Richtig eng wurde es gestern auf dem Hof des Barockschlosses in Hundisburg, als aus vier Ecken des Landkreises Börde Radler zum Ziel der Aller-Elbe-Spritztour strebten. 276 Radfahrer fuhren gemeinsam auf den Touren der Sternfahrt, aber sehr viel mehr radelten individuell nach Hundisburg zum großen Familien-Fahrrad-Fest.

Landkreis Börde. "Heut ist so ein schöner Tag..." schallte es von der radio-SAW-Bühne. Mit dieser Vorstellung der "Tanzbärchen" aus der Grundschule Flechtingen schienen sie zugleich das Motto des Tages zu verkünden. Bei schönstem Wetter trafen sich Leute aus dem gesamten Landkreis Börde zu einem Fest, das Wünsche von Jung und Alt erfüllte.

Etwa 50 Radfahrer machten sich von der Wolmirstedter Schlossdomäne aus auf den Weg zum großen Fahrradfest nach Hundisburg. Die Sonne lachte vom wolkenlosen Himmel, doch es blies ein kräftiger Wind. Mitleid wollten die Radler für diese Naturlaune nicht. "Nein, der Wind macht uns nichts aus", betont Wolfgang Schramm vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), "wir fahren bei jedem Wetter." Schramm war der Tourenleiter und führte den Tross die etwa 45 Kilometer lange Strecke über Samswegen, Groß Ammensleben und Vahldorf bis Hundisburg. "Wir werden in einer Geschwindigkeit fahren, bei der jeder mithalten kann", versprach er. Bevor sich alle auf ihre Sattel schwangen, war jedoch erst noch ein Gang zur Ohre fällig.

"Wir hatten Rückenwind, das ist optimal"

Einem Brauch dieser Touren folgend, schöpfte Wolfgang Schramm mit einem tönernen Krug Wasser aus dem Fluss und goss es in eine Plastikflasche. "Wenn am Zielpunkt in Hundisburg ein Baum gepflanzt wird, gießen wir ihn mit Ohrewasser", erklärte er. Heidekönigin Josephine I stand den Pedalrittern am Start im erikafarbenen Kleid zur Seite, auch in Haldensleben bei einem kurzen Stopp auf dem Marktplatz war die Majestät zur Stelle. Mit 82 Radlern kam der Tross schließlich in Hundisburg an. "Wir hatten Rückenwind, das ist optimal", freute sich der Barleber Reiner Graeveling von den Radsportlern von Kali Wolmirstedt. Auch die elfjährige Isabell Steinke aus Wolmirstedt hielt die Strecke gut durch.

Von Wolmirstedt aus starteten übrigens nicht nur Wolmirstedter, es waren sogar Radfahrer aus Magdeburg, Haldensleben und Hundisburg gekommen, um die Strecke zur großen SAW-Party zusammen mit dem ADFC zu fahren. Sie alle wussten, unterwegs ist für eine Rast gesorgt. "In Groß Ammensleben und in Haldensleben sind Pausen geplant", verriet Wolfgang Schramm.

Auch auf der Tour von Weferlingen, die über 45 Kilometer führte, gab es zwei Zwischenstopps zum Kräftetanken. Auf dieser Tour wurde die Gruppe der Radler ebenfalls immer größer. Selbst Haldensleber waren den Radlern entgegengefahren, um dann mit nach Hundisburg zu fahren. Mit 88 Radlern meldete die Allertour ihre Ankunft. Sie brachten Wasser aus der Aller mit.

Markgraf Georg Friedrich Karl von Kulmbach-Bayreuth - im heutigen Leben Gerald Wolters, der Vorsitzende des Bürgervereins Weferlingen - schöpfte das Wasser am Fuße der Kirche, für die er und seine Familie vor etwa 300 Jahren den Grundstein gelegt hatten. Der jüngste Bruder, der Markgraf Friedrich Christian - verkörpert von Lutz-Otto Westphal, der auch die ganze Tour mitradelte - hatte sich ein barockes Mausoleum an der Kirche bauen lassen. "Ich hoffe, dass die Elsbeere, die in Hundisburg mit dem Wasser angegossen werden soll, genau so gut gedeihen wird wie einst unsere Kirche", erklärte der Markgraf.

Am weitesten hatten es die Radler von Oschersleben. 53 Kilometer mussten sie zurücklegen. Mit 30 Personen war die Gruppe daher auch etwas kleiner, viele hatten für einen Teil der Strecke wohl das Auto vorgezogen. Die Oschersleber Freizeitradler hatten Bodewasser im Gepäck, das Bördekönigin Sylvia überreichte, die auch noch die Zuckerfee vertrat, die leider an der Veranstaltung nicht teilnehmen konnte.

Von der Sarretour, die in Wanzleben gestartet war, stellten sich 76 Radler in Hundisburg ein. Klaus Wrüske, der seit Jahren diese Tour in Regie hat, war damit sehr zufrieden. Jüngster Teilnehmer der "Sarretour" war der fünfjährige Max Schmelzer. Er war wie bereits im Vorjahr extra aus Marienborn nach Wanzleben gereist, um hier auf sein nigelnagelneues Rennrad zu steigen und die knapp 42 Kilometer bis nach Hundisburg mitzuradeln.

"Ich hoffe, dass die Elsbeere mit dem Wasser gut gedeiht"

Zu den Radlern gehörten übrigens auch fünf Damen im Alter von 32 bis 69 Jahren aus Taterberg im Altmarkkreis Salzwedel. Sie waren 25 Kilometer bis Flechtingen gefahren und hatten sich dann dort an die Tour angeschlossen. Die Radlerinnen, die auch im vergangenen Jahr den Termin nicht verpassten, sind an jedem Sonntag gemeinsam mit dem Rad unterwegs.

Auf dem Schlosshof in Hundisburg wurde es richtig eng. Viele Stände luden ein zum Verweilen, natürlich wollten sich auch alle nach der Tour stärken und Kräfte sammeln für die Rückfahrt.

So mancher Radfahrer, der sehr wohl auch Auto fährt, nutzte die Gelegenheit am Stand der Verkehrswacht Oschersleben, in einen Überschlagsimulator zu steigen und sich dann von Andreas Hintze von der Landesverkehrswacht genau erklären zu lassen, wie man aus einem Auto "aussteigt", das auf dem Dach liegt.

Ratschläge für das Rad oder auch am Stand der AOK für gesunde Ernährung wurden gern angenommen. Informationsstände aus Städten und Kommunen, aus dem Naturpark Drömling, vom Ferienschloss Altenhausen und vielen mehr waren gefragt. Und viele Gäste interessierten sich auch für die Haldensleber Tempelritter und die Walbecker Turmfalken, die das Leben im Mittelalter verkörperten.

Immerzu etwas los war auf der Showbühne von radio SAW. Als ein Höhepunkt gestaltete sich - wie in den Vorjahren - das Zusamenschütten des mitgebrachten Wassers nach dem Motto "Hier fließt alles zusammen", um eine Elsbeere für den Park anzugießen. Die Heidekönigin Josephine, die Bördekönigin Sylvia und die Weferlinger Kirschkönigin Maria waren dabei gefordert. Als Dank für das Wasser bekamen die Majestäten für die Startorte ihrer Touren kleine Elsbeeren. Gertrud von Haldensleben (1040 - 1116), Herzogin von Sachsen und als Letzte ihres Geschlechts Alleinerbin bedeutender Besitztümer, verteilte die Elsbeeren. Verkörpert wurde Gertrud von Haldensleben von Kerstin Weinrich von der Initiative Haldensleben-dig.

   

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