Hundisburg (jch). "Wenn man ¿Musik aus Böhmen und Mähren\' auf dem Programm liest, denkt man unwillkürlich erstmal an ¿Die Moldau\' oder Ähnliches", wusste Christian Simonis am Wochenende die Gedanken einiger Konzertbesucher zu lesen.

Der aus Wien stammende Dirigent und Generalmusikdirektor der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie in Schönebeck erklärte, dass Musik aus Böhmen und Mähren, wie sie im Haus des Waldes auf dem Programm stand, ein weitaus breiter gefächertes Feld ist als die wenigen bekannten Werke.

Für das neunte klassische Benefizkonzert, das durch den Förderverein Haus des Waldes und den Lions Club Haldensleben veranstaltet wurde, hatten die Musiker sowohl die Suite für Streicher von Leos Janacek als auch die Serenade für Streicher ES-Dur op.6 von Josef Suk ausgesucht. Die Harmoniemusik für zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, zwei Hörner und den Kontrabass aus Mozarts Oper "Don Giovanni" führten sie ebenfalls auf. Leos Janacek, der mit dem berühmten böhmischen Komponisten Antonin Dvorak befreundet war, wurde 1854 in Hukvaldy in Mähren geboren und schrieb seine Suite für Streicher 1877. In seinem letzten Lebensjahrzehnt schrieb er fast alle seine Meisterwerke: Die Opern "Katja Kabanowa", "Das schlaue Füchslein", "Die Sache Makropulos" und "Aus einem Totenhaus", seine beiden Streichquartette, die Sinfonietta und die "Glagolitische Messe". Der Prager Komponist Josef Suk, Schwiegersohn Dvoraks, erlitt ein Trauma als innerhalb eines Jahres sein verehrter Schwiegervater und seine geliebte Frau Otylka starben. Der Verlust brachte ihn jedoch zu einer ganz eigenen Tonsprache, die mit der fünfsätzigen Symphonie Asrael op.27 begann und in weitere Werke mündete.

Die Einnahmen des Konzertes, das traditionsgemäß am ersten Sonntag im Mai stattfindet, werden für die Kinder- und Jugendarbeit des Hauses des Waldes sowie das soziale Engagement des Lions Club verwendet. Die Musiker des hochkarätigen Ensembles, das zu den profiliertesten Klangkörpern Sachsen-Anhalts zählt und bereits zum dritten Mal beim Benefizkonzert im Haus des Waldes spielte, verzichteten auf ihr Honorar.