Dass sich die Haldensleber Innenstadt sehen lassen kann, darüber waren sich die Frauen und Männer am Dienstagabend in der Kulturfabrik einig. Sie zogen eine kleine Bilanz über 20 Jahre Stadtsanierung und sprachen Probleme an. Höhere Förderung für einzelne Grund- stücke mit gutem Konzept ist in Einzelfällen möglich. Der Verkauf von sanierungsbedürftigen und 1-Euro-Grundstücken soll über die Internetseite der Stadt angekurbelt werden.

Haldensleben. Mehr als 35 Millionen Euro Fördermittel und Eigenmittel der Stadt flossen in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten in die Stadtsanierung. 24,3 Millionen Euro Fördermittel und 9,7 Millionen Euro aus dem Stadthaushalt - konkretisierte Horst Müller von der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg) im Bürgerforum am Dienstagabend. Und mit diesen Mitteln seien in der Innenstadt für Sanierungsmaßnahmen insgesamt Mittel in Höhe von etwa 125 bis 130 Millionen Euro ausgelöst worden, machte Horst Müller deutlich. Diese Zahlen sind eigentlich bekannt, machten aber durchaus noch einmal deutlich, mit welcher Intensität die Sanierung vorangetrieben wird.

Auf großen Plakaten wurde mit unzähligen Fotos optisch belegt, was Stadtsanierung in Haldensleben bedeutet. Zu weiteren Schwerpunkten - beispielsweise grüne Höfe und Ersatzneubauten - wird es noch ähnliche Zusammenstellungen geben, kündigte Horst Müller an. Dezernent Henning Konrad Otto regte an, diese Bildwände doch in großen Betrieben auszustellen. Dort arbeiten sehr viele Einpendler, merkte Otto an, vielleicht rege das ja einige an, sich näher mit der Stadt zu beschäftigen und hierherzuziehen. In der Altstadt sei 2007, 2008, 2009 ein sehr hoher Zuzug zu verzeichnen gewesen. Und hier gebe es auch die höchste Geburtenrate. Wohnungen in sanierten Häusern finden ganz schnell Mieter, versicherte Otto.

In den nächsten Jahren werden Fördermittel für die Stadtsanierung drastisch schrumpfen. Müller rechnet wie auch Bauamtsleiter Ralf Krupp-Aachen mit einem Abschluss der Sanierungsphase 2015/16. Bis dahin aber werden noch nicht alle Ziele der Rahmenplanung erreicht sein. Deshalb sollte das Bürgerforum auch Vorschläge und Anregungen bringen, wie die Altstadt noch attraktiver werden kann.

Ob die Stadt nicht lieber weniger Geld in Straßen und dafür mehr in Gebäude stecken könnte, wurde gefragt. Und ob die Stadt nicht die Höhe der Zuschüsse bei Sanierungen erhöhen könne. Das Baugesetzbuch lege fest, dass die Kommunen für die Ordnungs- maßnahmen zuständig seien, also für Straßen, Wege, Plätze, erläuterte Müller. Baumaßnahmen seien Aufgaben der Eigentümer. Leider gebe es eine Reihe von Grundstückseigentümern, die trotz Förderung die Mittel für die Sanierung nicht aufbringen können.

Die Anregung, die Fördersätze wieder anzuheben, könne man bedenken, ergänzte Otto. In Einzelfällen könne ein Antrag auch im Stadtrat vorgetragen werden. Wenn das Konzept überzeugt, werde der Stadtrat sicher auch zustimmen. "Herr Müller kann das Geld für private Investitionen nur ganz schwer an den Mann bringen", holte Otto aus und machte damit deutlich, dass der Saleg-Mitarbeiter, der an jedem Dienstag im Rathaus zu erreichen ist, ständig mit Hauseigentümern im Gespräch ist, um sie bei der Sanierung ihrer Grundstücke zu unterstützen.

Dieter Bollmann fragte nach, ob die Stadt keine Möglichkeiten habe, die Sanierung der Villa Albrecht und des Ratsfischerhauses voranzubringen. Da kann die Stadtverwaltung derzeit nichts machen, sagte Otto. Für das Ratsfischerhaus wäre bei guter Begründung sicher auch eine höhere Förderung möglich.

Bei besonderen Problemhäusern wie der Stendaler Straße 10 hatte die Stadtverwaltung sich um die Klärung der Eigentumsverhältnisse bemüht, was sehr aufwändig war, und das Haus gekauft, um es weiter zu verkaufen. Für dieses Haus und das benachbarte Grundstück Gärhof 1 hat sich inzwischen ein Investor gefunden, der die Gebäude restaurieren will.

"Der Internetauftritt der Stadt wird überarbeitet", führt Müller an. Die neue Seite solle auch einen besseren Zugriff auf zu verkaufende Grundstücke ermöglichen. Horst Müller führte dabei ebenfalls die Grundstücke an, die für einen Euro angeboten werden.

"Auch private Eigentümer, die Grundstücke in der Innenstadt verkaufen wollen, können sich für die Internetseite melden", bot Müller an.