Die Kooperation zwischen der Haldensleber Europaschule Gebrüder Alstein und der Ahmon Schule aus Siilinjärvi in Finnland wurde gestern im Rathaus besiegelt. Seit fünf Jahren bestehen Briefkontakte zwischen Schülern beider Schulen, und dabei spielte es keine Rolle, dass die Haldensleber die Grundschule besuchen, die Mädchen und Jungen in Siilinjärvi aber bereits die Sekundarschule.

Haldensleben. Ungeduldig warteten die Mädchen und Jungen der Alsteinschule gestern auf ihre finnischen Gäste. Als gestern Nachmittag der Partnerschaftsvertrag im Haldensleber Rathaus unterzeichnet werden sollte, kamen die Gäste aus Finnland gerade erst auf dem Flughafen an. Der Flug hatte sich verzögert. So verschob sich die lange angestrebte Vertragsunterzeichnung, die Gäste trafen erst um 17 Uhr im Rathaus ein. Das spielte nun aber auch keine Rolle mehr, wichtig war allein, dass sich die Mädchen und Jungen aus beiden Schulen nun endlich kennenlernen konnten.

Entstanden ist diese Freundschaft aus einer privaten Initiative. Die Tochter von Sonnhild Hess, sie ist Englisch- und Musiklehrerin an der Alsteinschule, lebte einige Zeit in Finnland und lud natürlich auch ihre Gasteltern nach Deutschland ein. Sonnhild Hess und Seija Niskanen, die finnische Gastmutter ihrer Tochter, verstanden sich sofort. Seija Niskanen ist Lehrerin an der Ahmon Schule in Siilinjärvi. So entstand die Idee, Briefkontakte zwischen den Schülern beider Schulen herzustellen. Begonnen wurde mit den damaligen Erstklässlern, und da die Alsteinschüler von der 1. Klasse an Englisch lernen, war das kein Problem, und die finnischen Schüler begannen Deutsch zu lernen. Die drei Jahre Altersunterschied konnten gut überbrückt werden.

Seit fünf Jahren schreiben sich die Schüler mittlerweile. Die finnischen Schüler besuchen jetzt die 9. Klasse, die einstigen Alsteinschüler gehen bereits in die 5. Klasse an weiterführenden Schulen. Der Schulkontakt aber wurde vertieft. Im vergangenen Jahr entwickelten die beiden Lehrerinnen Sonnhild Hess und Seija Niskanen - zum größten Teil per e-mail - eine Idee. Ein gemeinsames Märchenprojekt sollte ins Leben gerufen werden. Märchen verbinden Generationen und Völker, war der Grundgedanke (Volksstimme berichtete). Und für das Treffen wurde die Europawoche 2011 ins Auge gefasst. Es hat geklappt. Dank Unterstützung von der Stadt Haldensleben und von den Stadtwerken konnte die Grund- schule Gebrüder Alstein die finnischen Freunde auch tatsächlich einladen.

"...dass die Freundschaft in die Familien hineingetragen wird"

Dezernent Henning Konrad Otto, der die Gäste aus Skandinavien gestern im Rathaussaal begrüßte, wünschte sich, dass sich die Gäste in Haldensleben und seiner grünen Umgebung, die vielleicht ein bisschen an Finnland erinnert, wohl fühlen mögen und, "dass die Freundschaft in die Familien hineingetragen wird".

Michael Blaschke, Leiter der Gebrüder Alstein Schule, unterzeichnete gestern Abend den "Kooperationsvertrag im Sinne des europäischen Gedankens". Vereinbart wurde damit eine Zusammenarbeit auf kulturellem, sportlichem und schulischem Gebiet. Jouni Puranen, der Leiter der finnischen Sekundarschule, hatte den Vertrag bereits in Siilinjärvi unterzeichnet. Die Schuldelegation wird geleitet von der Initiatorin der Zusammenarbeit, von Seija Niskanen.

Die Haldensleber begrüßten ihre Gäste nicht nur mit großen und kleinen finnischen Fahnen. Es gab auch extra Torten mit der finnischen und der Europafahne sowie mit dem Haldensleber Stadtwappen.

Gestern empfingen die Drittklässler die finnischen Schüler. Sie werden es auch sein, die das gemeinsame Märchenprojekt mit den Gästen auf die Bühne bringen. Seit Januar wird in der Alsteinschule für das Musical "Cinderella" geprobt. Gesprochen und gesungen wird englisch. Musikalische Grundlage des selbst erdachten Stückes sind Hits von ABBA. Die werden allerdings nicht in Originaltexten gesungen, sondern mit eigenen Texten passend zum modernen Märchen. So wird das Aschenputtel zur Dancing Queen.

"Das Stück ist so zusammengestellt, dass es den Achtjährigen und auch den Fünfzehnjährigen Spaß macht", versichert Sonnhild Hess. Und die beiden 3. Klassen haben dabei eine tolle Teamarbeit entwickelt. Den 42 Schülern macht es soviel Freude, dass sogar alle gemeinsam auf der Bühne tanzen werden.

Die finnischen Schüler und ihre Brieffreunde, die jetzigen Fünftklässler, werden die Hits als Chor mitsingen. Gestern Abend nach dem Empfang im Rathaus brachten Eltern und Großeltern der Alsteinschüler die Finnen nach Hundisburg, wo sie übernachten werden. Und da trafen sie dann auch ihre Brieffreunde. Nach dem ersten Kennenlernen wurde gemeinsam gesungen.

"In Finnland ist es fast noch Winter, hier grünt und blüht es"

Das Ergebnis des gemeinsamen Projekts ist morgen um 17 Uhr im Akademiesaal auf Schloss Hundisburg zu sehen und zu hören. Interessierte Zuschauer sind willkommen. Die deutschen Texte werden eingeblendet, aber auch die englischen für jene, die mitsingen wollen. Das gemeinsame Programm bietet außerdem noch eine ganz kurze Einstimmung der 1. und 2. Klassen. Nach dem Musical "Cinderella" gibt es eine kleine Pause. Dann stimmen die 4. Klassen auf den Frühling in Europa ein, und die Gäste aus Siilinjärvi werden zum Abschluss ein finnisches Nationalepos vortragen.

"In Finnland ist es noch fast Winter, hier grünt und blüht es", freute sich Seija Niskanen, als sie sich für die herzliche Aufnahme bedankte und Henning Konrad Otto ein Gastgeschenk überreichte: eine rote herzförmige Vase als Zeichen der Freundschaft.

Die 18 Schüler aus Finnland werden in den Klassen aus ihrer Heimat erzählen. Sie fahren auch nach Wolfsburg, Magdeburg und Berlin, besuchen das Haus des Waldes in Hundisburg und werden so viele Eindrücke mit nach Hause nehmen.

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