einem Radlader die Tonnen an die nächste Hauptstraße gebracht und nach der Leerung von dort wieder abgeholt", nennt Schulz eine der positiven Erfahrungen, die seine Männer auf ihren Touren machen.

So viel Verständnis für die Abfallentsorger wünscht sich deren Chef auch auf dem Gelände in Elbeu. Denn nicht immer würden die Kleinanlieferer die Anweisungen der Angestellten befolgen, obwohl darum auf mehreren Hinweisschildern gebeten wird. "Gerade bei dem aktuellen Verkehrsaufkommen, wo die vielen Autos und unsere großen Containerfahrzeuge hier aufeinander- treffen, sind Verständnis und Rücksichtnahme wichtig", appelliert Schulz an die Kunden.

Dass die weniger werden, ist nicht zu befürchten. "So einen Boom wie in diesem Jahr hatten wir im Frühling noch nie", kann der Geschäftsführer den Zustrom kaum fassen. Nachdem man in Haldensleben auf der ehemaligen Deponie auch eine Kleinanlieferstation eröffnete, sei man davon ausgegangen, dass weniger Menschen nach Elbeu kommen.Doch das Gegenteil war der Fall. Das Einzugsgebiet würde zwar schon bis über Dolle hinaus reichen, "dazu kommen jetzt aber auch Magdeburger Kunden, die am Jersleber oder Barleber See einen Bungalow haben und ihre Abfälle bei uns abgeben".

Kein Wunder, dass Reinhard Schulz über eine Erweiterung des Betriebsgeländes am Mittellandkanal nachdenkt. Entsprechende Pläne will er sobald wie möglich mit der Gesellschafterversammlung abstimmen. Das Nachbargrundstück, das sich dafür anbieten würde, hätte man sowieso schon lange im Besitz.